Exklusiv: NEWS-Interview mit Oskar Lafontaine

Wien (OTS) - Erstmals hat der Spitzenkandidat der neuen deutschen "Linkspartei" einem österreichischen Medium ein Interview gegeben. Lafontaine spricht über seine Angst vor einem neuerlichen Attentat, zieht über "Intimfeind" Bundeskanzler Gerhard Schröder her, schimpft über Grünen-Chef Joschka Fischer und warnt vor einer Kanzlerin Angela Merkel.

Oskar Lafontaine, 61, früherer SPD-Chef und heute - mit Gregor Gysi - Spitzenkandidat der neuen deutschen "Linkspartei", ist längst zum bestimmenden Faktor im Kampf um die Bundestagswahl (18. September) geworden. Wo Lafontaine auftritt, gehen die Hallen über, so auch am vergangenen Wochenende in Essen: "Es geht ein Gespenst um in Deutschland. Es ist das Gespenst der Linkspartei", rief "Lafo" mit vorgeschobenem Kinn in den Saal und die Genossen jauchzten und klatschten. Seine politischen Gegner überziehen ihn derweil mit Hasstiraden: "Rattenfänger (CDU), Populist (Grüne), Hassprediger (SPD)", "deutscher Haider".

Über seine Chancen bei der Bundestagswahl sagte Lafontaine im NEWS-Interview: "Wir wollen drittstärkste Kraft werden. Natürlich wissen wir, dass sich viele gegen uns stellen werden, aber wir setzten auf die Bevölkerung. Die Menschen in Deutschland haben längst erkannt, dass es so einseitig nicht mehr weiter gehen kann. Eine Politik, die eine Umverteilung von unten nach oben durchführt, ist sozial ungerecht und führt zum wirtschaftspolitischen Bankrott und -wie wir gesehen haben - zur Arbeitslosigkeit."

Kein positives Wort kam Lafontaine über seinen früheren Freund und jetzigen Intimfeind Gerhard Schröder ("es passte kein Blatt Papier zwischen uns", Lafontaine) über die Lippen: "Für ein Gespräch gibt es keinen Bedarf. Ich habe noch hinreichend Kommunikation in die Sozialdemokratie hinein. So weiß ich, dass viele SPD-Mitglieder die jetzige Politik der Parteiführung ablehnen."

Schröder sei auch der Grund dafür gewesen, warum er 1999 als SPD-Finanzminister grußlos die politische Bühne verließ: "Es gab klare Absprachen mit Bundeskanzler Schröder, er hat alle Zusagen gebrochen. Deshalb sah ich keine Möglichkeit mehr jene Politik umzusetzen, für die wir 1998 gewählt wurden. Ich habe einfach die Konsequenzen gezogen. Ein Politiker muss zu seinem Wort stehen, muss nach den Wahlen das realisieren, was er vor den Wahlen versprochen hat. In Deutschland ist der politische Rücktritt mittlerweile aus der Mode gekommen. Es tritt niemand mehr zurück. Auch wenn manch ein Rücktritt überfällig wäre..."

Wütend ist Lafontaine auf Grünen-Chef Joschka Fischer. Er heize den Wahlkampf unverantwortlich an: "Am Schlimmsten benimmt sich Joschka Fischer. Er schreckte selbst davor nicht zurück, mich mit dem ermordeten niederländischen Politiker Pim Fortyn zu vergleichen - ein unglaublich geschmackloser Vergleich, da ich schon einmal Opfer eines Attentates war."

Seit Tagen hat Lafontaine, auf den 1990 ein Messerattentat verübt wurde, wieder Personenschutz. Über die Angst, Opfer eines neuerlichen Attentates zu werden, sagte er: "Ich muss seit vielen Jahren mit der Angst vor Attentaten leben, weiß worauf ich mich eingelassen habe..."

Von einer Kanzlerin Angela Merkel hält Lafontaine nichts: "Ihre Vorschläge, wie Mehrwert-Steuererhöhung, weitere Kürzungen sozialer Leistungen, Besteuerung der Schichtarbeit und das Streichen der Pendlerpauschale sind Konzepte, die die Arbeitslosigkeit weiter steigern würden. Wer mit solchen Zielen antritt, sollte nicht Kanzlerin werden. Wir werben dafür, dass sich ihre Politik in Deutschland nicht durchsetzt."

Das ganze Interview im neuen NEWS.

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