"Kleine Zeitung" Kommentar: "Pleiten, Pech und Pannen: "Nachbar in Not" für Waltraud K." (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 06.08.2005

Graz (OTS) - Am Abend, bevor der Rechnungshof Licht ins Dunkel der Affäre Herberstein brachte, stellte sich in einem aufgelassenen Geschäftslokal der Grazer Vorstadt die "Initiative K" vor. Der ehemalige ORF-Landesintendant Kurt Bergmann, in ganz Österreich als erfolgreicher Spendensammler bekannt, will für Waltraud Klasnic Stimmen werben. Bisher hielt man dies für die Fleißaufgabe eines Pensionisten. Nun hat die steirische Landeshauptfrau eine Aktion "Nachbar in Not" bitter nötig.

Der Fall Herberstein weist alle Voraussetzungen für ein Polit-Drama auf: Eine attraktive Dame, die ihren Titel einer Gräfin der Heirat in eines der ältesten Adelsgeschlechter des Landes verdankt. Das Erbe wurde ihr vom verstorbenen Mann verwehrt, doch trat Andrea Herberstein, seit langem mit einem Weltstar der Opernbühne liiert, immer so auf, als wäre sie die Herrin über das Schloss und die Güter.

Der Besitz, der im Testament den drei Kindern vermacht wurde, erstrahlt mittlerweile in prunkvollem Glanz. Schloss Herberstein, Schauplatz einer Landesausstellung, wurde stilvoll renoviert, die Gärten nach historischen Plänen bepflanzt, der Kunstsinn der Gräfin mit einem Museum gekrönt.

Als Mäzen fungierte die öffentliche Hand meist in Gestalt des Landeshauptmannes. Der Rechnungshof listete Förderungen in Höhe von 7 Millionen Euro auf. Geflossen sind die Gelder bevorzugt in den Tierpark, der sich zu einer Touristenattraktion in der Oststeiermark entwickelte und der sich als Auffangbecken für Subventionen bestens eignete, weil ein Zoo kaum ohne Subventionen zu führen ist.

Um die Maastricht-Kriterien bei der Budgetierung zu umgehen, ging das Land 2002 für 2,9 Millionen Euro eine stille Beteiligung an der Herberstein OEG ein, aus der laut Rechnungshof allein 2001 300.000 Euro - über 4 Millionen Schilling - für Privatzwecke entnommen wurden. Inzwischen ist die Einlage des Landes verbraucht, Herberstein klopfte wieder um Förderungen an - offiziell für die armen Tiere.

Rechtlich mögen die Privatentnahmen unbedenklich gewesen sein, weil das Land gar nicht hinschauen wollte, was mit den Subventionen passiert. Politisch war es ein verhängnisvoller Fehler, der Klasnic wenige Wochen vor der Wahl abermals in ein Tief stürzte. Sie war so instinktlos, Herberstein und deren präpotenten Beratern, ohne die Prüfung durch den Rechnungshof abzuwarten, langfristige Pachtverträge anzubieten.

Pleiten, Pech und Pannen. Man kann die Serie auch selbst verschulden. ****

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