"Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar"

Wien (OTS) - Umfragen haben erkundet, was den Österreichern alles sympathisch ist: "Gleichheit" und "Wettbewerb", "Selbstständigkeit" und "Sicherheit". Und das alles gleichzeitig. Sie sind auch für "Sparen", aber gegen "Konsumverzicht". Was folgt daraus? Jedenfalls eines: Die Befragten wissen offenbar meist nicht, wovon sie reden. Kein Wunder, dass Populisten von links und rechts hier leichte Opfer finden.

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Drei Bundesländer treten zur Wahl an, und alle drei sind Musterbeispiele, wie böse es endet, wenn Politiker auch die Wirtschaft regieren. In der Steiermark etwa zeigt sich, wie leichtfertig mit Subventionen herumgeworfen wird (auch an lokale Medien, die sich jetzt über die Vorgänge in Herberstein besonders laut alterieren).

Im Grunde gibts nur eine Lösung: Weg mit den Subventionen, und hinunter mit den Steuern. Denn die Summe der Marktteilnehmer weiß im Schnitt viel besser als alle Kommissionen, Fonds, Beamten und Politiker, wo und wie Geld sinnvoll investiert wird und wo und wie nicht. Vor allem gibt es dann viel weniger Möglichkeit für Betrügereien (oder ständige Vorwürfe, dass betrogen werde). Und wenn die Konsumenten wirklich einen Tierpark wollen - Tiere sind ja vielen ohnedies mehr wert als Kinder -, dann werden sie dafür auch hohe Eintrittspreise zahlen.

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Im Burgenland wieder gerät man ob des Verkaufs einer Bank ins Schleudern. Der Verkauf ist gut und richtig (wenn auch Jahrzehnte zu spät). Nur beim Wie hätte man etwa von der ÖIAG viel lernen können:
Firmen im öffentlichen Eigentum verkauft man über die Börse oder versteigert an den Meistbietenden - und kassiert dann auch noch eine Kontrollprämie, wenn es der Laden wert ist. Hinterzimmergemauschel hingegen kann bei einer (oft übertrieben) kritischen Öffentlichkeit nie gut ausgehen.

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Muss man den Burgenländern immerhin ihre Verkaufsbereitschaft zugute halten, ist Wien, das dritte wählende Land, überhaupt in der wirtschaftspolitischen Steinzeit: Der rathäusliche Umgang mit der Bank Austria (und damit auch der Creditanstalt, der Länderbank, der Zentral-sparkasse) ist längst in den Guiness-Wettbewerb um die größte Geldvernichtung der österreichischen Wirtschaftsgeschichte eingetreten. Und ansonsten will man wie ein Breschnjew keinen einzigen Betrieb aus der öffentlichen Hand geben - selbst wenn die Stadthalle nicht einmal mehr Eislaufflächen produzieren kann. Man hätte ja keine Macht mehr etwa zur Versorgung von Protektionskindern. Und der Wiener Bürgermeister schreibt Bücher, als hätte er Wirtschaftspolitik bei Attac gelernt.

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