Sima: Nützlinge gegen Schädlinge

Stadt und Wiener Gärtner setzen auf biologische Schädlingsbekämpfung - Partnerschaft mit Wiener Firma biohelp

Wien (OTS) - "Die Stadt Wien bekennt sich zum biologischen Pflanzenschutz, dazu gehört der Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge", betonte Umweltstadträtin Ulli Sima heute, Donnerstag, in einem Mediengespräch mit Dr. Michael Groß, Geschäftsführer der Firma biohelp GmbH. Das in Wien-Simmering angesiedelte Unternehmen befasst sich mit der Zucht von Nützlingen zur Bekämpfung von Schädlingen. Sima: "Die jahrelange Zusammenarbeit mit biohelp hat sich sehr bewährt, die Stadt setzt Nützlinge mittlerweile in vielen Bereichen ein: vom Palmenhaus in den Blumengärten Hirschstetten bis zu den Weingärten des Weinguts Cobenzl. Dadurch wird die Umwelt wesentlich entlastet." 96 Prozent des Wiener Gemüses werden mit Hilfe von Nützlingen produziert. Sima: "Der Einsatz der Nützlinge ist wesentlicher Bestandteil der integrierten Produktion der Wiener ErwerbsgärtnerInnen. Ein Grund mehr, Gemüse aus Wien beim Einkaufen den Vorzug zu geben." Der Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge ist aber nicht auf große Flächen beschränkt, so biohelp-Geschäftsführer Groß: "Was bei Glashauskulturen mittlerweile Standard ist, soll auch in den Wiener Gärten selbstverständlich werden: Jede/r HobbygärtnerIn hat die Möglichkeit, völlig biologisch mit Hilfe von Nützlingen gegen Pflanzenschädlinge anzukämpfen - sowohl im Garten als auch bei Zimmerpflanzen." Sima kündigte an, den Einsatz von Nützlingen weiter forcieren zu wollen: "Die guten Ergebnisse sind Anlass, im städtischen Bereich weitere Projekte ins Leben zu rufen. Wir wollen aber auch die rund 25.000 Wiener KleingärtnerInnen und alle Wiener PflanzenliebharberInnnen über die Vorteile der biologischen Schädlingsbekämpfung noch intensiver informieren und - wenn notwendig - zum Umsteigen von der Chemiekeule auf den Einsatz von Nützlingen animieren." Infos über "Gärtnern ohne Gift" erhalten HobbygärtnerInnen etwa am Gartentelefon des Wiener Stadtgartenamts (Tel.: 911 25 55) oder bei der Wiener "umweltberatung".****

Nützlinge: Räuber oder Parasiten

Gar keine Freude kommt bei Gärtnern auf, sind ihre Pflanzen etwa von Blattläusen befallen. Die Natur bietet eine Reihe von Nützlingen, die umweltfreundlich den Einsatz chemischer Schädlingsbekämpfungsmittel unnötig machen. Gegen die Blattlaus hilft etwa die Florfliege. Ihre Larven ergreifen Beutetiere mit ihren Zangen und injizieren eine lähmende toxische Substanz. Anschließend wird die Beute ausgesaugt. Bis zu 800 Blattläuse werden von einer Florfliegenlarve abgetötet, sie fressen aber auch Spinnmilben, Thripse, Wollläuse, Weiße Fliegen, u.a.m. biohelp-Chef Groß: "Der biologische Pflanzenschutz geht auf die Beobachtung zurück, dass alle Lebewesen in einem Beziehungsgeflecht zueinander stehen und sich jede Art nur begrenzt und in Abhängigkeit von anderen entwickeln kann. Aus diesen Regelkreisen wird die Beziehung zwischen Nützling und Schädling als Bekämpfungsidee genutzt. Nützlinge sind die natürlichen Gegenspieler von Schädlingen." Dabei unterscheidet man zwischen Räubern und Parasiten. Erstere suchen aktiv Schädlinge, fressen sie und entlasten so die befallene Pflanze ohne selbst schädigend zu wirken. Der Schädling dient als Nahrung für die Nützlinge. Parasiten hingegen pflanzen sich entweder auf oder im Körper des Schädlings fort, der von innen aufgefressen wird. Der Schädling dient dem Nützling als Vermehrungsgrundlage.

Ob Räuber oder Parasit - die Vorteile des Einsatzes von Nützlingen sind vielfältig:

o Die Umwelt wird geschont: Nützlinge sind unbedenklich für Mensch, Tier und Pflanze
o Keine Pflanzenschutzmittelrückstände und somit gesündere Pflanzen und unbelastetes Erntegut
o Lang andauernde, nachhaltige Wirkung
o Keine Resistenzbildung
o Schaffung und Erhaltung eines gesunden Wohn- und Arbeitsklimas
o Anwenderfreundlich durch einfache Handhabung

"Sexfalle" nützt Wiener Wein

Die Firma biohelp, 1988 als Pilotprojekt gestartet und seit 2003 eine eigenständige GmbH, hat im Moment 21 verschiedene Pflanzenschutzmittel (hauptsächlich Nützlinge) registriert. Eingesetzt werden diese in den verschiedensten Bereichen, von einzelnen Objekten wie dem Palmenhaus des Wiener Stadtgartenamts in den Blumengärten Hirschstetten oder der SCS über die Imkerei bis hin zu großen Flächen im Garten- oder Obstbau. Hier kommen etwa Granulose-Viren gegen den Apfelwickler und Fruchtschalenwickler zur Anwendung. Die "Verwirrungstechnik" bewährt sich neben dem Obst- auch beim Weinbau: Hier wird mit Pheromonen (Sexualduftstoffe) gegen den Einbindigen und den Bekreuzten Traubenwickler vorgegangen. Das Weingut der Stadt Wien hat mit dieser Methode gute Erfahrungen gemacht.

Auch im Bereich privater Haushalte bietet sich eine breite Palette an giftfreien Alternativen zu herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln. Nützlinge tragen praktisch unbemerkt zur Gesundheit von Zimmerpflanzen bei und erhalten dabei ein natürliches Wohn- und Arbeitsklima.

Info:

o Homepage der Firma biohelp: http://www.biohelp.at/
o Gartentelefon der MA 42 (Montag bis Freitag, jeweils 7 bis 15 Uhr): 01/911 25 55, nähere Infos unter
http://www.wien.at/ma42/garttel.htm
o Gärtner-Infos bei "die umweltberatung" Wien unter 01/803 32 32, http://www.umweltberatung.at/

rk-Fotoservice: http://www.wien.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) wög

Rückfragen & Kontakt:

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Mag. Karl Wögerer
Tel.: 4000/81 359
Handy: 0664/826 82 15
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