"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Weltpolitik spielt eine andere Art von Konzert" (von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 04.07.2005

Graz (OTS) - Zwei Millionen Konzertbesucher und vermutlich eine Milliarde Fernsehzuschauer bei den zehn Live-8-Konzerten hat Veranstalter Bob Geldof im Gepäck, wenn er zwischen dem 6. und 8. Juli ins schottische Luxushotel Glen-eagles kommt. Die acht mächtigsten Männer, der G-8-Gipfel, sollen jene Hilfe für Afrika locker machen, die in den Konzerten verlangt wurde. Der geniale Geldof ist unterwegs zu einer undurchführbaren Mission. Die Weltpolitik spielt eine andere Art von Konzert.

Aber zuvor ist das Gute an den Konzerten festzuhalten. So viele Menschen, vor allem junge Leute, mit dem sonst tief im Vergessen liegenden Thema Afrika positiv zu emotionalisieren, ist wichtig. Selbst wenn es nur ein Kurzzeitschub für das Bewusstsein bleiben sollte.

Filmstar Brad Pitt rief in London plakativ aus, "wenn dieses Konzert endet, werden 30.000 Afrikaner an extremer Armut gestorben sein. Das kann so nicht weitergehen." Es gehört zu unserer Natur, dass solche Sager gesagt werden müssen, um jenen Überschuss an Gefühl zu erzeugen, der den politischen Stein des Sisyphos ein Stück aufwärts rollen kann.

Aber das wirkliche Schwarzafrika ist zu seinem Unglück noch weit weg davon, dass ihm rasch und nachhaltig geholfen werden könnte. Es war in den letzten Jahren nichts in diesem Afrika, Katastrophen ausgenommen. Nie kann man sicher sein, dass ein Staat langfristig das Schlimmste hinter sich hätte. Zimbabwe zum Beispiel war einmal ein kleines Hoffnungsprojekt. Jetzt hat der alternde Diktator Mugabe das Land ruiniert. Weder Europäer noch Afrikaner mischten sich ein.

Im schottischen Gleneagle wird auch keine Lösung gefunden werden können. Tony Blair im Abgang hat keine Chance gegen die unterschiedlichen Meinungen von George Bush bis Wladimir Putin. Was politisch heuer möglich ist, ist schon im Juni passiert: der Schuldenerlass. Bob Geldof kann nur Höflichkeit erwarten.

Man könnte die Flinte ins Korn werfen und sagen, schreiben wir Afrika ein paar Jahrzehnte ab, blenden wir aus, schauen wir weg. Sachlich ließe sich dagegen schwer ankämpfen. Aber wenn wir davon ausgehen, dass wir auf einer Welt leben, dann muss auch Afrika in seinen Nöten dazugehören. Wir leben sicher auf einer Welt, wenn auch nicht in einer Welt. Doch die Segmente innerhalb der einen Welt sind hoch ummauert.

Teile Asiens haben es geschafft, einen Weg aus der Armut zu gehen. Es ist erlaubt zu träumen, dass auch Afrika einmal so einen Weg finden wird. Mehr als ein Traum ist es derzeit noch nicht. ****

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