"Gut gegrillt und ausgemustert" - Baubeschäftigte im Sommer extrem belastet und im Winter arbeitslos

Linz (OTS) - "Die Beschäftigungsschwankungen in der Baubranche
sind in Österreich europaweit am höchsten. Dies belastet das österreichische Sozialversicherungssystem enorm und zeitigt dramatische volkswirtschaftliche Folgen", sagte AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer während der heutigen Pressekonferenz in Linz.

Neben den direkten Einkommenseinbußen der Bauarbeiter/-innen durch wiederholte Arbeitslosigkeit sind die Pensionsaussichten äußerst trübe: Derzeit sind nur 0,9 Prozent der in OÖ beschäftigten Bauarbeiter/-innen 60 Jahre oder älter, der durchschnittliche Pensionsantritt (2002) erfolgt mit 57,5 Jahren, die durchschnittliche Dauer des Pensionsbezugs beträgt nur 3,7 Jahre.

Keine "Hacklerregelung" für Baubeschäftigte
Die so genannte "Hacklerregelung" würde bei 45 Beitragsjahren für Männer, die vor dem 1.7.1950 geboren sind, den Pensionsantritt mit 60 ermöglichen. Aber Zeiten der Arbeitslosigkeit und des Krankengeldbezuges sind keine Beitragszeiten, d.h. ironischerweise gilt die "Hacklerregelung" ausgerechnet für Bauarbeiter nicht!

Die Frühpension wegen langer Arbeitslosigkeit wurde mit 1.1.2004 abgeschafft. Ab 61,5 Jahren gibt es bei uneingeschränkter Arbeits-bereitschaft "Übergangsgeld" (Arbeitslosengeld plus 25 Prozent). Die Invaliditätspension ist nur sehr schwer zu bekommen: Bauarbeiter gelten für die PVA nicht als invalid, solange sie theoretisch
noch einen so genannten "Verweisungsberuf" ausüben können. Beim AMS sind sie aber nicht vermittelbar und bleiben somit über Jahre arbeitslos. Hinzu kommt laut Regierungsprogramm ÖVP/FPÖ der bis 2006 geplante Ersatz der Invaliditätspension durch eine Teilpension, die allerdings nur einen Bruchteil der bisherigen Invaliditätspension ausmachen soll. AK-Präsident Kalliauer: "Die derzeitige Beschäftigungspraxis der Bauwirtschaft geht zu Lasten allgemeiner und öffentlicher Gelder im Sozialversicherungssystem. Und dieses wird von allen unselbstständig Beschäftigten finanziert."

Extreme Belastungen im Sommer
Stress und Termindruck sind die häufigste Ursachen von Unfällen am Bau. Lange Arbeitszeiten im Sommer führen mittel- bis langfristig zu Gesundheitsschäden bei den Beschäftigten. Die Krankheits- und Unfallkosten im Bauwesen liegen bei vier bis neun Prozent des Bau-Sektor-BIP.

In der AK-Vollversammlung vom 24. Mai 2005 wurde als Resolution beschlossen, alle öffentlichen Auftraggeber/-innen aufzufordern, bei der Ausschreibung von Bauvorhaben zwingend eine Reihe von Auflagen zu erteilen. AK und Gewerkschaft Bau-Holz fordern besonders die oberösterreichische Landesregierung auf, die Ausschreibungsbedingungen für Bauaufträge des Landes, der Gemeinden und der gemeinnützigen (Wohn-)Bauträger im Sinne dieser Resolution zu gestalten.

Der Text zur Resolution der Arbeiterkammer kann unter www.arbeiterkammer.com downgeloadet werden.

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