Beschäftigungsstatistik liefert ein Zerrbild der Realität - Arbeitslosigkeit in Oberösterreich um 53 Prozent höher!

Linz (OTS) - Während die reale Beschäftigung überschätzt wird, ist es bei der Arbeitslosigkeit umgekehrt. "Die offizielle Statistik grenzt Tausende in Wahrheit arbeitslose Menschen aus, verdeckt den Blick auf das wahre Ausmaß der Unterbeschäftigung und damit auf die Dringlichkeit wirtschaftspolitischer Maßnahmen", kritisiert AK-Präsident Dr. Johann
Kalliauer.

Im Auftrag der oberösterreichischen Arbeiterkammer hat das Wirtschaftsforschungsinstitut(Wifo) die Unschärfen und Verzerrungen der amtlichen Beschäftigungsstatistik analysiert. Ergebnis: Die gesamtösterreichische Arbeitslosenquote betrug im Vorjahr nicht 7,1 sondern
9 Prozent. Noch größer ist die Diskrepanz in Oberösterreich: Das Wifo kommt zum Ergebnis, dass im Jahr 2003 die tatsächliche Arbeitslosigkeit um zumindest 12.700 Personen unterschätzt wird. Die korrigierte Arbeitslosenquote erhöht sich dadurch von 4,5 auf 6,7 Prozent.

Basierend auf den Wifo-Berechnungen hat die AK die Zahlen für das Jahr 2004 aktualisiert: Statt offiziell 26.141 waren tatsächlich 40.169 Personen arbeitslos. Das sind 53 Prozent mehr als in der offiziellen Statistik!

Von den in Oberösterreich seit dem Jahr 2000 zusätzlich "beschäftigten" 40.900 Personen sind mehr ein Drittel (15.348) Kinderbetreuungsgeldbezieher/-innen, die nicht aktiv beschäftigt sind. Insgesamt reduziert sich das Beschäftigungsplus auf knapp 20.000. Denn ebenfalls als
beschäftigt gelten Präsenzdiener, Ältere Arbeitnehmer in der Freizeitphase der Altersteilzeit (Blockvariante) und Personen im Dauerkrankenstand.

Hinzu kommt, dass ein Großteil des Beschäftigungszuwachses auf Teilzeitbeschäftigung fällt. In Oberösterreich gingen zwischen 2000 und 2003 9.500 Vollzeitjobs verloren und die Zahl der Teilzeitjobs hat sich um 22.300 erhöht. Das WIFO schätzt für Oberösterreich, dass das Arbeitsvolumen in Oberösterreich zwischen 2000 und 2003 bestenfalls stagnierte (oder sogar leicht sank). Nur bei Frauen ist das Arbeitsvolumen insgesamt leicht gestiegen. Der Zuwachs entfällt aber zu einem erheblichen Teil auf geringfügige Beschäftigungen, mit all den bekannten negativen Begleiterscheinungen.

Die Arbeitslosigkeit wird hingegen deutlich unterschätzt. Schulungsteilnehmer, Lehrstellensuchende, Arbeitslose im Krankenstand oder manche Pensionsvorschussbezieher/-innen scheinen nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. Berücksichtigt man diese Verzerrungen, so waren im Jahresdurchschnitt 2004 in Oberösterreich nicht 26.141 Personen arbeitslos, sondern 40.169, das sind um 53 Prozent mehr!

Die AK fordert eine realistische Darstellung der Arbeitsmarktentwicklung. "Wer ein Problem nicht erkennt, kann es auch nicht lösen", so AK-Präsident Kalliauer.

Sowohl Bund als auch Land müssen spürbare wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Konjunkturbelebung setzen. Die AK fordert auch mehr Mittel und Personal für das AMS, um die Qualifikation der Arbeitslosen gezielt anzuheben. "Lohnsubventionen für den Niedriglohnsektor bringen uns nicht weiter", lehnt Kalliauer den sogenannten "Kombilohn" ab.

Und vor allem müsse jedem Jugendlichen eine solide, zukunftsträchtige Ausbildung ermöglicht werden. Denn Ausbildungsangebote, die sich in Berufsorientierung und Teilqualifikationen erschöpfen, produzieren die Arbeitslosen von morgen.

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