"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ein Kompliment für Gorbach" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 26.08.2005

Wien (OTS) - Ein schöneres Kompliment hätte sich Verkehrsminister Hubert Gorbach nicht wünschen können: Die Bregenzer Wirtegemeinschaft attestiert ihm, dass die "Dauerdiskussion über den Verkauf der Bodenseeschifffahrt den Preis in die Höhe treibt".
Bravo! Das kann uns Steuerzahler nur freuen. Schlimm wäre gewesen, wenn die Diskussion zu einem Preisverfall geführt hätte und der Bund beziehungsweise die ÖBB nur mit einem niedrigen Erlös aus der Privatisierung rechnen dürften.
Die Wirte sehen das allerdings anders. Sie fürchten, dass der Öffentlichen Hand die Bodenseeschifffahrt zu teuer werden könnte. Wo soll dabei das Problem sein? Glaubt wirklich jemand, dass die immer noch ziemlich schwerfällige ÖBB oder Land und Stadt die optimalen Eigentümer eines Tourismusbetriebes sind?
Alle bisherigen Erfahrungen sprechen dagegen. Ein privater Interessent wird wohl nur zuschlagen, wenn er sich mittel- bis langfristig saftigen Gewinn erwartet. Gewinn aber heißt: Attraktive Angebote für die Kunden, optimale Fahrpläne und möglichst viele Fahrgäste. Auf der Donau hat das funktioniert, der Fremdenverkehr profitiert heute mehr denn je von der Schifffahrt - ganz anders als in jenen Zeiten, da die chronisch defizitäre staatliche DDSG das Sagen hatte.
Dass just die Wirte Bedenken gegen eine private Bodenseeschifffahrt haben, gibt zu denken. Schon in der Vergangenheit haben sich nicht wenige dagegen gewehrt, dass bei Sonderveranstaltungen ein attraktives kulinarisches Angebot am See zustande kommt; offenbar hatten etliche Innenstadtgastronomen Angst, dass ihnen Gäste wegbleiben. Das könnte auch jetzt das Motiv sein.
Die Rahmenbedingungen - Sanierung der Hafenanlagen, freier Zugang zum See und ähnliches - müssen natürlich für alle Bewerber gleich sein. Land und Stadt täten gut daran, heute schon klar zu machen, womit der neue, private Eigentümer im Detail zu rechnen hat. Politische Interventionen danach sind sinnlos.
Selbstverständlich ist durch Kontrollen im Vorfeld des Eigentümerwechsels sicherzustellen, dass tatsächlich der Bestbieter zum Zug kommt: Das schließt ein attraktives touristisches Konzept, die Bereitschaft zu Investitionen, finanzielle Leistungsfähigkeit und entsprechende Managementkapazitäten ein. Wenn das alles zutrifft, wird man auch der Touristik-Gruppe "Silvretta Nova" des Unternehmers Walter Klaus samt einem Geschäftsführer Hubert Gorbach den Kauf nicht verweigern dürfen. Passt das Angebot nicht, darf Klaus trotz seiner engen Beziehungen zu Gorbach nicht zum Zug kommen.
Gastronomie und Hotellerie wiederum wären gut beraten, sich jetzt schon eine enge Zusammenarbeit mit der "Bodenseeschifffahrt neu" zu überlegen statt einfallslos gegen die Privatisierung Sturm zu laufen. Sonst könnte man meinen, dass sie von einem attraktiven Angebot auf und rund um den See etwas zu befürchten hätten.

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