ARBÖ: Was bei einem Verkehrsunfall im Ausland zu tun ist

Die sieben wichtigsten Tipps der ARBÖ-Verkehrsjuristen

Wien (OTS) - Sprachbarrieren, andere Rechtsvorschriften und unterschiedliche Schadenersatzregeln machen Unfälle im Ausland besonders kompliziert. Um unnötigen Arger zu vermeiden, geben die ARBÖ-Verkehrsjuristen sieben wichtige Tipps bei Unfällen im Ausland.

1. Richtig handeln nach dem Unfall: Anhalten, die Unfallstelle absichern, Verletzten Erste Hilfe leisten und unverzüglich die Rettung verständigen, sind in jedem Staat die ersten wesentlichen Schritte. In Österreich, Italien, Portugal und Spanien dürfen Lenker vor dem Aussteigen nicht vergessen, sich Warnwesten anzuziehen. Wichtig ist es, den anderen Verkehr nicht zu gefährden.

2. Exekutive verständigen: Sollten Personen verletzt worden sein, muss auf alle Fälle in allen Staaten die örtliche Polizei verständigt werden, in Frankreich auch dann, wenn zwar keine Personen verletzt wurden, es, aber schwere Verstöße gegen die Verkehrsordnung (Alkohol, extreme Geschwindigkeit) gab. Aber auch bei reinen Sachschäden empfehlen die ARBÖ-Verkehrsjuristen auf alle Fälle, die nächste Polizeidienststelle zu verständigen.

3. Europäischer Unfallbericht: Unbedingt einen europäischen Unfallbericht ausfüllen! Für jedes einzelne Fahrzeug, das am Unfall beteiligt ist, muss ein eigener Unfallbericht ausgefüllt werden. Aus dem Unfallbericht muss das genaue Datum, die genaue Beschreibung des Unfalls und die Versicherungen hervorgehen. Wichtig ist, dass der Unfallbericht von allen Beteiligten unterschrieben wird. Den europäischen Unfallbericht gibt es zwar in den unterschiedlichsten Landessprachen, die Gliederung ist aber in jedem Land haargenau die gleiche. Wer also seinen deutschsprachigen Unfallbericht über einen italienischen drüberlegt, kann den Text genau zuordnen. Das Formular für den europäischen Unfallbericht kann man in allen 100 ARBÖ-Dienststellen kostenlos bekommen. Wer keinen europäischen Unfallbericht zur Hand hat, sollte Namen, Adressen, beteiligte Personen, Kennzeichen, Versicherungen, Polizzennummern und allfällige Zeugen aufschreiben.

4. Wie bei jedem Verkehrsunfall sollten möglichst Fotos (Unfallort, Schäden) geknipst und Namen und Adressen von Augenzeugen notiert werden. Empfehlenswert ist es auch, alle Belege für Geldausgaben zu sammeln, die in Zusammenhang mit dem Unfall entstanden sind (Taxis, Telefon, Arztkosten, Rezeptgebühren), damit man sie später eventuell ersetzt bekommt.

5. Die eigene Versicherung sollte auf jeden Fall informiert werden, auch wenn man am Unfall nicht schuldig ist.

6. Zusätzlich versichert sein: Alle Schadenersatzansprüche werden nach dem Recht jenes Landes behandelt, in denen der Unfall passiert ist. Da es in manchen EU-Ländern noch immer erschreckend niedrige Deckungssummen gibt , etwa in Lettland, aber auch in Italien, Ungarn, Tschechien oder in der Slowakei(siehe Tabelle unten) ist es bei Reisen in diese Länder ratsam entweder eine eigene Reisekaskoversicherung abzuschließen. Eine solche Versicherung können auch Nicht-ARBÖ-Mitglieder beim ARBÖ abschließen. In Ländern mit einer niedrigen Deckungssumme nütz es nämlich überhaupt nicht, wenn man in Österreich eine hohe Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat! Um seine Rechte auch im Ausland besser durch zu setzten, ist eine Rechtsschutzversicherung nützlich. Diese gibt es beim ARBÖ allerdings nur für Mitglieder.

7. Ansprechpartner in Österreich: Wer in den 25 EU-Staaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen einen Unfall hatte, hat es seit Anfang 2003 leichter, Schadenersatz zu bekommen: Denn die Abwicklung des Schadensfalles ist seitdem direkt von Österreich aus möglich, über einen sogenannten Schadenregulierungsbeauftragten.. Wer im speziellen Fall dieser Schadensbeauftragter ist, erfährt man beim Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVÖ) unter www.vvo.at oder telefonisch unter 71156-0

Überblick über Deckungssummen in EU-Staaten (Personen- und Sachschäden)

Staat Personenschäden Sachschäden Belgien unbegrenzt unbegrenzt Luxemburg unbegrenzt unbegrenzt Finnland unbegrenzt 3,3 Mio. Frankreich unbegrenzt 460.000/Unfall, /Fzg. Großbritannien unbegrenzt rd. 357.000/Unfall Irland unbegrenzt 114.276 Malta unbegrenzt rd. 114.000/Unfall Spanien 350 Mio./Person 100.000/Unfall Schweden rd. 33 Mio. *) Dänemark rd. 12 Mio./Unfall rd. 2,4 Mio./Unfall Zypern rd. 3,4 Mio./Unfall rd. 101.000/Unfall Österreich 3 Mio. *) Deutschland 2,5 Mio./Person 500.000/Unfall 7,3 Mio. **) 500.000 Ungarn rd. 1,2 Mio./Person rd. 2 Mio./Anspruch Niederlande 907.560 *) Italien 774.685 *) Tschechien 606.000/Person rd. 168.000/Unfall Portugal 600.000 *) Slowakei rd. 500.000/Person rd. 130.000/Unfall Griechenland 500.000/Unfall 100.000/Unfall Litauen 500.000 100.000 Slowenien rd. 500.000/Unfall rd. 100.000/Unfall Polen 350.000/Person rd. 200.000/Unfall Estland rd. 344.000/Person rd. 100.000/Person Lettland rd. 14.000/Person rd. 13.000/Unfall

*) unabhängig von der Anzahl der Opfer und der Art des Sachschadens **) bei mehr als drei Personen pro Unfall

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