"profil"-Interview: Wrabetz für Restrukturierung der ORF-Information

ORF-Finanzchef Wrabetz will "mehr Pluralität auf redaktioneller Ebene" - Kritik am "Übergewicht der Regierungsparteien" im Stiftungsrat

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" spricht sich Alexander Wrabetz, Kaufmännischer Direktor des ORF, für eine Änderung der Entscheidungsstrukturen im ORF-Informationsbereich aus. Wrabetz gegenüber "profil": "Wir müssen unbedingt zu einem System zurück, wo auf redaktioneller Ebene größere Pluralität herrscht. Dazu sind getrennte Redaktionen mit eigenen Verantwortlichkeiten und stärkeren Redakteursrechten nötig." Der ORF habe nur dann eine Existenzberechtigung, wenn er als unabhängig gelte und sich alle gesellschaftlichen Gruppen vertreten fühlten.

Dem derzeit alleinverantwortlichen Chefredakteur Werner Mück sei es nicht zuzumuten, dass er "dass er alle Informations- und Diskussionssendungen zentral steuert." "In einer nächsten Geschäftsführungsperiode sollte das anders strukturiert sein", so Wrabetz.

Kritik übt der Kaufmännische Direktor des ORF an der Zusammensetzung des ORF-Stiftungsrates: "Wir brauchen gewisse Demokratisierungen im ORF-Gesetz. Derzeit haben die jeweiligen Regierungsparteien im Stiftungsrat ein dermaßen hohes Übergewicht, dass im Kontrollgremium nicht einmal Minderheitsrechte gewahrt sind. Der Stiftungsrat müsste eigentlich so zusammengesetzt sein, dass er in etwa die Stärkeverhältnisse im Land abbildet."

Zur angespannten Finanzlage des ORF meint Wrabetz, es sei im Lichte der Marktliberalisierung "unvermeidlich, dass wir Werbeeinnahmen an die private Konkurrenz verlieren." Für den massiven Rückgang der Werbeeinnahmen sei allerdings auch die "bedauerliche Spruchpraxis" des Bundeskommunikationssenates mitverantwortlich. "Was uns von der Politik im neuen ORF-Gesetz zugesagt wurde, gilt offenbar nicht mehr."

Eine neuerliche Gebührenerhöhung will Wrabetz nicht dezidiert ausschließen: "Mann kann nicht davon ausgehen, das es für alle Zukunft keine Anhebung der Rundfunkgebühren mehr geben wird." Bis zum Ablauf der Geschäftsführungsperiode Ende 2006 werde das Management jedoch keinen entsprechenden Antrag stellen.

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