Barrierefreie Benützung von Verkehrsbauwerken

Besseres Zurechtfinden in komplexen Umsteigestellen - Pilotprojekt Matzleinsdorfer Platz läuft demnächst an

Wien (OTS) - Die allgemein erwünschte Ausweitung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Sinne von Daseinsvorsorge, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit kann nicht nur als verkehrstechnische Aufgabenstellung (z.B. Netzausbau, Netzdichte) gesehen werden, sondern muss auch sehr deutlich auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen. Anlässlich des heuer in Wien abgehaltenen Diskussionsforums über Fragen der Mobilität von Verkehrsteilnehmern betonte seitens der VOR-Geschäftsführung - durchaus in Übereinstimmung mit den anwesenden Linienbetreibern auf Schiene und Straße - Direktor Manfred Novy, dass es ein Hauptanliegen sei, bei allen Überlegungen und Planungen "verstärkt auf die Kundenwünsche einzugehen". Gleichermaßen ob es Anliegen der Benützer oder die Erwartungen der zukünftigen Nutzer betrifft, nicht zuletzt auch um, so manche Vorbehalte gegen den ÖPNV auszuräumen.

Wie die Fahrgastzahlen der letzten Jahre ausweisen, steigt die Frequenz beim ÖPNV kontinuierlich, es gilt aber, noch zusätzliches Potential auszuschöpfen. Dabei handelt es sich vor allem um den Personenkreis, der eine gewisse "Schwellenangst" vor intermodalen Reisewegen hat, weil er vor allem beim Umsteigen (vermeintliche) Barrieren fürchtet. Ebenso, wenn es sich um ältere oder behinderte Menschen handelt, bei denen Aufmerksamkeit und Konzentration auf Umgebungsmerkmale nicht mehr vollständig gegeben sind. Hier sehen Verkehrsfachleute in der Indoor-Navigation für Fußgänger mittels Handy bzw. internetfähigem Mobiltelefon (Smartphone) eine zukunftsweisende und auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmte Lösung. Egal ob die Wege intermodal, also verkehrsmittelübergreifend oder nur in einem bestimmten Verkehrsbauwerk zurückzulegen sind; im besonderen, wenn es sich um eine komplexe Örtlichkeit mit mehreren Ebenen handelt. Im Zusammenwirken von Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) und Seibersdorf research GmbH (Austrian Research Centers) wurde nunmehr ein Konzept für Smartphones entwickelt. Mit dabei die Wiener Linien, deren Verkehrsbauwerk mit mehreren Ebenen auf dem Matzleinsdorfer Platz (5. Bezirk) als Örtlichkeit für die Durchführung eines Pilotprojekts, dessen Tauglichkeit zeigen soll.

Auf intermodalen Reisen können oftmals Barrieren, überhaupt beim Wechsel der Verkehrsmittel, nicht weggeleugnet werden; das Projekt Open-SPIRIT (Betreiber wie oben), hat es sich zum Ziel gesetzt, ungewohnte Situationen mit Hilfe von quasi "elektronischen Reisebegleitern" via Smartphone zu meistern. Der Rahmen, in dem sich Open-SPIRIT und die Verwendung von Smartphones bewegen, ist auch eine andauernde Expansion gekennzeichnet: Experten haben erst jüngst - auf der AGIT 2005, dem Symposium für Angewandte Geoinformatik im Juli in Salzburg - die Zahl der Personen, die in Österreich ständig ein Smartphone benützen (werden), auf rund 1,8 Millionen bis zum Jahr 2008 geschätzt; was das für den Reiseinformationsbedarf bedeutet, braucht nicht extra erläutert zu werden. Kriterien wie Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit werden dabei eine entsprechende Rolle spielen. Bei der Indoor-Navigation können sich die Nutzer in Gebäuden die Wege inklusive Wegweiser wahlweise in 2-D oder 3-D darstellen lassen. Weitere angepeilte Dienste in Zusammenhang mit dem ÖPNV etwa bilden die "Überregionale Fahrplanauskunft", wobei die Nutzer weiterhin die Dienste ihres regionalen Verkehrsverbundes in Anspruch nehmen, die aber mit Fahrplandaten der anderen Verkehrsverbünde verknüpft werden. Oder auch das "E-Ticketing", wobei die Benutzer sich Verkehrsverbünde übergreifend eine Fahrpreisauskunft holen und die benötigten Fahrkarten dann elektronisch lösen und bezahlen.

Zurück zum Gegenständlichen, den spezifischen Anforderungen der (kleinräumigen) Fußgängernavigation in komplexen Umsteigebauwerken, und dem darauf basierenden Konzept einer Navigationsanwendung mittels Smartphone. Dem generellen Anliegen des Netzausbaues und damit der Netzverdichtung beim ÖPNV - allein im VOR-Bereich derzeit knapp 900 Linien - folgen im Sinne der Intermodalität die Bemühungen um ein möglichst unkompliziertes Überwechseln von einem Verkehrsträger zum nächsten. Anders als in Außenbereichen kann in Gebäuden eine GPS-Positionierung nicht angewendet werden. Herkömmliche Positionierungstechnologien in Gebäuden fußen beispielsweise auf Infrarot, das aber immer eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger benötigt, oder auf WLAN, das eine aufwendige Kalibrierung erfordert und über handelsübliche Smartphones nicht ansprechbar ist. Gefordert wurde also ein System, das auf der Grundlage einer billigen und leichten Installation der Sendegeräte und der Verwendung handelsüblicher Smartphones funktioniert. Im vorliegenden Projekt wird die Routenbeschreibung des Umsteigeweges in Verkehrsgebäuden auf drei Arten ausgewiesen: als textliche Beschreibung, als 2-D-Umgebungskarte und als 3-D-Darstellung, wobei der Text den graphischen Darstellungen beigefügt wird.

Für das noch im August anlaufende Pilotprojekt "Matzleinsdorfer Platz" werden leicht montierbare Sendepunkte mit lokaler Stromversorgung, so genannte Bluetooth-Beacons herangezogen, die in Absprache mit den Wiener Linien an etwa 20 definierten Stellen im Bauwerk angebracht werden und eine eindeutige Kennung aussenden. Die Positionierung erfolgt auf der Basis von Zellen, Durchmesser 2 Meter bis 60 Meter (bei freier Sicht). Mit Hilfe der Beacon-Kennung können eine zugeordnete Karte ausgewählt und die Position der betreffenden Person eingezeichnet werden. Damit werden die Anweisungen für den nächsten Wegabschnitt angezeigt bzw. für Sehbehinderte akustisch übermittelt; je feiner die Zellen unterteilt sind, umso genauer die Positionierung und höher die Effizienz. (Schluss) red

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Diensthabender Redakteur
Tel.: 4000/81 081
Verkehrsverbund Ost-Region (VOR)
Tel.: 526 60 48-0
manfred.novy@vor.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0009