Toifl: Mehr Aufträge durch öffentliche Hand für Gewerbe und Handwerk

Hoher Ölpreis und schwächerer Export dämpfen die Erwartungen - klare Forderungen zur Betriebsnachfolge

Wien (PWK514) - Mehr Aufträge von Seiten der öffentlichen Hand wünschen sich die heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe. "In den Bundesländern, in denen die öffentliche Hand ihre Aufträge erhöht oder zumindest auf einem Niveau belassen haben, ist die Stimmung unter unseren Mitgliedern deutlich besser", betont der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Georg Toifl. In den besten Zeiten hätten die öffentlichen Aufträge rund 10 bis 15 Prozent des Gewerbe-Umsatzes oder 4 bis 6 Mrd. Euro betragen. Jede Milliarde Euro, die zusätzlich investiert wird, bedeutet 13.000 Arbeitsplätze. Während die gesamten Aufträge der rund 70.000 Betriebe mit 592.000 Beschäftigen im 2. Quartal 2005 im Jahresvergleich um 6 Prozent zulegten, nahmen die öffentlichen Aufträge im selben Zeitraum um 20 Prozent ab.

Sorgen bereitet Toifl auch das Vergaberecht in Österreich. Kleine und mittlere Unternehmen würden durch die Bundesbeschaffungsbehörde nicht ausreichend berücksichtigt. "Es besteht Handlungsbedarf, damit die regionalen Unternehmen wieder stärker zum Zug kommen", so der Obmann.

Toifl erwartet, dass sich aufgrund des hohen Ölpreises ("Verdoppelung der Kosten innerhalb eines Jahres"), des geringeren Exportwachstums und einiger weiterer Faktoren, die Entwicklung im 3. und 4. Quartal deutlich eintrüben könnte. Ein Konjunkturpaket, das für eine Belebung der gewerblichen Wirtschaft sorgen könne, sei deshalb zu begrüßen. WKÖ-Präsident Christoph Leitl hatte erst vergangenen Sonntag bei einer Verschlechterung der Konjunktur die Forderung nach einem Konjunkturpaket ("7-Punkte-Programm") ins Spiel gebracht.

Zum Thema Betriebsnachfolge sieht die Sparte akuten Handlungsbedarf. Allein im Gewerbe stehen in den kommenden Jahren etwa 13.000 Unternehmen mit rund 100.000 Arbeitsplätzen zur Übergabe an. "Das sind nahezu 20 Prozent der Beschäftigten im Gewerbe. Wir müssen danach trachten, die Kosten einer Betriebsübergabe so zu gestalten, dass es attraktiv ist, einen Betrieb weiterzuführen", fordert Toifl. Gerade wenn der Betrieb nicht innerhalb der Familie weitergegeben werde, entstünden exorbitant hohe Kosten etwa wenn sich Liegenschaften im Betriebsvermögen befinden. Deshalb fordert die Sparte die Senkung der Erbschafts- und Schenkungssteuer für Betriebsvermögen auf 5 Prozent. Darüber hinaus sollte der derzeit geltende steuerliche Freibetrag von 365.000 auf 1 Mio. Euro erhöht werden. Analog zu deutschen Überlegungen, sollte die Erbschaftssteuer auf 10 Jahre pro Jahr des Weiterbestehens der Firma gestundet werden.

"Wechselnd bewölkt mit einigen sonnigen Abschnitten", sieht der Direktor der KMU Forschung Austria, Walter Bornett, die konjunkturelle Lage im Gewerbe: Das zweite Quartal 2005 sei für die heimischen Gewerbebetriebe positiv gelaufen. Allerdings gehe man von einem "sehr bescheidenen Niveau" aus, dass jenem der Jahre Mitte der 90er entspricht. Die Geschäftslage wird von den Unternehmen besser beurteilt als im Vorjahreszeitraum und die Beschäftigung ist fast 1 Prozent höher als vor einem Jahr, wobei aber der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage überwiege.

In den investitionsgüternahen Branche sei der Auftragsbestand im Jahresvergleich um 5,7 Prozent gestiegen. Ausschlaggebend dafür war die positive Entwicklung der privaten Nachfrage mit plus 10,45 Prozent. Auch im konsumnahen Bereich habe sich die Situation weiter verbessert. Per Saldo melden zwar immer noch mehr Unternehmen Umsatzrückgänge als Steigerungen, die Trendwende wurde aber bestätigt. Insgesamt legten im 2. Quartal die Umsätze und Stimmungsbarometer um jeweils 4 Prozentpunkte zu.

Die Erwartungen für das 3. Quartal seien zunehmend optimistisch mit möglichen positiven Auswirkungen auf die Beschäftigung. 76 Prozent der Gewerbebetriebe werden den Beschäftigungsstand in den kommenden Monaten halten. 19 Prozent planen, Personal einzustellen und nur 4 Prozent befürchten, den Mitarbeiterstand reduzieren zu müssen. Der Personalstand werde demnach mit plus 7,8 Prozent deutlich stärker wachsen als vor einem Jahr mit plus 4,1 Prozent. (us)

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