Gastgewerbe diskutiert aktuelle Branchenprobleme

Treffen der deutschsprachigen Verbände in Interlaken -Nichtraucherschutz, reduzierte Steuersätze, Beschäftigungsmodelle und Benchmarking im Vordergrund

Wien (PWK553) - Das traditionelle Jahrestreffen der
gastgewerblichen Verbände des deutschsprachigen Raums fand diesmal auf Einladung der Schweizer Verbände "Gastro Suisse" und "Hotellerie Suisse" in Interlaken statt. Spitzenvertreter der jeweiligen Verbände - für Deutschland DEHOGA und IHA, für Südtirol HGV, für die Schweiz Gastro Suisse und Hotellerie Suisse, für Liechtenstein die Gewerbe-und Wirtschaftskammer sowie für Österreich die Fachverbände Gastronomie und Hotellerie sowie die ÖHV - nützten die Tagung zum Erfahrungsaustausch. Im Vordergrund standen die wirtschaftliche Entwicklung und die Rahmenbedingungen der Branche in Mitteleuropa.

"Der seit zwölf Jahren regelmäßig stattfindende Gedankenaustausch zeigt die gute Zusammenarbeit unter den Verbänden. Das Finden gemeinsamer Lösungen und das koordinierte Auftreten wird gerade im größer gewordenen Europa immer wichtiger", sind sich die Obmänner der beiden gastgewerblichen Fachverbände in der Wirtschaftskammer Österreich, Helmut Hinterleitner und Klaus Ennemoser, einig. Konkret diskutiert wurden aktuelle Themen wie die Raucherregelung, reduzierte Mehrwertsteuersätze, Beschäftigungsmodelle und Arbeitsmarktfragen, aber auch betriebswirtschaftliche Fragen wie die Gestaltung der Kennzahlenvergleiche (Benchmarking).

Besondere Anerkennung fand die österreichische Vorreiterrolle beim Abschluss einer Branchenvereinbarung zum Nichtraucherschutz, die auch den Ländern Deutschland und Schweiz als Vorbild dient. In Südtirol verzeichnet die Gastronomie seit Einführung der gesetzlichen Raucherregelung Einbußen, vor allem auch beim Kaffeekonsum. Und dies, obwohl der Verband die strengen italienischen Vorgaben für den Luftaustausch in Raucherbereichen erheblich abmildern konnte.

"Ich möchte bei dieser Gelegenheit nochmals an alle Mitgliedsbetriebe appellieren, das Thema Nichtraucherschutz ernst zu nehmen und -sofern noch nicht geschehen - Nichtraucherbereiche einzurichten. Damit die von uns erreichte Vereinbarung auch im Interesse der gesamten Branche eingehalten werden kann, ist Solidarität eines jeden Einzelnen erforderlich" betont Gastronomie-Obmann Helmut Hinterleitner.

Ausführlich diskutiert wurden Beschäftigungsmodelle im Gastgewerbe, insbesondere im Bereich der vorübergehenden Aushilfen. Vorreiter ist hier Südtirol, wo es seit der "Biagi-Reform" aus dem Jahre 2003 eine Beschäftigung von Arbeitnehmern "auf Abruf" (unter bestimmten Vorraussetzungen) gibt. Damit können die im vorhinein nicht planbaren, plötzlich auftretenden Beschäftigungsspitzen an Wochenenden und in der Hochsaison auf eine einfache Weise ausgeglichen werden.

Ein Dauerbrenner auf europäischer Ebene ist die Frage der reduzierten Mehrwertsteuersätze bei Umstellung auf ein neues Mehrwertsteuersystem. Während bei Beherbergungsleistungen eine Aufnahme in die Liste der verminderten Sätze erreicht werden konnte, sieht die Sache bei den Restaurantleistungen derzeit noch weniger gut aus. Ein diesbezüglicher Vorstoß Frankreichs ist am Veto einiger Länder im ECOFIN-Rat gescheitert. "Hier müssen wir weiter kämpfen", so Hinterleitner, "um auch in der Gastronomie den verminderten Satz (wie wir ihn in Österreich bereits haben) abzusichern".

Übereingekommen sind die Verbände, sich bei Betriebsvergleichen und der Ausarbeitung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen abzustimmen bzw. zu unterstützen. Zu diesem Zweck wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet.

"Derartige Benchmarks sind vor allem für die österreichischen Beherbergungsbetriebe als Orientierungshilfe im internationalen Wettbewerb von großer Bedeutung. Weiters dienen die europäischen Vergleichswerte dazu, die Situation des eigenen Betriebes zu analysieren und in weiterer Folge die Wertschöpfung ständig zu verbessern. Ebenso ist auch der internationale Vergleich der Kosten und der Finanzlage der heimischen Hotellerie in Verhandlungen mit Behörden und Banken besonders wichtig", hält der Obmann des Fachverbandes Hotellerie, Klaus Ennemoser, fest.

Der nächste Gedankenaustausch der deutschsprachigen gastgewerblichen Verbände findet im Sommer 2006 in Berlin statt. (hp)

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