Zwei-Klassen-Medizin: Top-Ärzte schlagen Alarm

Österreichs führende Ärzte sehen die Gesundheitsversorgung gefährdet. Der Grund: Kassen zahlen nicht mehr alle neuen Medikamente.

Wien (OTS) - Christoph Zielinski, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie am AKH Wien, warnt im aktuellen NEWS: "Wir können heute an den Spitälern teure, aber hochwirksame Antikrebstherapien, etwa durch Antikörper, nicht durchführen, da diese Behandlungen den Budgetrahmen sprengen. "Unser anerkannt gutes Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps."

Ins gleiche Horn stößt sein Kollege Robert Hawlicek, Krebsspezialist am SMZ Ost: "In der Onkologie sind wir gezwungen, aus ökonomischen Gründen den billigeren Weg bei der Behandlung zu gehen. Das ist leider an der Tagesordnung, denn die Zahlungsunfähigkeit der Spitäler ist Faktum."

Beide Krebsspezialisten bemängeln fehlende zusätzliche Mittel für brandneue, sehr wirksame Antikörper-Mittel wie Herceptin. Dieses Medikament wird erfolgreich zur Brustkrebstherapie eingesetzt, kostet aber pro Behandlungszyklus über 35.000 Euro. Zu viel für die heimischen Krankenkassen.

Doch fehlende Finanzmittel sorgen nicht nur in der Krebstherapie in Österreich dafür, dass alle Patienten nicht mehr die neuesten und wirksamsten Mittel erhalten. Auch Diabetiker sind von der Sparwut der Kassen betroffen. Guntram Schernthaner, Internist an der Wiener Rudolfstiftung: "Wir sind das einzige Land der EU, in dem neue Diabetesmittel, etwa der Insulinsensitizer Actos, nicht von der Kasse bezahlt werden. Dieses Mittel wirkt viel besser gegen Insulinresistenz und die damit verbundenen Gefäß-Schäden als herkömmliche Tabletten." Eine Durchschnittbehandlung kostet 85 Euro im Monat. Zu viel für die Kassen, die dieses Mittel nur freigeben, wenn man andere Diabetesmedikamente nicht verträgt.

Ähnlich bittere Pillen müssen auch Rheumapatienten schlucken. So werden Monoklonale Antikörper und neue Mittel gegen Gelenksabnutzung, wie Verboril oder Condrosulf, von den Kassen nicht mehr bezahlt. Wolfgang Hassfeld, Internist am Wiener Wilhelminenspital: "Bei diesen Medikamenten, die nachgewiesener Maßen den Gesundheitszustand der Patienten verbessern, zahlt die Kasse nichts." Dabei kostet etwa eine Kur mit Condrosulf "nur" 69 Euro.

Auch in der Kardiologie gibt es längst eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. So zahlt die Kasse implantierbare Defibrillatoren, die derzeit technisch ausgereiftesten Herzschrittmacher, nur für Patienten, die in einem absolut lebensbedrohenden Akutzustand sind. Dietmar Glogar, Kardiologe am AKH Wien: "Es gibt in Österreich aber zwischen 1.000 und 1.500 Patienten, die den Defi als optimale Prophylaxe benötigen würden." Doch die Kassen zahlen für diese Gruppe das 30.000 Euro teure Gerät nicht.

Insgesamt sehen Österreichs führende Mediziner die gute Gesundheitsversorgung in Österreich akut gefährdet. Robert Hawlicek im NEWS-Interview: "Einer der reichsten Staaten der Erde kann sich diese Misere einfach nicht mehr länger leisten. In Österreich bedroht eine totale Ökonomisierung die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, die mit keiner medizinischen Ethik verbunden ist. Wenn nicht geschieht, steuern wir ein absolutes Horrorszenario an."

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