Diakonie: 1 Jahr Psychotherapie für Flüchtlinge in Tirol

Traumatisierte Flüchtlinge brauchen Unterstützung, nicht Rückschiebung

Wien/Innsbruck (OTS) - "Der Bedarf an psychotherapeutischer und psychologischer Unterstützung von Flüchtlingen ist sehr hoch. In Tirol nahmen im ersten Arbeitsjahr 124 Menschen unsere Angebote in Anspruch, darunter Frauen, Männer und Kinder aus insgesamt 22 Herkunftsländern. Mit 51 Personen stellten Tschetschenen und Tschetscheninnen die größte Gruppe der betreuten Klienten dar. Viele von den Menschen waren auf Grund der Ereignisse im Herkunftsland traumatisiert", betonte Verena Schlichtmeier, Leiterin des Zentrums für Interkulturelle Psychotherapie "Ankyra" bei der heutigen Pressekonferenz in Innsbruck. "Die wichtigsten Heilfaktoren für das Weiterleben nach einem Trauma sind die Anerkennung der Gewalt, Sicherheit, ein gutes soziales Netzwerk und die Möglichkeit zum Aufbau einer neuen Existenz. Dies sind Faktoren, die für Asylwerberinnen und Asylwerber kaum gegeben sind. Trotz der schwierigen Bedingungen konnten gute Behandlungserfolge erzielt werden."

Ankyra ist die erste Einrichtung des Diakonie Flüchtlingsdienstes in Tirol und bietet AsylwerberInnen und Flüchtlingen seit einem Jahr Psychotherapie, psychologische, medizinische und psychiatrische Beratung.

"Besonders fatal auf die Flüchtlinge wird sich laut vorliegendem Gesetzesentwurf auch die Kombination aus Dublin- Verfahren, Traumatisierung und Schubhaft auswirken", meinte Christoph Riedl, Leiter des Diakonie Flüchtlingsdienstes. "Wir müssen befürchten, dass viele Flüchtlinge, die Opfer von Gewalt geworden sind und heute Asyl in Österreich erhalten, nach Inkrafttreten des neuen Asylgesetzes weder hier, noch in den angeblich sicheren Dublin Staaten Schutz finden können", so Riedl weiter. (Die Dublinverordnung ist jene europäische Regel, die die Zuständigkeit im Asylverfahren regelt, also auch z.B. zwischen der Slowakei und Österreich.)

Im neuen Gesetz ist vorgesehen, dass Asylsuchende infolge einer Dublin-Treffermeldung unmittelbar nach dem Grenzübertritt sofort in Schubhaft genommen werden können. Hier ist, anders als in den Erstaufnahmezentren, keine medizinische Erstabklärung vorgesehen. Es ist daher damit zu rechnen, dass insbesondere auch Flüchtlinge mit einer sehr hohen "Traumatisierungsquote", wie etwa die Gruppe der tschetschenischen Flüchtlinge, in Schubhaft kommen. Dort erfolgt dann die medizinische Betreuung durch Amtsärzte und Amtsärztinnen, welche in den wenigsten Fällen über die notwendige Erfahrung zur Feststellung von psychischen Erkrankungen, wie etwa einer posttraumatischen Belastungsstörung, verfügen.

Die Diakonie fordert daher wiederholt, dass weiterhin alle Asylsuchenden während des Zulassungsverfahrens in den Erstaufnahmezentren untergebracht werden, wo eine Vorabklärung stattfinden muss. Eine Schubhaftnahme darf traumatisierten Opfern von Gewalt nicht zugemutet werden.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Verena Schlichtmeier/Ankyra
Tel: 0512/564129; Mobil: 0664/8273364
E-Mail: verena.schlichtmeier@diakonie.at

Mag. Christoph Riedl/Diakonie Flüchtlingsdienst
Tel.: 0664/5120991
E-Mail: christoph.riedl@diakonie.at

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