WirtschaftsBlatt Kommentar vom 11.8.2005: Tourismus: Die Russen wern’s schon richten … - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Jörg Haider macht höchstwahrscheinlich die falschen Dienstreisen: Der Kärntner Landeshauptmann, der auch als Tourismusreferent fungiert, sollte wohl nicht so häufig nach Italien fahren oder zu Libyens Gadaffi fliegen, sondern lieber ein paar Mal Russland besuchen. Denn das würde dem Kärntner Tourismus, der gerade über ein schmerzliches Minus bei Sommer-Nächtigungen jammert, sicher zugute kommen.
Der boomartige Touristenstrom aus dem Putin-Imperium ist nämlich in der internationalen Reisebranche längst zum Jolly Joker geworden: Die russischen Urlauber überschwemmen die türkische Adriaküste ebenso wie Grossstädte à la Paris, sind neuerdings scharenweise in Südkorea, Ägypten oder Kenia anzutreffen, und sie besetzen - wie ich mich unlängst selbst überzeugen konnte - das tunesische Badezentrum Port El Kantaoui ebenso konsequent wie den tschechischen Nobelkurort Karlsbad.
Die zahlungskräftigen Rei- senden aus Russland, die bereits mehr auszugeben bereit sind als Touristen aus reichen Ländern, lieben zweifellos den Luxus jeglicher Art. Und sie gehen Urlaubern aus anderen Ländern ziemlich auf die Nerven - obwohl sie im Ausland bei weitem nicht mehr so hemmungslos, rüde und polternd auftreten wie noch vor zehn Jahren. Vielmehr bemühen sie sich, in ihrem Habitus möglichst "europäisch" zu wirken. Dennoch sind Konflikte an der Tagesordnung: In der Türkei liefern sich russische Touristen, wie unlängst im "Spiegel" zu lesen war, einen regelrechten Kleinkrieg mit den deutschen, von denen sie für neureiche Invasoren der übelsten Sorte gehalten werden, die sich in einem Land breit machen, das doch gar nicht ihnen gehört.
Trotzdem: Der russische Reiseboom ist nicht nur für Kärnten, sondern natürlich für ganz Österreich eine starke Zukunftshoffnung. Aber von allein - ohne dass sich Österreich um sie bemüht - werden die Russen bestimmt nicht in Scharen kommen. Arthur Oberascher, der charmante Tourismuswerber unserer Republik, sollte eigentlich schon fleissig russisch büffeln. Und sich anstrengen, möglichst viele russische Urlauber ins Land zu bringen, die in Tirol Ski fahren oder im Wörthersee plantschen. Klar ist nämlich: Die Schweiz und andere Länder buhlen mit viel mehr Erfolg um diese Klientel.
Übrigens: Eine nationale Offensive all jener, die vom Tourismus profitieren, wäre einen Versuch wert. Die AUA, Bahn, Post oder die Hoteliers sollten sich gemeinsam mit Oberascher gezielt um neue Märkte kümmern - am besten gleich um Russland.

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