"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Im Banne des Schreckens" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 18.07.2005

Wien (OTS) - Bomben in London, Terroranschläge in der Türkei, Hurricans in Mittelamerika, Taifune in Asien: Die Horrormeldungen aus aller Welt werden zur Alltäglichkeit.
Entsprechend alarmiert reagieren die Politiker. Der Kampf gegen den Terror wird verschärft, die Überwachung jeder Bewegung in der Öffentlichkeit gilt politisch als ebenso korrekt wie die Aufzeichnung jeder Telefonverbindung, jedes Mailverkehrs und jeder Internetverbindung.
Dass Wirbelstürme und andere Unwetter die Folge unseres liederlichen Umgangs mit der Natur sind, wagen ohnehin nur noch hartgesottene Energieverschwender und Autofreaks zu bestreiten. Die leugnen womöglich auch noch, dass die vor wenigen Jahren noch überhaupt nicht messbare (und seither kontinuierlich sinkende) Feinstaubbelastung jährlich tausende Tote verursacht.
Bevor die Angst auch noch den letzten Rest an politischer Vernunft hinwegschwemmt, ein einziger Vergleich: Allein in Österreich sind heuer im ersten Halbjahr 321 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen - ungefähr fünf Mal so viel wie bei den Anschlägen in London. Noch wesentlich höher ist im Übrigen die Zahl der Selbstmorde.
Der Kampf gegen den Terror muss geführt und er muss gewonnen werden. Aber in Panik jedes Augenmaß zu verlieren, die Gefahr von Anschlägen als Vorwand für totale Überwachung zu nehmen und in jedem Andersgläubigen von vornherein einen möglichen Extremisten zu sehen, wäre der falsche Weg. Damit würden wir erst recht den Terroristen in die Hände spielen, die ja nur eines wollen: Die Stabilität in der zivilisierten Welt untergraben.

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