Brettenthaler: Ärzte dürfen nicht zu Zwangsernährung gezwungen werden

Patienteninteresse und Würde des Menschen stehen im Mittelpunkt der ärztlichen Behandlung - Disziplinarmaßnahmen gegen zuwiderhandelnde Ärzte

Wien (OTS) - Anlässlich der anstehenden parlamentarischen Beschlussfassung über die Fremdengesetze wies der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Reiner Brettenthaler, Donnerstag in einer Aussendung darauf hin, dass kein Arzt zur Einleitung einer Zwangsernährung bei hungerstreikenden Asylwerbern gezwungen werden dürfe. Er zitierte in diesem Zusammenhang eine Deklaration des Weltärztebundes, in der es heißt, dass im Vordergrund bei der Behandlung von Hungerstreikenden die Interessen des Patienten zu stehen haben und auch dessen Wille, allenfalls künstliche Ernährung zu verweigern. Dabei sei durch Ärzte oder andere Angehörige der Heilberufe keinerlei unangemessener Druck auf den Hungerstreikenden auszuüben, um dessen Verhalten zu verändern.

Eckpunkt dieser Deklaration des Weltärztebundes ist das Selbstbestimmungsrecht des Patienten. Ein behandelnder Arzt habe jedoch, so Brettenthaler, den Hungerstreikenden über die Gefahrenen eines Hungerstreiks und dessen Gesundheitsfolgen detailliert aufzuklären. Damit solle der Patient in die Lage versetzt werden, die Konsequenzen seiner Entscheidung genau abzuschätzen. Diese Aufklärung habe auch insbesondere für den Fall zu erfolgen, dass der Hungerstreikende seine Entscheidungsfähigkeit durch den Eintritt von Bewußtlosigkeit oder Koma verliere.

Brettenthaler: "Das Patienteninteresse steht im Vordergrund des ärztlichen Verhaltens auch in der Behandlung von Hungerstreikenden. Niemand, weder eine Behörde noch eine Verordnung, kann diesen ethischen Grundsatz durchbrechen. Ärzte können daher zur Einleitung von Zwangsernährung keinesfalls gezwungen werden." Der Ärztepräsident machte abschließend darauf aufmerksam, dass Ärzte, die sich nicht an die in der Deklaration des Weltärztebundes festgehaltenen ethischen Prinzipien hielten, mit Disziplinarmaßnahmen zu rechnen hätten.

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