WirtschaftsBlatt Kommentar vom 4.8.2005: Wozu braucht ein Maschinenbauer eine Bank? - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Schnapsidee - das war die erste Reaktion, als am Dienstagabend erste Gerüchte über einen Einstieg Mirko Kovats’ bei der Bank Burgenland kolportiert wurden: Wozu braucht ein Maschinenbauer eine Bank?
Offenbar braucht er eine. Jedenfalls ist es seit gestern offiziell:
Die personifizierte Old Economy, jener Mann, der stets genannt wird, wenn ein Industrieunternehmen ins Trudeln oder günstig auf den Markt kommt, übernimmt um 110 Millionen Euro die marode Landesbank des Burgenlandes.
Warum das Land die Bank verkauft, ist klar: Sie erwies sich in den vergangenen Jahren als Fass ohne Boden, und im Herbst sind Landtagswahlen. Da machen sich 110 zusätzliche Millionen im Landessäckel weit besser als ein permanenter Klotz am Bein.
Warum Landeshauptmann Hans Niessl ausgerechnet an Kovats verkauft, ist auch logisch - dazu muss man gar nicht den politischen Hintergrund bemühen, dass der rote Landeshauptmann die rote Bank nicht an die schwarze Raiffeisen verkaufen wollte. Kovats hat 110 Millionen geboten, Raiffeisen angeblich nur 85 - na, wer soll da wohl den Zuschlag bekommen?
Aber warum um alles in der Welt kauft Kovats? Auch darauf gibt es eine sehr plausible Antwort, die wir dem gestrigen Börse Express verdanken: Weil sie ihn nichts kostet. In der Bank Burgenland warten 380 Millionen Euro an Verlustvorträgen auf die Gegenverrechnung durch einen Käufer, der Gewinne macht. Ein Viertel dieser Summe lässt sich steuerlich lukrieren, macht allein aus den "Lagerbeständen" 95 Millionen Euro.
Das erklärt freilich noch nicht, warum der als Maschinenbau-Fan bekannte Investor Kovats ausgerechnet eine Bank kauft. Es werden ja auch andere Unternehmen angeboten, die üppig mit Verlustvorträgen ausgestattet sind.
Der Antwort auf diese Frage kommen wir vermutlich näher, wenn wir uns ein wenig genauer ansehen, was Kovats zuletzt so getan hat. So hat er

z. B. bei seiner jüngsten Neuerwerbung Unaxis zuletzt zwei Manager in Führungspositionen gesetzt, die ihr Geschäft beim grossen US-Konzern GE gelernt haben. Und dort hat sich angesichts der Spartenerträge die Frage "Was tut ein Maschinenbauer mit einer Bank?" zuletzt bereits in die Gegenfrage umgekehrt: "Was tut eine Bank mit ihren alten Industriebeteiligungen?"
Kovats wandert also offenbar auf den Spuren von GE und baut - gegen den Trend - einen Mischkonzern auf. Wir werden sehen, ob er so erfolgreich ist wie sein Vorbild. Spannend bleibt es jedenfalls.

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