ÜBERWACHUNG UND BESTRAFUNG: WAS HALTEN EUROPAS AUTOFAHRER DAVON?

Kontrollen und Strafen werden als Mittel für mehr Verkehrssicherheit gesehen - Zwei Drittel der Österreicher können sich stärkere Überwachung vorstellen

Wien (OTS) - Die seit langem tiefgreifendste Neuerung im österreichischen Verkehrs-Strafsystem war die Einführung des Vormerksystems am 1. Juli 2005, mit dessen Hilfe Hochrisikolenker aus der Masse der rücksichtsvollen Fahrer ausgefiltert werden sollen. Ansonsten kommen Verkehrssünder in Österreich relativ billig davon. Ein Norweger würde sich darüber wundern, dass eine Geschwindigkeitsübertretung von 20 km/h hierzulande maximal 55 Euro kostet - in Norwegen müssen für dasselbe Delikt nämlich mindestens 390 Euro hingelegt werden. Wem das Handy beim Autofahren am Ohr klebt, wird in Österreich um 25 Euro erleichtert, in Griechenland ist die Exekutive mit einem Strafrahmen von bis zu 150 Euro weniger nachsichtig. In der europäischen Studie SARTRE (Social Attitudes to Road Traffic Risk in Europe) wurden jeweils 1.000 Autofahrer in 23 Ländern zu ihren Einstellungen zum System der Überwachung und Bestrafung befragt.

Fast jeder zweite österreichische Autofahrer meint, Überwachung und Bestrafung würden effizient funktionieren, 71 Prozent sehen darin ein probates Mittel zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Damit liegt Österreich im Mittelfeld, unschlagbar ist die Zufriedenheit hingegen in Estland mit 97 Prozent. Obwohl griechische Lenker vergleichsweise kräftig zur Kasse gebeten werden, halten 88 Prozent die Strafen für die Schwere der Vergehen angemessen. In Österreich sind hingegen nur 64 Prozent der Meinung, dass Deliktschwere und Strafhöhe zusammenpassen. Zusätzlich war rund ein Drittel der befragten heimischen Autofahrer der Ansicht, dass das Überwachungs- und Strafsystem nicht alle Lenker gleich behandelt. Am schlimmsten scheint die Situation in der Slowakei zu sein: Jeder Zweite fühlt sich dort in punkto Strafe ungerecht behandelt.

Soll mehr überwacht und härter gestraft werden?

Obwohl die österreichischen Autofahrer mit Überwachung und Strafsystem relativ zufrieden sind, sprachen sich über zwei Drittel für eine noch stärkere Überwachung der Verkehrsregeln aus. "Die Autofahrer merken in Österreich durchaus, dass man schon ziemliches "Pech" haben muss, um etwa in eine Alkoholkontrolle zu geraten", merkt Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) an. "Derzeit passiert das statistisch gesehen nämlich nur alle 33 Jahre." Den Schweizern reicht das momentane Überwachungsausmaß, nur 51 Prozent der Eidgenossen wollen noch stärker kontrolliert werden. Aufholbedarf orten vor allem Kroaten und Italiener, die mit 94 bzw. 91 Prozent Zustimmung noch viel Raum für Verbesserungen in der Überwachung sehen. Erhebliche Unterschiede gibt es zwischen dem Hochstraf-Land Finnland und Österreich, wenn es um das Ausmaß von Strafen geht: Während im hohen Norden 80 Prozent der Autofahrer für noch härtere Strafen gegen Verkehrsvergehen sind, stimmen dem nur 52 Prozent der Österreicher zu. Nur noch in der Schweiz und in Schweden sind die Autofahrer signifikant höher gegen eine drakonischere Bestrafung.

Welche Maßnahmen finden Europäer sinnvoll?

Auf wenig Gegenliebe stößt europaweit die Idee, die Geschwindigkeitsüberwachung in die Hände privater Organisationen zu geben: Nur etwa jeder Sechste kann diesem Vorschlag etwas abgewinnen. Automatische Kameras zur Ampel- und Geschwindigkeitsüberwachung befürwortet hingegen jeder zweite österreichische Pkw-Fahrer, womit wir mit Spanien, Schweden, Deutschland und der Schweiz allerdings auf den letzten Rängen liegen. Sehr stark gehen die Meinungen auseinander, wenn es um die Frage geht, ob man für eine im Ausland begangene Straftat im eigenen Land verfolgt werden soll: Während Holländer dieser Forderung zu 99 Prozent und Österreicher immerhin noch mit 71 Prozent zustimmen, halten zwei Drittel der polnischen Autofahrer überhaupt nichts davon.
Generell positiv stehen Europas Autofahrer verpflichtenden Kursen und Tests bei Alkoholdelikten gegenüber - nur etwa drei von zehn Europäern sprachen sich dagegen aus. Sehr viel unterschiedlicher sind die Meinungen, wenn es um verpflichtende psychologisch-medizinische Untersuchungen alle zehn Jahre geht. Während 89 Prozent der Esten kein Problem damit hätten, sich regelmäßig durchchecken zu lassen, kann sich das nur jeder dritte österreichische Pkw-Lenker vorstellen. Untersuchungen ab dem 60. Lebensjahr würde hingegen jeder Zweite bereitwillig über sich ergehen lassen, die Finnen zeigten sich mit einer Zustimmung von 96 Prozent eindeutig am sicherheitsbewusstesten.

Wien, am 25. August 2005

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