WirtschaftsBlatt Kommentar vom 23.8.2005: Konjunktur - das sind wir alle- von Arne Johannsen

Wien (OTS) - Wissenschafter zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie auf einfache Fragen komplizierte Antworten geben. Bei der Podiumsdiskussion im Berliner Wissenschaftszentrum war das überraschend anders: "Was fehlt Deutschland eigentlich?", lautete die Frage an die versammelten Experten - "Optimismus", war deren einhellige Meinung.
Diese Antwort gilt nicht nur für Deutschland. Umso erfreulicher das Ergebnis einer aktuellen Market-Umfrage unter Jungunternehmern: Fast jeder zweite Befragte erwartet für die zweite Jahreshälfte einen grösseren wirtschaftlichen Erfolg, zum Teil sogar das beste Halbjahr überhaupt. Dieses eindeutige Votum ist doppelt wichtig: Es zerreisst die lähmenden Nebel des Pessimismus und gibt den Blick frei auf den blühenden Teil der Wirtschaft. Und es kommt von glaubwürdigen Menschen, die Mut nicht nur predigen, sondern ihn auch vorleben, indem sie ihre Zukunft selber in die Hand nehmen.
Der Optimismus der Jungunternehmer ist ein überaus wichtiges Signal. Denn längst sind sich die Wirtschaftsforscher einig, dass vor allem der flaue private Konsum der grösste Bremsklotz für einen Konjunkturaufschwung ist. Insofern gilt: Konjunktur, das sind wir alle.
Die Kaufzurückhaltung ist Ausdruck einer tiefen Verunsicherung. Diese resultiert vordergründig aus den schlechten Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Wer fürchtet, morgen keinen Job mehr zu haben, wird sich heute kaum ein neues Auto kaufen, so lange das alte noch fährt. Doch die eigentliche Verunsicherung sitzt viel tiefer: In Zeiten der Globalisierung empfinden die Menschen schmerzlich und täglich neu "ihre Langsamkeit in einer wandlungsbeschleunigten Welt", wie es der Philosoph Odo Marquard ausdrückt.
Daran ist auch die Wirtschaft schuld. Kostensenkung ist für viele Betriebe überlebensnotwendig - eine Zukunftsvision vermittelt ein reines Sparpaket nicht. Wer seinen Mitarbeitern permanent das Gefühl gibt, sie seien zu teuer und könnten jederzeit durch billigere Slowaken, Rumänen oder Chinesen ersetzt werden, der darf sich nicht wundern, wenn diese Mitarbeiter neuen Herausforderungen nicht gerade zuversichtlich und mutig entgegensehen.
Gerade Mut und Zuversicht sind derzeit gefragt. Deshalb ist der Optimismus der Jungunternehmer so wichtig. Denn er verleiht der zuletzt arg gebeutelten Aktie "Zukunft" einen Turbo, den diese dringend benötigt.

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