Getreidemarkt 2005: Heiter bis wolkig

EU muss wettbewerbsfähige Betriebe und Umweltschutz fördern

Wien (OTS) - Die Getreideernte 2005 läuft gegenwärtig auf Hochtouren. Aufgrund der Wetterkapriolen in den vergangenen Wochen werden die Erträge und Qualitäten regional unterschiedlich ausfallen. Vor allem in Ostösterreich haben Frost, Trockenheit, Überschwemmungen und Hagel den Ackerpflanzen stark zugesetzt. Die Landwirte müssen hier nun im dritten Jahr in Folge mit erheblichen Ertragseinbußen rechnen. Sollten die Prämien für Umweltmaßnahmen von der EU noch mehr gekürzt werden, wird sich die schwierige wirtschaftliche Lage der landwirtschaftlichen Betriebe weiter verschlechtern.

In Ostösterreich ist die Ernte wegen der großen Regenmengen im Juli stark durch Auswuchs beeinträchtigt. Das feuchtwarme Wetter führte dazu, dass die Körner in den Ähren bereits auf dem Halm wieder keimten. Betroffen sind hier vor allem frühreife Weizensorten. Diese Ware lässt sich lediglich als Tierfutter verkaufen. Die Bauern rechnen in diesen Gebieten mit einer durchschnittlichen Weizenernte:
die Erträge werden bei 4,5 bis 5 Tonnen je Hektar liegen.

"Etwas besser sind die Ernteaussichten für die Landwirte im niederösterreichischen Zentralraum", betont Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich. "Im Gebiet um St. Pölten reifte das Getreide auf den Feldern später als im Osten des Landes. Daher blieben die Pflanzen weitgehend von Auswuchs verschont." In dieser Region wird der überwiegende Teil der Weizenernte von überdurchschnittlicher Qualität sein - und dürfte sich damit auf dem Niveau von 2004 bewegen. Beim Weizen rechnet man mit Erträgen von 6 bis 6,5 Tonnen pro Hektar, die Gerstenernte wird bei 6,5 bis 6,8 Tonnen je Hektar liegen. Bei der Rapsproduktion geht man von einem Ertrag von 3,5 bis 4 Tonnen pro Hektar aus, bei Durum werden die Bauern 3 bis 4 Tonnen je Hektar von den Feldern nach Hause fahren.

Niedrige Preise erschweren wirtschaftliche Situation

Wie viel die Landwirte für ihr Getreide erhalten, hängt von der Qualität und dem Interventionspreis ab. Dieser Mindestpreis wird von der EU festgesetzt. Nach erster Notierung an der Wiener Produktenbörse liegt der Preis für Mahlweizen mit 101,-- bis 103,-- Euro pro Tonne knapp über dem Interventionspreis. Für Qualitätsweizen werden 118,-- bis 123,-- Euro je Tonne bezahlt, Durumweizen notiert gegenwärtig bei 165,-- bis 170,-- Euro pro Tonne. Generell liegen die ersten Notierungen für 2005 auf einem noch niedrigeren Niveau als im Vorjahr. Aufgrund der vielerorts schlechteren Qualitäten ist heuer mit beträchtlichen Mengen Futterweizen zu rechnen. Für diese Ware garantiert die EU keinen Mindestpreis.

Kürzungen im Umweltprogramm schwächen Betriebe

Aufgrund der politisch gesteuerten niedrigen Preise für agrarische Produkte können in Europa auch größere Landwirtschaftsbetriebe nur mit Förderungen überleben. Die schwierige wirtschaftliche Lage könnte sich jedoch in Zukunft noch mehr verschlechtern. Denn der gegenwärtige Vorschlag zum Agrarumweltprogramm für die Jahre 2007-2013 sieht mit der Prämienmodulation eine beträchtliche - und fachlich nicht argumentierbare - Einschränkung für landwirtschaftliche Betriebe vor: Modellberechnungen zeigen, dass der geplante Wechsel von einer auf Maßnahmen bezogene Prämienmodulation zu einer gesamtbetrieblichen Modulation viele größere Landwirtschaftsbetriebe noch stärker als bisher benachteiligen würde. Größere Betriebe bringen umfangreiche ökologische Flächen ein und leisten einen maßgeblichen Beitrag zur umweltfreundlichen Bewirtschaftung. "Sie sind jedoch durch die Obergrenze im Umweltprogramm ÖPUL schon jetzt stark benachteiligt", erklärt Montecuccoli. "Aufgrund der zusätzlichen Prämienkürzungen wären diese Betriebe mit weiteren Einkommensverlusten konfrontiert."

Sollte das geplante Umweltprogramm tatsächlich eingeführt werden, hätte dies auch für den Naturschutz große Nachteile: Eine Prämienmodulation hat zur Folge, dass größere umweltschutzrelevante Flächen nicht mehr im bisherigen Ausmaß zur Verfügung gestellt werden können. Denn die für den Naturschutz benötigten Maßnahmen, wie etwa die Stilllegung von Feldern oder die Pflege von Wiesen, sind besonders zeit- und kostenintensiv. Das Beispiel von Natura 2000 zeigt, dass der Umweltschutz auf großen Flächen gewünscht wird. Die Modulation benachteiligt größere Einheiten und gefährdet den Naturschutz.

Wettbewerbsfähigkeit fördern

"Damit die österreichische Landwirtschaft wettbewerbsfähig bleibt, muss die EU mit ihrem Programm zur ländlichen Entwicklung zukunftsfähige Betriebe und Kooperationen unterstützen", fordert Montecuccoli. Größere landwirtschaftliche Betriebe haben Leitcharakter und sind wichtige Arbeitgeber in schwachen Regionen. Zudem tragen sie maßgeblich zur Wertschöpfung im ländlichen Raum bei. Sie dürfen daher von den Investitionsförderungen nicht ausgeschlossen sein.

In Österreich liegen viele Land- und Forstwirtschaftsbetriebe in benachteiligten Gebieten. Diese sind wegen ihrer naturgegebenen Lage und klimatischen Bedingungen schwer zu bewirtschaften. Damit sie trotz dieser Nachteile wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie auch in Zukunft Ausgleichszahlungen erhalten.

"Gerade im Grünland oder in Berggebieten ist der Fokus auf den Forst für die Landwirte sinnvoll und bietet somit für Österreich eine Zukunftschance", betont Montecuccoli. "Daher sollte in den Bereich Forst und Holz mehr Geld fließen."

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Land&Forst Betriebe Österreich,
Kristin Dawes, Presse und Kommunikation,
Tel. 01/533 02 27-17, e-mail: dawes@landforstbetriebe.at

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