Flut in Osteuropa - "Nachbar in Not" hilft

Verheerende Hochwasserschäden in Rumänien und Bulgarien - 13.000 Menschen evakuiert, 90.000 Hektar Land zerstört

Wien (OTS) - Heftige Unwetter und anhaltende Regenfälle seit April dieses Jahres haben zunächst im Westen Rumäniens, dann - seit Anfang Juli - auch im Süden des Landes sowie im angrenzenden Bulgarien und nun durch das neuerliche Hochwasser Mitte Juli auch in Ostrumänien verheerende Schäden angerichtet. "Die vor dem Hochwasser geflüchteten Menschen müssen versorgt werden und es muss ihnen bei der Wiedererlangung ihrer Lebensgrundlagen geholfen werden", sagt "Nachbar in Not"-Vorstand Michael Opriesnig vom Österreichischen Roten Kreuz. Aus diesem Grund startet heute, Montag, den 25. Juli 2005, die Hilfsaktion "Nachbar in Not - Flut in Osteuropa", die um Spenden auf das Aktionskonto PSK 91 160 100 bittet.

"Nachbar in Not" zeigt Solidarität mit den europäischen Nachbarn

Nach jüngsten Angaben des NATO-Katastrophen-Koordinationsdepartments (Euro-Atlantic Desaster Response Coordination Centre EADRCC) mussten 13.000 Menschen aus ihren Häusern evakuiert werden, die Zahl der Todesopfer ist auf 30 angestiegen. Der Fluss Sirit in Ostrumänien hat sein Volumen um das Zwanzigfache vergrößert. Flur- und Infrastrukturschäden sind noch nicht absehbar, die Anbauflächen versinken in Geröll- und Schlammmassen. Etwa 60 Prozent des Landes sind von der jetzigen Überschwemmung betroffen, sechs bis acht Großbezirke schwer und davon die vier Regionen Galati, Buzau, Bacau und Frantia besonders stark. Betroffen ist größtenteils eine ohnehin mittellose Landbevölkerung, die mit den Fluten alles verloren hat. Nach den verheerenden Regenfällen Mitte Juli haben auch der rumänische Regierungschef Tariceanu und Staatspräsident Basescu um internationale Hilfe ersucht. Das Ausmaß der Schäden wird auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Der ORF unterstützt diese "Nachbar in Not"-Aktion für die europäischen Nachbarn mit Spendenaufrufen in seinen Medien. ORF-Korrespondent Ernst Gelegs berichtete am vorvergangenen Wochenende aus dem erneut von Unwettern heimgesuchten Katastrophengebiet, TV-Reporter Johannes Marlovits befindet sich seit dem Wochenende in Rumänien.

Die Überschwemmungen betreffen die Ärmsten der Armen

"Die Menschen in Rumänien brauchen dringend Unterstützung! Ohne internationale Hilfe kommen die obdachlosen Familien nicht über den Winter", begrüßt auch Caritas-Generalsekretär Stefan Wallner die "Nachbar in Not"-Initiative.
Rot-Kreuz-, Caritas- sowie -Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter anderer "Nachbar in Not"-Organisationen sind seit den ersten Tagen im Hochwassergebiet im Einsatz und leisten Nothilfe, versorgen Tausende Evakuierte mit Lebensmitteln, Hygienepaketen, Decken und Medikamenten. Am Freitag, dem 22. Juli, ist ein Transport mit 4,5 Tonnen Medikamenten vom Roten Kreuz, in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium, in Wien gestartet. "Die Medikamente - vor allem Antibiotika und Präparate gegen Durchfall - haben Sonntagabend Rumänien erreicht und werden heute in den betroffenen Regionen zur Verteilung kommen", sagt Gerald Czech, Mitarbeiter der Rot-Kreuz-Katastrophenhilfe, der diesen Transport begleitet hat.

Die Diakonie Österreich hat ebenfalls ab den Regenfällen im April mit der Soforthilfe für die betroffenen Dörfer begonnen. Gemeinsam mit ihrem rumänischen Partner werden Lebensmittel- und Hygienepakete, Mineralwasser sowie Kleidung an die Menschen verteilt. Für den Wiederaufbau konzentriert sich die Diakonie auf Häuser, Infrastruktur sowie die Wasseraufbereitung von Brunnen.

Auch die Caritas ist seit Beginn des Hochwassers im Einsatz, eine der ersten Hilfslieferungen erreichte das Dorf Helegiu. "Die Überschwemmung trifft hier wirklich die Ärmsten der Armen", sagt der Tiroler Thomas Hackl, Leiter der Katastrophenhilfe der Caritas Rumänien, der die Hilfsmaßnahmen im Katastrophengebiet leitet. "Die Wassermassen haben große Landstriche überflutet. Die Menschen hier haben nicht nur ihre Häuser verloren, da die meisten arme Bauern sind, ist nun auch ihre Lebensgrundlage für dieses Jahr ruiniert."

Nothilfe und Hilfe bei der Wiederherstellung landwirtschaftlicher Strukturen

Vor allem die "Nachbar in Not"-Organisationen Caritas und Hilfswerk Austria werden sich - nach der erforderlichen Nothilfe - auf die Wiederherstellung der ländlichen Betriebe konzentrieren. Die Familien müssen für den wirtschaftlichen Neustart mit Saatgut, Dünger sowie Hühnern und Futtermitteln versorgt werden. Caritas wie Hilfswerk arbeiten dabei in engem Kontakt mit landwirtschaftlichen Strukturen und Beratern. Auch die Volkshilfe betreibt seit mehr zehn Jahren im rumänischen Cluj (Klausenburg) ein Projekt, in dem jugendliche Waisen im Baunebengewerbe ausgebildet werden. Vitali Bodnar von der Volkshilfe: "Diese Jugendlichen können jetzt ihr erworbenes Wissen effizient einsetzen; sie legen Drainagen und helfen bei der Wiederinstandsetzung der Häuser." "Nachbar in Not"-Partner Care Österreich konzentriert seine Hilfsmaßnahmen derzeit auf gleichfalls vom Hochwasser betroffene Gebiete in Bulgarien.

Das Ausmaß der Schäden ist noch nicht absehbar

Durch erneute Regenfälle in den kommenden Wochen würde sich die ohnehin schlimme humanitäre Lage weiter zuspitzen. Zudem ist die Infrastruktur des Landes stark beschädigt und erschwert damit die Hilfslieferungen: Mehr als 1.000 Brücken und ebenso viele Straßenkilometer sind zerstört. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind nicht weniger dramatisch: 94.000 Hektar Agrarland sind von der Flut unbrauchbar gemacht worden, 11.189 Brunnen verunreinigt und mehr als 3.000 Vögel und Tiere getötet sowie Hunderte Sozialeinrichtungen in Mitleidenschaft gezogen.
"Das wahre Ausmaß der Katastrophe", so Opriesnig, "wird sich wie immer erst in wenigen Wochen zeigen. Derzeit sind die Menschen noch damit beschäftigt, den Schlamm aus ihren Häusern und von ihren Äckern zu entfernen."

Jörg Ruminak, ORF - Humanitarian Broadcasting: "Die Katastrophe in Rumänien hat nicht das Ausmaß eines Tsunami - aber sie übertrifft jenes Hochwasser, das im Sommer 2002 viele österreichische Bundesländer heimgesucht hat, um das Vier- bis Fünffache. Der ORF hat damals die Hochwasserhilfe mitinitiiert und unterstützt und fühlt sich auch jetzt zur Solidarität mit dem europäischen Nachbarn verpflichtet. Außerdem bin ich überzeugt davon, das wir mit dieser 'Nachbar in Not'-Hilfsaktion für die Menschen in Osteuropa vielen Österreicherinnen und Österreichern, die helfen wollen, ein Ventil und eine Möglichkeit zur Hilfeleistung bieten."

Spendenkonto:
"Nachbar in Not - Flut in Osteuropa"
PSK 91 160 100 (BLZ 60 000)
Online Spenden:
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Rückfragen & Kontakt:

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Christine Kaiser
Tel.: +43 (0)1/87878 - DW 12422
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