AK-Präsident Kalliauer fordert mehr Kinderbetreuungsangebote: "Steuererleichterungen bringen sehr vielen Eltern nichts!"

Linz (OTS) - In letzter Zeit wurden mehrere Stimmen für die steuerliche Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten laut. "Davon würden nur Besserverdienende profitieren, ohne dass ein einziger zusätzlicher Betreuungsplatz entstünde!" stellt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fest. "Wirksamer und wichtiger ist es, Geld in den tatsächlichen Ausbau der Kinderbetreuung zu investieren!"

Die Vorschläge, wie die Kinderbetreuungskosten steuerlich berücksichtigt werden sollen, fallen höchst unterschiedlich aus.

Die Wirtschaftskammer will ein "Prämienmodell", bei dem nur Kosten für private Kindermädchen oder über Dienstleistungsscheck bezahlte Hilfen in Privathaushalten geltend gemacht werden können. Weder Kindergartenbeiträge noch Kosten für Tagesmütter wären dabei erfasst. Eine durchschnittlich verdienende Arbeitnehmerin kann mit ihrem Einkommen aber sicher kein privates Kindermädchen anstellen und daher auch keine Kosten geltend machen. "Das WK-Modell wäre deshalb eine Förderung für Privilegierte. Der Großteil der betroffenen Eltern würde durch die Finger schauen!" kritisiert Kalliauer.

Verteilungspolitisch ebenfalls höchst ungerecht ist das von ÖVP-Wirtschaftsminister Bartenstein vorgeschlagene Modell eines Steuerfreibetrages, der das zu versteuernde Einkommen vermindert. Ein Drittel aller Arbeitnehmer/-innen - davon 61 Prozent Frauen - sind aber wegen zu geringer Einkommen gar nicht lohnsteuerpflichtig und würde daher überhaupt nichts von einem Freibetrag haben. Bei den Steuerpflichtigen wäre die Förderung umso höher, je größer das Einkommen ist.

Gerechter wäre ein Absetzbetrag, der auch in Form einer Negativsteuer geltend gemacht werden kann. Dies würde zumindest theoretisch alle Eltern mit Kinderbetreuungskosten in den Genuss einer gleich hohen Förderung bringen. Aber leider auch nur theoretisch, denn nicht einmal die Hälfte der Lohnsteuerpflichtigen führt eine freiwillige Arbeitnehmerveranlagung durch.

Neben der verteilungspolitischen Problematik stellt sich die Grundsatzfrage, welches Ziel eigentlich verfolgt werden soll. Bundesweit sind es 90.000 Kinderbetreuungsplätze, die fehlen oder zeitlich nicht passen. Dieser krasse Missstand wird mit mangelnden öffentlichen Mitteln entschuldigt. Eine steuerliche Förderung würde aber die Budgets belasten, ohne in der tatsächlichen Betreuungssituation etwas zu verbessern.

"Im Sinne der Vereinbarkeit von Beruf und Familie müssen die qualitätsvollen, ganztägigen und leistbaren Kinderbetreuungsangebote stark ausgebaut werden. Hier sollen Bund und Land endlich entsprechende Finanzmittel einsetzen, statt ein paar Steuerzuckerl zu verteilen und damit das reale Problem zu ignorieren!" betont der AK-Präsident.

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