GEGEN SCHÄDLICHE TRADITIONEN Präsidentin Prammer stellt Projekt "Harmful Traditions" vor

Wien (PK) - Die Zweite Präsidentin des Nationalrats Barbara Prammer lud heute zu einer Veranstaltung unter dem Titel "Harmful Traditions", in der Frauenprojekte der Organisation Menschen für Menschen zur Bekämpfung schädlicher Traditionen vorgestellt wurden. An der Veranstaltung nahm ein ebenso zahlreiches wie prominentes Publikum teil, darunter zahlreiche Diplomatinnen und Abgeordnete des Hauses.

Prammer sagte in ihrer Begrüßung, es sei ihr eine Freude, diese wichtige Veranstaltung hier im Hohen Haus ausrichten zu können. Die Präsidentin würdigte das langjährige Engagement Böhms und sagte, ohne Menschen wie ihn würde es der Politik noch schwerer fallen, die richtigen Schritte zu setzen. In diesem Zusammenhang wies sie auch auf Böhms Frau Almaz hin, welche die Seele dieser Projekte sei. Schließlich stellte Prammer auch Etenesh Hadis vor, die seinerzeit eine Studie durchführte, mit der nachgewiesen wurde, dass Female Genital Mutilation (FGM) nicht nur in Afrika oder Asien, sondern auch in Europa vorkommt. Gegenwärtig gebe es weltweit 120 Millionen Frauen, die Opfer von Genitalverstümmelungen geworden seien, jährlich kämen zwei Millionen weitere Frauen und Mädchen hinzu.

Man müsse die richtigen Schritte setzen, und zwar gemeinsam mit den Betroffenen. Wichtig dabei sei vor allem, den Frauen eine Zukunftsperspektive zu geben, ihnen Unabhängigkeit von der Familie zu ermöglichen, also Maßnahmen zu setzen, mit denen den Betroffenen dauerhaft geholfen werden könne, damit sie perspektivisch in der Lage seien, sich selbst helfen zu können. Dazu brauche es ökonomische Selbständigkeit, gute Ausbildung und eigenständige Lebensmöglichkeiten, betonte Prammer. Es gelte, gemeinsam Lösungen zu finden und die entsprechenden Schritte ins Werk zu setzen.

Etenesh Hadis, die Präsidentin der afrikanischen Frauenorganisation in Österreich, dankte Prammer für ihr Engagement und der österreichischen Politik für ihre Maßnahmen gegen FGM. Sie hoffe auf weitere Unterstützung in dieser so wichtigen Angelegenheit, meinte Hadis und wies auf die Schrecken dieser schädlichen Traditionen hin.

Karlheinz Böhm führte die "harmful traditions" auf patriarchale Strukturen zurück. Sie seien von Männern ersonnen und festgeschrieben worden, die nicht zulassen wollten, dass Frauen auch Spaß am Sex haben, erklärte Böhm. Er erinnerte an das Mädchen Safia, das er seinerzeit in Äthiopien kennen gelernt hatte und das an einer Genitalverstümmelung starb. Ihr Schicksal habe ihn, Böhm, dazu veranlasst, eine eigene Kampagne gegen diese Traditionen, die man keinesfalls dulden dürfe, zu initiieren.

Diese verwerfliche Praxis, die an die Nazi-Gräuel in den KZ gemahne, müsse mit aller Entschiedenheit bekämpft und für immer gebannt werden, führte Böhm aus, der auch auf die Mitverantwortung mancher Geistlicher hinwies, die derlei Praktiken propagierten, wiewohl sie weder in der Bibel noch im Koran vorkämen.

Umso erfreulicher sei es, so Böhm, dass mittlerweile nicht weniger als 160 Frauen- und andere Gruppen den Kampf gegen FGM aufgenommen hätten. Das Wasser habe zu fließen begonnen, es sei etwas entstanden, das ihm die Hoffnung gebe, das endgültige Ende dieser Praxis noch erleben zu können.

Almaz Böhm ging auf den Umstand ein, dass viele Mütter aus reiner Unwissenheit diese Beschneidungen an ihren Töchtern vornehmen ließen, weshalb Bildung und Aufklärung ein so hoher Stellenwert zukomme. Die Betroffenen müssten erkennen, dass sie auch "Nein" sagen dürfen und sich von diesen überkommenen Traditionen lösen können, so Böhm.

Umrahmt wurde die Veranstaltung durch kulturelle Darbietungen der Igbo Women Organisation und des Ghana Minstrel Choir.

Die Organisation "Menschen für Menschen" hilft seit 24 Jahren mit, die Lebensbedingungen der bäuerlichen Bevölkerung Äthiopiens zu verbessern. Diese Hilfe umfasst neben medizinischer Versorgung, Aus-und Weiterbildung, angepassten Agro-Ökologie- und Infrastrukturprojekten auch den Kampf gegen so genannte "harmful traditions" wie Kinderverheiratung oder weibliche Genitalverstümmelung. Ein wichtiges Anliegen ist "Menschen für Menschen" auch die Bildung, denn sie gibt den Menschen die Perspektive, die Probleme auf Dauer ohne fremde Hilfe lösen zu können. (Schluss)

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