Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Und schon wieder Terror in London. Womit erstens die These Silvio Berlusconis und anderer widerlegt ist, dass nach einem großen Anschlag eine längere Pause auf dem Programm stünde. Zweitens bekommen jetzt alle jene immer mehr recht, die von einem regelrechten Krieg gegen die westliche Zivilisation sprechen.

Und was sind die Ziele des Krieges? Die lassen sich bei den diversen Predigern durchaus klar finden: Es geht nicht nur um den Abzug der Briten und Amerikaner aus dem Irak, sondern auch um die komplette Vernichtung Israels und die Forderung, dass die Fahne des Propheten über Europas Metropolen wehen solle. Keine sehr erfreuliche Perspektive. Und schon gar keine, die Anlass zu einem Appeasement geben sollte.

Allein die von der italienischen Autorin Oriana Fallaci ja schon seit langem zusammengetragenen Beweise für dieses Szenario sind eigentlich aussagekräftig genug.

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Moscheen werden also künftig polizeilich kontrolliert, heißt es jetzt allerorten. Man darf gespannt sein, wie die diversen Polizeiapparate das alleine sprachlich in den Griff bekommen wollen. Solche Überwachungen hinterlassen auch sonst ein extrem übles Gefühl. Erinnern sie doch etwa daran, wie zur Zeit der Kirchenverfolgung der Jahre 1938-1945 in jedem Gottesdienst die Gestapo gesessen ist, um Wortlaut und Zuhörer aufzulisten.

Dennoch gibt es gewaltige Unterschiede. Erstens: Riefe heute jemand in einer christlichen Kirche (welcher Konfession immer) zum Terror auf, gäbe es sofort einen Protest der Gläubigen: zwei Jahrhunderte Aufklärung haben das Selbstbewusstsein der Bürger stark genug gemacht. Und zweitens: Bei aller schuldhaften Verwicklung der Kirche(n) in zahllose Kriege gibt es im Christentum keinen geistigen Nährboden für Selbstmordattentäter. Beides ist in den moslemischen Gemeinden offensichtlich anders.

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Österreich hat seit den Tagen der Monarchie den Islam mit anderen wichtigen Religionen rechtlich gleichgestellt. Da darf man auch einmal eine heikle Frage stellen: Warum eigentlich werden die vielen Sekten bei uns schlechter behandelt? Dem einen Teil von ihnen kann man nur ein meist ziemlich seltsames Glaubensgut vorhalten, dem anderen zusätzlich die Schaffung von Abhängigkeiten bei neumissionierten Gläubigen und die geradezu gehirnwäscheartige Indoktrination ihrer Anhänger. Selbstmordattentäter werden aber auch dort keine gezüchtet.

Die Attentäter sind ein Phänomen, das unser ganzes Werte- und Denksystem aushebelt.

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