Wr. Philharmoniker wenden sich scharf gegen Deckelung des Bundestheater-Budgets

Wien (OTS) - Erstmals schalten sich auch die Wiener Philharmoniker in die Debatte um die Deckelung des Bundestheater-Budgets ein. Orchestervorstand Clemens Hellsberg und der neue Geschäftsführer Dieter Flury kritisieren in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe scharf das Vorgehen der Regierung in dieser Causa. Hellsberg: "Es wird irgendwann so kommen, wie es jetzt schon bei den Universitäten ist. Man kann etwas auch zu Tode sparen. Die Politik muss erkennen, dass etwas, das sie in einer bestimmten Qualität haben will, auch seinen Preis hat. Noch sind hier die wichtigen kulturellen Institutionen unstrittig. Zu unserem Konzert in Schönbrunn sind trotz Kälte 90.000 Menschen gekommen. Das war eine Demonstration."

Der Eilteklangkörper ist in seiner Eigenschaft als Staatsopernorchester von der Deckelung unmittelbar betroffen. Um Einnahmenausfälle zu kompensieren, habe man die Reisetätigkeit stark ausgeweitet. Hellsberg: "Mit der Operntätigkeit ist die Belastung an der Obergrenze angelangt."

Konkret äußert sich die Philharmoniker-Spitze auch zu der Nachfolge von Staatsoperndirektor Ioan Holender im Jahr 2010. Keinesfalls will das Orchester ein Abgehen vom derzeitigen Repertoire-System zulassen. Hellsberg: "Eine solche Veränderung würde die Vorgänge für uns bis zur Unlösbarkeit verkomplizieren. Das Geheimnis eines großen Klangkörpers besteht darin, dass jeder regelmäßig mit jedem spielt. Wenn aber in der Oper im Block gespielt wird und eine andere Formation philharmonisch auf Reisen ist, besteht die Gefahr, dass sich zwei Orchester bilden. Das wollen wir auf keinen Fall." Und Flury: "Das Publikum will die wichtigen Stücke in möglichst hoher Qualität. Wir sind entschlossen, an dieses zukünftge Publikum zu denken."

Ob der neuen Direktor ein Künstler oder ein Manager sein soll, ist für das Orchester zweitrangig. Hellsberg: "Vor allem muss der Operndirektor bereit sein, anzuerkennen, dass unsere philharmonische Tätigkeit ein massiver Teil des öffentlichen Interesses ist. So wie Ioan Holender dies in hohem Maße macht." Gegen den oft genannten Dirigenten Franz Welser-Möst hätten die Philharmoniker keinen Einwand. Flury: "Weshalb? Er ist einer unserer philharmonischen Dirigenten."

Flury kommentiert im NEWS-Interview auch die Tatsache, dass das diesjährige Eröffnungskonzert der Salzburger Festspiele (unter Christian Thielemann mit Thomas Hampson) nicht ausverkauft war: "Das war für mich doch erschreckend. Eine neue Erfahrung, dass für ein Konzert, das keine Wünsche offen ließ, noch Plätze frei waren. Wir müssen überlegen, ob ein reines Richard-Strauss-Programm noch zu füllen ist. Es erstaunt mich seit Jahrzehnten, wieviele Veranstaltungen diese kleine Stadt schlucken kann. Aber es gibt offenbar eine Schmerzgrenze."

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