Grillitsch: Grüne sehen Wald vor lauter Bäumen nicht

Beschränkungen für Waldbesitzer im Programm verborgen

Wien (AIZ) - "Das von den Grünen heute präsentierte Waldprogramm kann trotz guter Ansätze nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit zahlreichen Vorschlägen der vorbildliche Weg der österreichischen Forstwirtschaft radikal gestoppt wird. Zusätzlich ist die fachliche Kompetenz des Papiers anzuzweifeln, weil sich einige Widersprüche und fachliche Unrichtigkeiten auftun. Es entsteht fast der Eindruck, dass die Grünen den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen", sagte der Präsident des Österreichischen Bauernbundes, Fritz Grillitsch.

Die oberste Prämisse des strengen österreichischen Forstgesetzes sei die Erhaltung der Waldfläche. Seit mehreren Jahrzehnten nehme die Waldfläche in Österreich zu. Derzeit betrage der Zuwachs pro Jahr rund 5.100 ha - rund 18-mal die Fläche der Wiener Innenstadt. Der Holzvorrat steige ebenfalls kontinuierlich. "Es ist daher nicht nachvollziehbar, weshalb in diesem Zusammenhang von den Grünen die Erhaltung der Waldfläche gefordert wird, wenn so genannte Rodungen, also die dauerhafte Entfernung von Waldflächen, auf Grund des Forstgesetzes vor allem in waldarmen Gebieten von der Forstbehörde praktisch nicht bewilligt werden", betonte Grillitsch.

Geforderte "Gute forstfachliche Praxis" seit Generationen gelebt

Die Forderung nach einer "Guten forstfachlichen Praxis" sei ebenfalls nicht nachvollziehbar. Durch das österreichische Forstgesetz werde diese seit Generationen gelebt. Das Forstgesetz gebe einen strengen Rahmen in ausreichendem Maße vor, ungerechtfertigte Beschränkungen würden die wirtschaftliche Entwicklungsfähigkeit der Forstbetriebe lähmen. Daher setze das Forstgesetz ganz bewusst auf ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit der Waldeigentümer. Außerdem werde seit fünf Jahren anhand objektiver Kriterien von unabhängigen Gutachtern jährlich nachgewiesen, dass der gesamte österreichische Wald nachhaltig und mit großer Verantwortung bewirtschaftet wird. Die Waldbesitzer könnten an dieser so genannten "PEFC-Zertifizierung" freiwillig teilnehmen und strenge Zielvorgaben umsetzen. "Die Forderung nach einem anderen Zertifizierungssystem, das die österreichische Familienforstwirtschaft gegenüber den weltweit agierenden Großindustrieforsten benachteiligen würde, lehnen wir strikt ab", so Grillitsch. Die Forst- und Holzwirtschaft biete rund 250.000 Mitarbeitern anhaltende Beschäftigung in Österreich, während andere Industriezweige Personal abbauen und ihre Produktion verlagern würden.

Einige Forderungen gehen vollkommen ins Leere

"Das Waldprogramm zeigt noch in einem weiteren Punkt auf, dass die Grünen in forstfachlichen Fragen besser einschlägige Forstexperten zu Rate ziehen sollten", sagte der Bauernbund-Präsident. Die Forderung der Besteuerung der tatsächlich genutzten Holzmenge gehe vollkommen ins Leere, weil bei der Gewinnermittlung buchführungspflichtiger Betriebe genau diese Größe in die Besteuerung einfließe. "Auch wenn zahlreiche Forderungen der Grünen wie beispielsweise die Forcierung der Bioenergie, die Stärkung des Vertragsnaturschutzes oder die Förderung der Holzverwendung mit den Zielen der Waldbesitzer übereinstimmen, ist darauf zu achten, dass andere Forderungen diese Ziele nicht konterkarieren", betonte Grillitsch.
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