• 05.07.2005, 19:25:34
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "G 8 oder Es geht eben nichts über echte Männer-Feindschaften" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 06.07.2005

Graz (OTS) - Tony Blair ist zweifelsohne George W. Bushs treuester
Partner. Wegen der Gefolgschaft während des Irak-Kriegs musste sich
der Brite sogar als "Pudel" des US-Präsidenten verhöhnen lassen. Aber
wirklich honoriert hat Bush diese Treue eher selten. Und dies wird
auch beim heute im schottischen Gleneagle beginnenden Gipfel der acht
wichtigsten Industrienationen (G 8) nicht anders sein.

Gastgeber Blair will sich dort als Vorkämpfer gegen die Armut in
Afrika und für den Klimaschutz profilieren. Bush hingegen hat schon
im Vorfeld des Treffens klare Beschlüsse zur Verringerung der
Treibhausgase abgeblockt und will auch den britischen Plänen für
Afrika nicht vollinhaltlich folgen.

Doch diese Animositäten sind nicht die einzigen, die den Gipfel
überschatten. Klappt zwischen Bush und Blair wenigsten die Chemie, so
können der Brite und Frankreichs Jacques Chirac einander buchstäblich
nicht riechen.

Nicht genug, dass sich die beiden gerade erst über die Zukunft der EU
zerstritten haben, in der Blair jetzt auch noch den Vorsitz
übernommen hat. Nicht genug, dass vor ein paar Tagen die Engländer
den britischen Sieg über Frankreich in der Seeschlacht von Trafalgar
vor hundert Jahren bombastisch gefeiert haben. Nicht genug, dass
Chirac über die britischen Essgewohnheiten lästert.

Nein, noch schlimmer. Denn heute tobt im fernen Singapur die
"Schlacht" darüber, welche Stadt die Olympischen Sommerspiele 2012
ausrichten darf. Und just Paris und London gelten als Favoriten.

Tony Blair ist schon am Sonntag nach Asien gereist, um Stimmung für
London zu machen, Chirac kam erst gestern dort an. Aber der Brite
muss am heutigen Entscheidungstag wieder in Gleneagle sein, um den
G-8-Gipfel zu eröffnen, während der Franzose demonstrativ auf den
Auftakt in Schottland pfeift und erst nach dem erhofften gallischen
Olympia-Triumph über die "Söhne Albions" nach Schottland fliegt.

Dort trifft er dann - gemeinsam mit seinem deutschen Freund Gerhard
Schröder - neben dem ungeliebten Tony Blair auf den ebenfalls nicht
gerade hoch geschätzten George W. Bush, der seinerseits den
kanadischen Premier Paul Martin nicht mag, weil sich Kanada unter
dessen Führung zu einem aus der Sicht Washingtons allzu
selbstbewussten Nachbarn entwickelt hat.

Kurzum: Selten war ein Treffen der Mächtigen dieser Welt von so
intensiven Männer-Feindschaften überlagert. Darüber kann aus das
Lächeln der "großen acht" beim traditionellen Familienfoto nicht
hinwegtäuschen. ****

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