"Kleine Zeitung" Kommentar: "'Schwarzes Gold': Die nächste Steuererhöhung ist schon da" (Von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 11.08.2005

Graz (OTS) - Die Ausgangslage ist düster. Die Situation im Irak lässt keine sicheren Prognosen zu, wie sich die Lage weiter entwickeln könnte, Öl-Engpässe in den USA, Terrorangst in Saudi-Arabien, Wirtschaftsboom bzw. Energiehunger in China, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und bildet doch nur eines ab:
Zumindest auf Sicht besteht praktisch keine Hoffnung auf sinkende Ölpreise.

Das trifft die Wirtschaft - vordergründig betrachtet - nur in einem relativ geringen Ausmaß und ist zu einem Großteil auf den erstaunlichen Erneuerungsprozess in den letzten 30 Jahren zurückzuführen. Nach den Ölpreisschocks in den 70er-Jahren hat es vor allem die Industrie sehr gut verstanden, ihre Abhängigkeit vom "schwarzen Gold" massiv zu verringern. Experten gehen davon aus, dass sich der Energieeinsatz um mehr als 50 Prozent reduziert hat, dementsprechend "abgefedert" wirken sich Preiserhöhungen aus.

Daneben gibt es weiter Branchen wie die energieintensive Papierindustrie oder Frächter, wo steigende Energiepreise massiv durchschlagen, und leider können auch die Konsumenten weniger denn je auf Ölprodukte wie Benzin oder Heizöl verzichten. Die Mobilität ist in den vergangenen Jahrzehnten - und das ist, man mag es begrüßen oder bedauern, ein Faktum - massiv gestiegen, die Fuhrparks sind immer umfangreicher geworden und die Ölheizung im Keller ist immer noch nicht am neuesten Stand.

Dazu hat jeder Einzelne sein Scherflein beigetragen, hat aber auch die Wirtschaft aus den Sünden der Vergangenheit wenig gelernt. Speziell in den USA haben spritfressende Ungetüme zuletzt fröhliche Urständ' gefeiert, während das von VW einst propagierte 3-Liter-Auto mangels Nachfrage eingestellt werden musste.

Es wird wohl eine Weile dauern, bis sich sowohl die Wirtschaft als auch die Konsumenten auf die neue Situation - sprich einen konstant hohen Ölpreis - eingestellt haben. Bis dahin werden die Rekordpreise wie eine Steuererhöhung wirken und unser frei verfügbares Einkommen kräftig anknabbern. Schlecht für den Konsum, schlecht für die Wirtschaft und wahrscheinlich bedrohlicher als die in den Betrieben durch hohe Ölpreise ausgelöste direkte Teuerung.

Steuererhöhungen - ob direkt oder indirekt - freuen natürlich den Finanzminister. Dem bringt die jüngste Benzinpreiserhöhung um zwei Cent allein bei der Umsatzsteuer elf Millionen Euro. Das ist mehr als die OMV mit mehr als einer halben Milliarde Euro Gewinn zuletzt an Steuern abgeliefert hat.****

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