WirtschaftsBlatt Kommentar vom 27.8.2005: Alpbach sollte mehr sein als ein Plauder-Treff - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Das Tiroler Blumendorf Alpbach darf richtig stolz
sein: Mit dem alljährlich stattfindenden Forum Alpbach wurde längst etwas geschafft, worum es in ganz Europa beneidet wird. Dieses Meeting intelligenter Köpfe in idyllischem Ambiente findet nirgendwo seinesgleichen.
Wie gewohnt wird auch heuer wieder ein Paket an interessanten Veranstaltungen geboten, diesmal unter dem Generalthema "Europa -Macht und Ohnmacht". Etwa die Reformgespräche, die heute zu Ende gehenden Technologiegespräche, weiters die Politischen Gespräche, die Wirtschaftsgespräche sowie die Gesundheitsgespräche.
Auch in diesem Jahr sind im "Dorf der Denker" die erlesensten Wirtschaftsforscher (Aiginger, Felderer), die besten Manager (Raidl, Ruttenstorfer) und die prominentesten Lobbyisten (Leitl, Sorger, Verzetnitsch) zu Gast; überdies reist ein Heer ausländischer Politiker (wie Vaclav Klaus), be-rühmten Professoren (z. B. von der Oxford oder der George-town University) sowie hochrangiger Experten aus unterschiedlichsten Bereichen an, sogar aus Indien, Singapur oder Russland.
Auch beinahe unsere gesamte Regierung, von Schüssel abwärts, schaut wieder für eine kleine Rede vorbei. Und mit Ausnahme der leider verhinderten Herren Gorbach und Grasser lauscht sie den meist hochinteressanten Vorträgen der internationalen Intelligenzia. Aber bringt das was?
Schade ist nämlich, dass - mit Ausnahme einer schönen Broschüre im nachhinein - relativ wenig übrig bleibt von diesem Massen-Meeting der g’scheitesten Gehirne. Schade ist, dass von den vielen klugen Referaten und Diskussionen kaum etwas hängenbleibt, was man zur Lösung gängiger Probleme dringend verwerten könnte. Und schade ist, dass Alpbach zu einem Mega-Event der gesellschaftlichen Sorte zu verkommen droht, bei dem’s vielen in erster Linie auf Smalltalk, Networking und Gesichtsbäder ankommt und weniger um komplizierte Inhalte.
Es kommt jedenfalls nicht von ungefähr, dass aus Alpbach am ehesten schräge Sager überliefert werden - wenn etwa der durchaus verdienstvolle Forum-Präsident Erhard Busek ziemlich unverblümt dem Kanzler ausrichtet, dass dessen Zeit vorbei sei.
Für die Politik sollte Alpbach mehr sein als eine sommerliche Stippvisite. Vielleicht kann die Regierung einmal einen Betriebsausflug nach Tirol machen und bei einer Arbeitsklausur möglichst wenig reden, sondern lieber den Fachleuten zuhören.

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