Prammer zu Frauen im Sudan: "Ohne Frauenrechte wird es keine gute Zukunft für den Sudan geben" Bayr: Freies Geleit für NGOs, die über Fakten im Sudan berichten

Wien (SK) Einen besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung, Arbeit, Bildung, Empowerment von Frauen bei der Entwicklungszusammenarbeit und vor allem mehr Teilhabe an der Demokratie wünschen sich die Frauen, die sich heute auf Einladung der Zweiten Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und organisiert vom Verein "NilDonau" zum internationalen Kongress zum Thema "Die Rolle sudanesischer Frauen beim Demokratisierungsprozess und Wiederaufbau im Sudan" getroffen haben. Ziel dieser parlamentarischen Premiere ist es, dass sich österreichische Parlamentarier und NGOs gemeinsam mit Exilsudanesen, VertreterInnen der sudanesischen Zivilgesellschaft und sudanesische Frauen - beide Gruppen sehen sich beim Demokratisierungsprozess im Sudan ausgeschlossen - austauschen und Zukunftsstrategien entwickeln. "Ohne Frauen kann es keine Demokratie im Sudan geben und ohne Frauenrechte wird es keine gute Zukunft für den Sudan geben", ist Prammer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Petra Bayr, der SPÖ-Sprecherin für Entwicklung und Zusammenarbeit, der Abgeordneten Ulrike Lunacek von den Grünen, Amna Dirar, der Vertreterin der sudanesischen Frauendelegation, sowie VertreterInnen der NGOs Nil Donau und Sudan Plattform Austria am Freitag überzeugt. ****

Amna Dirar, die Vertreterin der sudanesischen Frauendelegation betonte, dass die derzeitige Verfassung "für Frauen nicht fair ist -Frauen haben mit dieser Verfassung keine Zukunft im Sudan". Gefordert werden demokratische Rahmenbedingungen für ein faires Leben in hinreichender Qualität. Ishraga Mustafa Hamid, Obfrau des Vereins NilDonau, wies auf die Bedeutung des Lobbying und der Vernetzung sowie der Solidarität der europäischen Frauen mit den Frauen im Sudan hin.

Frauen im Sudan sind mannigfachen Problemen ausgesetzt. Neben der nach wie vor instabilen Situation - das Aufbrechen von bewaffneten Konflikten ist jederzeit möglich - und der Nicht-Einbeziehung von Frauen im Demokratisierungsprozess, ist vor allem der Mangel an einer geschlechtsspezifischen Kriegsfolgenbewältigung zu nennen. Aber auch abseits der kriegerischen Brandherde ist das Alltagsleben der sudanesischen Frauen ein mühsamer Spießrutenlauf zwischen den Geboten der Scharia, der mangelhaften Gesundheitsversorgung und der Tatsache, dass 90 Prozent der Frauen beschnitten sind - was zusätzliche medizinische Risken mit sich bringt.

"Faktum ist, dass die besondere Situation der Frauen in Darfur dramatisch ist", sagte Bayr. Die Abgeordnete sprach die Ereignisse, die zu einer vorübergehenden Verhaftung des Leiters von Ärzte ohne Grenzen (MSF) im Sudan geführt hatten, an. Auslöser war ein Bericht von MSF über Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen in Darfur. In 500 Fällen hatte MSF medizinische Beweise gesammelt. "Über 80 Prozent der Opfer hatten angegeben, von Soldaten oder von Mitgliedern regierungstreuer Milizen vergewaltigt worden zu sein", erläuterte Bayr. Die sudanesische Regierung hatte daraufhin die Hilfsorganisation beschuldigt, einen falschen Bericht verbreitet, die "Gesellschaft unterwandert" und darüber hinaus spioniert zu haben. In einem offenen Brief an den sudanesischen Botschafter in Wien hatte die Nationalratsabgeordnete gefordert, dass die sudanesische Regierung dafür Sorge trägt, dass die sudanesischen Behörden alles ihnen mögliche unternehmen, um Hilfsorganisationen freies Geleit und eine gefahrfreie Tätigkeit zu garantieren und über die Fakten ihrer Arbeit berichten zu können, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. (Schluss) up

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