"Hartz Sex"

"Presse"-Glosse von Josef Urschitz

Wien (OTS) - Der Korruptionsskandal bei VW hat auch sein Gutes:
Der übergroße Einfluss der IG-Metall ist jetzt wohl Geschichte.

Lustig war's bei VW: Vorstände von Tochtergesellschaften, die über im Ausland gegründete Scheinfirmen das eigene Unternehmen schnalzten, Betriebsratsausflüge mit dem Firmenjet ins Puff nach Rio de Janeiro, nach Wolfsburg eingeflogene "Edelnutten" (Süddeutsche Zeitung), deren Dienstleistungen sich dann per vom Vorstand abgezeichneten "Eigenbelegen" (über Summen von bis zu 30.000 Euro) in den Spesenabrechnungen wiederfanden.
Ja, wirklich: Wir reden vom früheren Symbol für deutsche Solidität. Ein wenig fad, aber Wertarbeit durch und durch. Volkswagen eben. Und von einem industriellen deutschen Vorzeigemodell, dem "Modell VW":
einem halbstaatlichen Betrieb (das Land Niedersachsen ist Großaktionär), in dem Vorstand und Betriebsrat kuschelig zusammenhocken. Und in dem es unzählige politische "Connections" gibt. Die mächtige Industriegewerkschaft Metall etwa ist VW-dominiert. Und der Personalchef des Konzerns, Peter Hartz, ist der "Erfinder" der schröderschen Hartz-IV-Arbeitsmarktreformen. Ob nach "Hartz vier" jetzt "Hartz Sex" kommt, weiß man nicht: Gegen den Personalchef liegt vorerst nichts vor. Außer vielleicht, dass einige der merkwürdigen Bordell-"Eigenbelege" von ihm abgezeichnet wurden. Aber ein Erdbeben ist es dennoch. Vor allem für die IG Metall. Denn die betriebsrätlichen Lambada-Bonzen haben ihren kleinen, anständigen Mitarbeitern gegenüber wohl ein wenig Erklärungsbedarf. Könnte sein, dass der Skandal nicht nur das "System" VW, sondern auch die Macht der IG-Metall in die Luft sprengt. Die VW-Aktie ist (wegen der Zurückdrängung des Betriebsrats, wie es hieß) gestern schon gestiegen.

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