Gute Ansätze im "grünen Waldprogramm" - Für Umsetzung jedoch mehr Praxisbezug notwendig

Wien (OTS) - Das heute vorgestellte Waldprogramm der "Grünen" enthält zahlreiche begrüßenswerte Positionen, Ideen und Vorschläge. Um die gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Anforderungen zu erfüllen, müssen jedoch viele der Forderungen an die Realität angepasst werden.

Das Bekenntnis zu einem verstärkten Einsatz des Roh- und Werkstoffes Holz berücksichtigt die Tatsache, dass die Waldfläche in Österreich zunimmt, hohe Reserven vorhanden sind und mehr Holz nachwächst als geerntet wird. Richtig sehen die Grünen auch den Wald als CO2 neutrale Energiequelle und treten daher für eine vermehrte Biomasse-Nutzung ein. Auch erkennt das grüne Waldprogramm die Notwendigkeit von Besucherlenkung, die Abgeltung von touristischen Dienstleistungen der Waldeigentümer sowie einen Vorrang für Vertragsnaturschutz. "Wir begrüßen die wald- und holzfreundlichen Punkte im Grünen Waldprogramm", betont Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich. "Jedoch sollten einige Widersprüche im Programm beseitigt und grundsätzlich gute Forderungen für die Praxis tauglich gemacht werden. Dafür stellen wir gerne unsere Kompetenz im Waldmanagement zur Verfügung."

Unnötige Auflagen vermeiden

Tatsächlich gehen einzelne Forderungen der Grünen an der Realität vorbei: So ist es etwa völlig unverständlich, warum die Qualität der heimischen Waldbewirtschaftung unter Heranziehung von Daten aus der Waldinventur anerkannt, jedoch gleichzeitig das PEFC Zertifikat für nachhaltige Waldbewirtschaftung abgelehnt wird. Denn als Basis für die strengen Prüfkriterien dieses Holzgütesiegels dienen auch die Daten der Waldinventur. Das PEFC Zertifikat garantiert, dass Holz und Holzprodukte aus ökologisch, ökonomisch und sozial verantwortlicher Waldbewirtschaftung kommen. Geht es nach den Grünen, sollen die Waldeigentümer das teure und für klein strukturierte Waldbesitzverhältnisse völlig ungeeignete FSC Zertifikat kaufen müssen. "Auch die Grünen sehen, dass die Holzeinnahmen aufgrund der niedrigen Preise und steigenden Bewirtschaftungskosten drastisch sinken. Mit diesen finanziellen Belastungen ist eine zweifache Zertifizierung unmachbar", erklärt Montecuccoli. "Zudem gibt es in Österreich eine besonders strenge Kontrolle durch die Forstbehörde."

Nicht nachvollziehbar ist außerdem die Forderung der Grünen, dass die Einstellung von Forstpersonal bei relativ kleinen Betrieben zwangsweise erfolgen soll. Damit wird die geltende Vereinbarung im Forstgesetz in Frage gestellt: Schon im internationalen Vergleich kleine Unternehmen mit 1.000 Hektar sind gesetzlich verpflichtet, einen Förster anzustellen. Mittlere Betriebe ab 3.600 Hektar müssen auf eigene Kosten einen Forstakademiker beschäftigen. "Mit moderner Technik und Effizienzsteigerung können wir eine ausgezeichnete forstfachliche Betreuung der Wälder in Österreich sicherstellen. Die zusätzliche Aufnahme von Forstpersonal widerspricht der Forderung der Grünen, den Verwaltungsaufwand zu verringern und vermehrt technische Büros und Ziviltechniker in die Waldbewirtschaftung einzubinden. Stattdessen würden diese Beratungsunternehmen dadurch Aufträge verlieren", betont Montecuccoli. Ein Mehr an Bürokratie würde auch der Grüne Vorschlag, die völlig veralteten Regeln für Rodungsbewilligungsverfahren wieder einzuführen, mit sich bringen:
Alle Rodungen - auch die Kleinsten - benötigen nach wie vor eine Zustimmung der Behörde. Eine wesentliche Vereinfachung gibt es bei Minirodungen bis 0,1 Hektar: auch hier muss die Rodung angemeldet werden. Widerspricht die Behörde nicht, gilt dies als Zustimmung. Damit wird unnötiger Verwaltungsaufwand - wie etwa
zeitintensiver - Schriftverkehr vermieden. Zudem haben sich die seit 2002 entbürokratisierten Vorschriften in der Praxis bewährt und in keiner Weise zu einer Flut von Rodungen geführt.

Klimawandel erfordert geeignete Baumarten

Im Kampf gegen die bereits im Wald spürbare Klimaänderung behindern die Forderungen der Grünen nach einer potentiell natürlichen Waldgesellschaft die notwendigen pragmatischen Lösungen. Denn die Wälder der Zukunft stehen angesichts des weltweiten Temperaturanstieges infolge von Treibhausgasemissionen vor enormen Herausforderungen:

Wissenschaftlich belegt und abgesichert ist die Tatsache, dass es in den vergangenen 1000 Jahren noch nie einen so großen Temperaturanstieg in so kurzer Zeit gegeben hat. In den letzen 30 Jahren ist die mittlere Temperatur um 0,6 Grad gestiegen. Das internationale Klima-Experten-Gremium IPCC sagt einen durchschnittlichen Anstieg der Temperaturen auf der Erde um zwischen 1,4 und 5,8 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 voraus.

Daher ist die von den Grünen geforderte eingeschränkte Wahl von Baumarten zur Entwicklung von potentiell natürlichen Waldgesellschaften für die Zukunft völlig ungeeignet. Denn die Wälder zur nächsten Jahrhundertwende werden aus den heute gepflanzten Bäumen bestehen. "Um den Klimawandel zu überstehen, müssen daher dringend Waldmodelle mit Baumarten entwickelt werden, die den Klimastress am besten verkraften", fordert Montecuccoli.

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