"Die Presse" Kommentar: "Abgespeckt" (von Hedi Schneid)

usgabe vom 4.8.2005

Wien (OTS) - Die Konkurrenz T-Mobile und Mobilkom erkauft sich die schon lange erwartete Marktbereinigung in der Telekombranche sehr teuer.
Die Proteste von 50.000 Kunden, die auf einer eigens eingerichteten Webseite (www.specklos.at) für den Erhalt von Tele.ring eintreten, dürften nichts nützen. Der Verkauf von Tele.ring an T-Mobile ist so gut wie ausgehandelt. Es würde an ein Wunder grenzen, wenn das arabische Konsortium um den ägyptischen Investor Sauiris die Deutschen noch ausstechen würde.
Die Nummer zwei im dicht besetzten heimischen Handymarkt lässt sich das Verschwinden des Konkurrenten mit 1,3 Mrd. Euro sehr viel kosten _ und würde wahrscheinlich sogar noch etwas drauflegen. Denn Tele.ring hat mit extrem günstigen Tarifen und dem Werbeslogan "Der Speck muss weg" die etablierten Anbieter zu einer beispiellosen Preisschlacht gezwungen.
Das freute die Mobiltelefonierer, die in den Genuss der niedrigsten Handytarife in Europa kamen. Weniger jedoch die Mitbewerber, deren Gewinnmargen gegen null fielen. Trotz geringer Ertragsaussichten und teurer Lizenzen drängten aber neue Anbieter auf den Markt. Derzeit operieren acht (!) Anbieter in dem kleinen Österreich, fünf sogar mit eigenem Netz.
In der Telekomszene wurde deshalb nach Marktbereinigung gerufen, viele haben sich diese aber anders vorgestellt. One galt als sicherer Übernahmekandidat, konnte sich doch die Nummer drei weder von den großen noch von Tele.ring abheben. Jetzt ist Tele.ring dran. Die Deutschen wären gut beraten, die Marke Tele.ring und deren Preisstrategie zu behalten. Sie haben schon die Marke "max.mobil" vernichtet und damit viele Kunden vergrämt. Denselben Fehler sollte man nicht zweimal machen, schon gar, wenn er 1,3 Mrd. Euro kostet.

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