Chemikalien: Ärzte fordern strengere Kontrolle

Österreichische Ärztekammer: geplante EU-Chemikalienverordnung für "ungenau und lückenhaft" - Brettenthaler: "Nachbesserungen zum Schutz der Gesundheit unabdingbar"

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer warnt vor einer Verwässerung der in Europa geplanten neuen Chemikalienverordnung. Nachbesserungen seien zum Schutz der Gesundheit und Umwelt unabdingbar, mahnte ÖÄK-Präsident Reiner Brettenthaler in einer Aussendung am Montag. In einem Brief hatte Brettenthaler zuvor dieMitglieder der Bundesregierung und die Abgeordneten des Europäischen Parlaments gebeten, sich dafür einzusetzen, dass wesentliche Forderungen der europäischen Ärzteschaft zum Schutz der Gesundheit Eingang in den Verordnungsentwurf finden. Der so genannte REACH-Verordnungsentwurf der Europäischen Kommission für ein geregeltes Chemikalienmanagement in Europa enthalte diese nicht und sei daher -insbesondere, was Endprodukte wie Kleidung, Kosmetika oder Verpackungsmaterial angehe - "ungenau und lückenhaft".

Brettenthaler nennt die REACH-Initiative, die in der EU 1998 unter der österreichischen Ratspräsidentschaft beschlossen wurde und die im September auch Gegenstand von Ausschussberatungen im Nationalrat sein soll, "vernünftig und begrüßenswert". Allerdings beobachteten die Ärzte "mit großer Besorgnis, dass der derzeit diskutierte Verordnungsentwurf in wesentlichen Punkten hinter die ursprünglich formulierten Grundsätze einer neuen europäischen Chemikalienpolitik zurückfällt". Dies widerspreche den Forderungen, die im Jänner 2005 vom Europäischen Dachverband der Ärzte (CPME), Unterzeichner des im Pariser Appells - einer Internationalen Erklärung zu den Gesundheitsgefahren durch Chemikalien -, formuliert wurden. In diesem Zusammenhang weist der Ärztepräsident "ausdrücklich auf Forschungsergebnisse hin, denen zufolge viele Chemikalien mit potentiell vermeidbaren Krebsarten, Allergien und Fruchtbarkeitsstörungen imn Zusammenhang stehen."

Konkret fordern die Ärzte folgende Ergänzungen:

1. Substitution gefährlicher Chemikalien, wenn sichere Alternativen zur Verfügung stehen - dies sollte besonders dann gelten, wenn die Stoffe in Endprodukten wie etwa Kleidung, Verpackungsmaterial oder Kosmetika zur Anwendung kommen,

2. Zugang zu Information sowie das Recht, über gesundheitsgefährdende Chemikalien informiert zu werden,

3. chemische Produktionsbetriebe sollen für den Schaden, den ihre Produkte verursachen, zur Verantwortung gezogen werden,

4. Verfügbarkeit von Testdaten in entsprechender Menge für jene Substanzen, die in geringen Mengen produziert werden, um darüber entscheiden zu können, ob diese krebserregend oder erbgutschädigend sind oder das Fortpflanzungssystem beeinträchtigen,

5. Chemikalien, die in importierten Produkten enthalten sind, sollen denselben Erfordernissen entsprechen wie jene, die in der EU produziert werden,

6. die Einführung toxikologischer Normen bzw. Grenzwerte zum Schutz der Bevölkerung basierend auf der Bewertung der Risiken der empfindlichsten Bevölkerungsgruppen - Kinder, Säuglinge, werdende Mütter etc.,

7. Freisetzung, Auslösen oder Ausgasen von gefährlichen Chemikalien aus Fertigerzeugnissen müssen im Interesse des Umweltschutzes zuverlässig unterbunden werden.

Der Verordnungsentwurf der Europäischen Kommission zur zukünftigen Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien (Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals; REACH) sieht unter anderem vor, dass innerhalb von elf Jahren 30 000 Chemikalien registriert werden, was bislang in dieser Tragweite nicht stattfand. 4500 dieser Chemikalien werden auf ihre Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit geprüft. Sollten sie sich als gefährlich erweisen, müssen sie anschließend vom Markt genommen werden. Von vielen Substanzen ist bislang nur klar, dass sie sich langfristig im menschlichen Organismus ablagern und nur schwer oder gar nicht abgebaut werden können.

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