- 05.07.2005, 12:26:20
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Diakonie: 1 Jahr Psychotherapie für Flüchtlinge in Tirol
Traumatisierte Flüchtlinge brauchen Unterstützung, nicht Rückschiebung
Wien/Innsbruck (OTS) - "Der Bedarf an psychotherapeutischer und
psychologischer Unterstützung von Flüchtlingen ist sehr hoch. In
Tirol nahmen im ersten Arbeitsjahr 124 Menschen unsere Angebote in
Anspruch, darunter Frauen, Männer und Kinder aus insgesamt 22
Herkunftsländern. Mit 51 Personen stellten Tschetschenen und
Tschetscheninnen die größte Gruppe der betreuten Klienten dar. Viele
von den Menschen waren auf Grund der Ereignisse im Herkunftsland
traumatisiert", betonte Verena Schlichtmeier, Leiterin des Zentrums
für Interkulturelle Psychotherapie "Ankyra" bei der heutigen
Pressekonferenz in Innsbruck. "Die wichtigsten Heilfaktoren für das
Weiterleben nach einem Trauma sind die Anerkennung der Gewalt,
Sicherheit, ein gutes soziales Netzwerk und die Möglichkeit zum
Aufbau einer neuen Existenz. Dies sind Faktoren, die für
Asylwerberinnen und Asylwerber kaum gegeben sind. Trotz der
schwierigen Bedingungen konnten gute Behandlungserfolge erzielt
werden."
Ankyra ist die erste Einrichtung des Diakonie Flüchtlingsdienstes
in Tirol und bietet AsylwerberInnen und Flüchtlingen seit einem Jahr
Psychotherapie, psychologische, medizinische und psychiatrische
Beratung.
"Besonders fatal auf die Flüchtlinge wird sich laut vorliegendem
Gesetzesentwurf auch die Kombination aus Dublin- Verfahren,
Traumatisierung und Schubhaft auswirken", meinte Christoph Riedl,
Leiter des Diakonie Flüchtlingsdienstes. "Wir müssen befürchten, dass
viele Flüchtlinge, die Opfer von Gewalt geworden sind und heute Asyl
in Österreich erhalten, nach Inkrafttreten des neuen Asylgesetzes
weder hier, noch in den angeblich sicheren Dublin Staaten Schutz
finden können", so Riedl weiter. (Die Dublinverordnung ist jene
europäische Regel, die die Zuständigkeit im Asylverfahren regelt,
also auch z.B. zwischen der Slowakei und Österreich.)
Im neuen Gesetz ist vorgesehen, dass Asylsuchende infolge einer
Dublin-Treffermeldung unmittelbar nach dem Grenzübertritt sofort in
Schubhaft genommen werden können. Hier ist, anders als in den
Erstaufnahmezentren, keine medizinische Erstabklärung vorgesehen.
Es ist daher damit zu rechnen, dass insbesondere auch Flüchtlinge mit
einer sehr hohen "Traumatisierungsquote", wie etwa die Gruppe der
tschetschenischen Flüchtlinge, in Schubhaft kommen. Dort erfolgt dann
die medizinische Betreuung durch Amtsärzte und Amtsärztinnen, welche
in den wenigsten Fällen über die notwendige Erfahrung zur
Feststellung von psychischen Erkrankungen, wie etwa einer
posttraumatischen Belastungsstörung, verfügen.
Die Diakonie fordert daher wiederholt, dass weiterhin alle
Asylsuchenden während des Zulassungsverfahrens in den
Erstaufnahmezentren untergebracht werden, wo eine Vorabklärung
stattfinden muss. Eine Schubhaftnahme darf traumatisierten Opfern von
Gewalt nicht zugemutet werden.
Rückfragehinweis:
Mag. Verena Schlichtmeier/Ankyra Tel: 0512/564129; Mobil: 0664/8273364 E-Mail: verena.schlichtmeier@diakonie.at Mag. Christoph Riedl/Diakonie Flüchtlingsdienst Tel.: 0664/5120991 E-Mail: christoph.riedl@diakonie.at
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