Greenpeace-Aktion gegen AKW in Bulgarien

Acht Österreicher protestieren vor Ort gegen AKW-Bau

Belene (Bulgarien)/Wien (OTS) - Mehr als 50 Greenpeace-Aktivisten aus neun Ländern, darunter auch acht Österreicher, protestieren seit heute früh gegen die geplante Errichtung eines Atomkraftwerks im nordbulgarischen Belene. Die Umweltschützer haben auf einen 40 Meter hohen Wachturm im Baustellengelände ein Transparent gehängt: "Stop Belene". "Wir wollen mit dieser Aktion zeigen, dass Atomkraft für Bulgarien keine Lösung ist", sagt Greenpeace-Energieexperte Jan Haverkamp. "Bulgarien hat ein riesiges Energiesparpotential und ist ein idealer Standort für Windenergie." Die bulgarische Atommafia kämpft währenddessen mit allen Methoden für ihre Ziele: In den letzten Tagen wurden zwei Mordversuche auf die bulgarische Greenpeace-Aktivistin Albena Simeonova verübt.

Unterstützt wird die Aktion von der angrenzenden Donau aus vom Greenpeace-Schiff Anna, das im Rahmen der "Energy Revolution Tour" Anfang Juli auch Österreich besucht hat. "Das AKW-Bauvorhaben in Belene ist völlig veraltet", erläutert Haverkamp. Von den weltweit 440 Reaktoren werden etwa 280 in den nächsten zwanzig Jahren stillgelegt, während nur wenige neue Reaktoren geplant sind. "Die meisten neuen AKW-Projekte sind in bedrohlicher Nachbarschaft zu Österreich geplant: in der Slowakei, Tschechien, Rumänien oder Bulgarien", warnt Haverkamp. "Derzeit ist die Energieeffizienz in Bulgarien neun Mal schlechter als im Durchschnitt der 15 'alten' EU-Länder."

Das Atomkraftwerk Belene wird rund 3 Milliarden Euro kosten, ein Betrag, der bei weitem besser in die Entwicklung von Energie-Effizienz sowie erneuerbare Energieformen investiert wäre. Darüber hinaus ist Belene gefährlich: Die vorgeschlagene VVER 1000-Ausführung leidet an Sicherheitsmängeln und würde z.B. in Deutschland keine Betriebsbewilligung erhalten. Außerdem liegt Belene an einem seismisch auffälligen Platz, an dem in den 1970er-Jahren ein Erdbeben viele Menschenleben kostete.

Belene wird ein unlösbares Problem mit radioaktivem Abfall provozieren, eine enorme Belastung für die zukünftigen Generationen in Bulgarien. Die landwirtschaftlichen, touristischen und kleinunternehmerischen Aktivitäten in Nordbulgarien werden durch das AKW massiv beeinträchtigen.

Der Aufruf von Greenpeace und dem bulgarischen BeleNE ("Nein zu Belene")-Bündnis, den AKW-Bau zu stoppen, ist mehr als der Kampf gegen ein schlecht durchdachtes Projekt: Er ist ein Ruf nach einer konstruktiven Energiepolitik mit deutlich mehr Energie-Effizienz sowie der Nutzung von Windenergie, Biomasse und Solarenergie gegen die Bedrohung durch den globalen Klimawandel, der das Leben von Millionen Menschen auf der gesamten Erde gefährdet.

Jan Haverkamp: "Was uns am meisten irritiert, ist, dass die rechtlichen Prozesse, die zur Bau-Entscheidung führten, von vielen Seiten manipuliert wurden. Eine angemessene Analyse von Bulgariens Energiebedarf sowie der dazu notwendigen Lösungen hat nie stattgefunden. Belene ist ein Relikt kommunistischen Größenwahns."

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DI Herwig Schuster, Greenpeace CEE, Tel.: +43-664-4319214
Franko Petri, Greenpeace CEE, Tel.: +43-664-6126721

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