WirtschaftsBlatt Kommentar vom 13.7.2005: Das Geschäft mit der Wohnqualität - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Wohnen müssen alle. Deshalb sollten alle gefasst darauf sein, dass der Staat mit Rückendeckung der EU noch mehr als bisher dabei mitreden möchte, wie und in welcher Qualität gewohnt wird. Umweltminister Josef Pröll machte sich gestern im Namen der Österreichischen Energie-Agentur, Immobilien- und Wohnungswirtschaft für das Programm "klima:aktiv" stark. Dieses läuft in letzter Konsequenz darauf hinaus, dass Wohnungen und Häuser mit einem Energieverbrauchs-Zertifikat augestattet werden. Wer weniger Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche braucht, erzielt auf dem Markt einen besseren Preis. Das klingt logisch.
Das auf die Wohnbevölkerung heruntergebrochene Programm zur Erhöhung des Klimaschutzes hat jedoch mehrere Pferdefüsse. Erstens gibt es das Gesetz, mit dem die EU-Richtlinie erfüllt werden soll, noch nicht. Also ist auch unklar, wer unter welchen Kriterien das Energiepickerl vergeben wird.
Frappant ist der Zusammenhang der Aktion mit der von allen ersehnten Ankurbelung der Konjunktur. Pröll spricht schon jetzt von 10.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in der Bauwirtschaft. Wer könnte nachrechnen? Eine Schlüsselrolle bei der "Motivation" der Eigentümer würden Wohnungs- und Immobilienwirtschaft spielen und allein dadurch 350 Millionen Euro jährliche Investitionen auslösen. Niemand bezweifelt, dass Hausverwaltungen gute Vorschläge haben, wenn die P. T. Wohnungseigentümer investieren sollen.
In der Energie-Agentur ist Pröll der Vorsitzende, und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein gehört dem Vorstand an. Es ist ein Fortschritt, dass ein staatsnaher Non-Profit-Verein in Energiefragen informiert und auch motiviert. Aber weil in dem Programm "wohnmodern" gar nicht so klar ist, wer was warum macht, könnten in einer gross aufgezogenen und nicht mehr durchschaubaren Apparatur auf völlig nonprofitable Weise schöne Geschäfte gemacht werden. So wie ja gerade die Minister Pröll und Bartenstein bis heute nicht glaubwürdig darstellen können, warum immer mehr defizitäre Windkrafträder, die die Natur beschädigen, aufgestellt werden dürfen und durch Stromkonsumenten auch noch bezahlt werden müssen. Erhöhung der Wohnqualität und Sanierung des Altbestandes in allen Ehren. Aber der Jubel über das staatliche Energiepickerl hält sich in Grenzen. Im Übrigen aber: Es wird ununterbrochen investiert, gerade auch aus Energiespargründen.

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