Wiener Geschichtsblätter: Erinnerung an Gefängnisreformen

Wien (OTS) - In der jüngst erschienenen Ausgabe der Wiener Geschichtsblätter - herausgegeben durch den Verein für Geschichte der Stadt Wien - erinnert der Aufsatz "Ich wollte mich lieber in England aufhängen lassen, als in einem Ihrer Kerker leben" von Gerhard Ammerer an das Wirken des "father of prison reform" John Howard. Howard, der auch in den Kerkern und Gefängnissen der österreichischen Monarchie des späten 18. Jahrhunderts seine Spuren hinterlassen hat, wurde international bekannt durch seine 1777 publizierte Reform-Schrift "The State of the Prisons in England and Wales", die auch im restlichen Europa intensiv rezipiert wurde. Besagtes Zitat soll übrigens in einem Gespräch Howards mit Joseph II. gefallen sein, der wiederum den viel reisenden und religiös hoch motivierten Howard zu einem mehrstündigen persönlichen Gespräch eingeladen hat. Wie das Zitat bereits anmerkt, war Howard über die Zustände in vielen österreichischen Gefängnissen empört. Ihm ist es auch zu verdanken, dass in späterer Zeit Einzelzellen und die geschlechtliche Trennung zwischen Männern und Frauen durchgeführt wurde.

In einem weiteren Aufsatz von Herta Bren wird an das "Heim für obdachlose Mädchen" (1931 bis 1938) in Ottakring erinnert. Insbesondere widmet sich der Aufsatz Brens dem Wirken von Prof. Irene Jerusalem, die durch hohes persönliches Engagement besagtes Heim für meist vom Land kommende junge Mädchen ins Leben rief. Bis zu 25 Mädchen fanden hier nicht nur entsprechende Zimmer vor, sondern wurden darüber hinaus auch medizinisch versorgt wie auch beruflich quailifiziert. Wesentliches Detail: Jerusalem, die als Lehrerin in der Wenzgasse in Wien-Hietzing unterrichtete, schaffte es wienweit ein Spendensystem unter Schülerinnen und Schülern zugunsten des Heimes zu etablieren, welches durchwegs erfolgreich war, bis im Jahr 1938 das Heim unter den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. Jerusalem, die aus einer jüdischen Familie stammte, verweigerte sich mehrmals diversen Möglichkeiten ins Ausland zu emigrieren. Sie wurde im Jahr 1943 in Lodz ermordet.

Zwei weitere Aufsätze beschäftigen sich zum einen mit der Geschichte des "Schottendurchhaus" zwischen Lerchenfelder Strasse und Neustiftgasse in Wien-Neubau (Rüdiger Hartmann), zum anderen mit dem Werdegang des Palais Gallas (Rouven Pons).

Eine Rubrik mit aktuellen Buchbesprechungen, darunter der Tagungsband "The other Vienna" über die Periode des Biedermeier, runden die aktuelle Ausgabe der Wiener Gechichtsblätter ab.

Die "Wiener Geschichtsblätter" kosten pro Ausgabe Euro 7 im Buchhandel. Mitglieder des Vereins für Geschichte der Stadt Wien erhalten das Periodikum neben anderen Publikationen gegen einen Jahresbeitrag von 35 Euro kostenlos. Verlegt wird die renommierte Zeitschrift, die vierteljährlich erscheint, im LIT Verlag. (Schluss) hch

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