Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - "Wiener Mädchenhändler": Solche knalligen Schlagzeilen überraschen beim "Falter" irgendwie. Lassen wir aber die Frage beiseite, ob die breite und detailfreudige Schilderung von schlimmen Details vielleicht vordergründige, auflagenorientierte Motive hat, die eigentlich eher in jene Medien gehören, die der "Falter" so gerne zerschlagen möchte. Lassen wir auch die Frage beiseite, ob der Bericht überhaupt stimmt. Nicht beiseitezulassen ist aber die Tatsache, dass sich der "Falter" bei seinen Protokollen auf einen Lauschangriff der Polizei beruft.

Ist das derselbe "Falter", der einst an der Spitze der politisch korrekten Opposition im Kampf gegen den Lauschangriff gestanden ist? War nicht damals auch besonders mit der Sorge argumentiert worden, dass Lauschangriff-Protokolle gezielt den Weg in Medien finden könnten? Hat im grünen Kampfblatt ein Umdenken in Sachen Lauschangriff gegen Verbrecherbanden stattgefunden? Oder sind Lauschangriffe ab nun nur dann erlaubt, wenn sie sich exklusiv im "Falter" samt gschmackiger Empörung über Schweine im Nadelstreif und ausgebeutete Ostmädchen niederschlagen? Mangels Lauschangriffs auf die dortige Redaktion sind die Fragen leider nicht zu beantworten.

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Es ist ein geradezu archetypischer Konflikt. Was tun, wenn die öffentliche Hand plötzlich Geld zur Verfügung hat: Steuern senken oder Forschung fördern? Die Antwort ist ganz klar: Eine Steuersenkung bringt dem Land mehr Wachstum als die Forschung. Das wird jedem klar, der ein bisschen beobachtet, wieviele "Forschungs"-Projekte nur deshalb stattfinden, damit Förderungsgeld kassiert werden kann; der die Eigeninteressen der für Forschungsgelder kämpfenden Gruppen analysiert; der sieht, dass wir eine relativ eifrige staatliche Forschungsförderung, aber viel zuwenig privatwirtschaftliche Erfinder und Entdecker haben. Menschen und Firmen, die eigenes - also nicht staatliches - Geld einsetzen, tun das im Schnitt immer viel effizienter und erfolgreicher als Beamte, Politiker und Kommissionen, die die korrekte Ausfüllung von Formularen dem unternehmerischen Risiko vorziehen.

Was neben der Aussicht auf Gewinn die wachstumsfördernde Forschung im privaten wie öffentlichen Bereich besonders antreiben würde, wäre eine Beseitigung der vielen Vorschriften, die in Westeuropa die Forschung knebeln. Aber jedes dieser Verbote vom Tier- über den Atom-und Gen- bis zum Hormonschutz ist ja einmal von einer Gruppierung erkämpft worden, mit der sich die Politik nicht gerne anlegt.

Es ist aber gerade der technologische Vorsprung, der uns erlaubt, höhere Gehälter zu zahlen als anderswo.

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