SENKUNG DER KLASSENSCHÜLERHÖCHSTZAHLEN WIRD GEPRÜFT Unterrichtsausschuss diskutiert Bürgerinitiative

Wien (PK) - Eine bedarfsgerechte Finanzierung der Pflichtschulen und die Entwicklung eines langfristigen nationalen Bildungsplans sind die Forderungen einer Bürgerinitiative für Schulqualität, die heute im Unterrichtsausschuss des Nationalrats diskutiert wurde. (19/BI)

Den UnterzeichnerInnen geht es unter anderem um ausreichende finanzielle Mittel für Förderkurse, Zusatzangebote, Deutschkurse und Integrationsklassen an Pflichtschulen, die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl auf 25, die Erhaltung entlegener Kleinstschulen und eine verpflichtende Fortbildung für LehrerInnen. Initiiert wurde die Bürgerinitiative vom österreichischen Dachverband der Elternvereine von Pflichtschulen.

Als erste Antwort darauf nahm der Ausschuss mehrheitlich mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ und F einen Entschließungsantrag zu einer möglichen Senkung der gesetzlichen Klassenschülerhöchstzahlen an. Die Bildungsministerin wird darin ersucht, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die den Vorschlag der Zukunftskommission hinsichtlich eines Abbaus zentraler Regelungen für Klassen- und Gruppengrößen überprüfen soll.

Ein Entschließungsantrag des Abgeordneten Dieter Brosz (G), dem Nationalrat bis spätestens 1. Oktober 2005 einen Bericht über die Kosten der Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen auf 25 im Pflichtschulbereich vorzulegen, wurde mit V-F-Mehrheit abgelehnt.

Zu den Beratungen waren der Vorsitzende und die Geschäftsführerin des Dachverbandes Kurt Nekula und Maria Smahel sowie zwei weitere VertreterInnen des Dachverbandes, Sieglinde Guserl und Andreas Ehlers, als Auskunftspersonen geladen. Zusätzlich standen den Abgeordneten Christiane Spiel von der Universität Wien und Gabriele Khan-Wick vom Ludwig Boltzmann Institut für Bildungsforschung als Expertinnen zur Verfügung.

Am Beginn der Beratungen wurde den InitiatorInnen nochmals die Gelegenheit gegeben, ihre Bürgerinitiative zu erläutern. "Nicht alle Kinder sollen das selbe bekommen, sondern jedes Kind das Passende", so die zentrale Forderung der ElternvertreterInnen und Expertinnen für einen nationalen Bildungsplan.

Individualisierung bedeute, das jeweilige Entwicklungs- und Leistungsniveau der SchülerInnen zu berücksichtigen. Vorsaussetzung dafür sei eine Entwicklungs- und Lerndiagnose, sagte Gabriele Kahn-Wick. Die Individualisierung müsse sowohl die individuelle Ebene als auch die organisatorische Ebene umfassen und für alle Begabungsspektren und Altersstufen umgesetzt werden. Damit erreiche man eine bessere Motivation, eine Erhöhung des Selbstwertgefühls und mehr Schulfreude.

Darüber hinaus legten die VertreterInnen der Bürgerinitiative ein Schwergewicht auf Qualitätsmanagement. Mehr Nachhaltigkeit erfordere mehr Schülerzentriertheit und die Übernahme der Verantwortung durch die LehrerInnen für deren Unterrichtsleistung, sagte Sieglinde Guserl. Es müsse daher in Zukunft eine systematische Qualitätsevaluierung eingeführt werden, auf deren Basis verpflichtende Maßnahmen in schulpartnerschaftlichen Gremien vereinbart werden. Christiane Spiel fasste dies pointiert zusammen, indem sie sich für eine "Kultur der Rückmeldung" aussprach. Nur dadurch würde angstfreies Lernen und Lehren möglich. Das derzeitige System führe jedoch zu einer Änderungsresistenz bei LehrerInnen aus Gründen des Selbstschutzes.

In weiterer Folge sprachen Kurt Nekula, Maria Smahel und Andreas Ehlers den Ausbau vorschulischer Bildungsangebote, eine bedarfsgerechte Integration und Sprachförderung, die Ausdehnung der Bildungsstandards auf alle Schulstufen, eine bedarfsgerechte Tagesbetreuung sowie die Verbesserung des Schulklimas und die Stärkung der Schulpartnerschaft an. Kurt Nekula präzisierte, das Grundprinzip der Integration müsse auf alle Fälle bis zur 9. Schulstufe gelten, danach sei die Arbeitswelt gefordert. Als eine zentrale Forderung nannten die InitiatorInnen die Verbesserung der Ausbildung sowie eine verpflichtende Weiterbildung der LehrerInnen. So sollte ein Tag pro Semester der schulterinternen LehrerInnenfortbildung gewidmet werden. Einen wesentlichen Punkt der Initiative stellt auch die bedarfsgerechte Finanzierung der Pflichtschulen dar, wobei die letzte Novelle des Finanzausgleichs laut Kurt Nekula einen Schritt in die richtige Richtung gebracht habe.

Bundesministerin Gehrer erinnerte in einer Reaktion darauf an zahlreiche Weiterentwicklungen im Schulbereich während der letzten Jahre, wie die Schulautonomie und die neuen Lehrpläne mit Kern- und Erweiterungsbereich. Die Forderungen der Bürgerinitiative deckten sich in weiten Bereichen mit dem Ergebnis der Zukunftskommission, sagte Gehrer. All dies werde nun ernsthaft geprüft und bedürfe einer politischen Bewertung. Das nun vorliegende Schulpaket sei aus dem Reformdialog Bildung entstanden und stelle nur einen ersten Schritt dar. Es würden weitere Schulpakete folgen, versprach die Ministerin, und in einem der nächsten werde auch die Lehreraus- und Weiterbildung einen Schwerpunkt bilden. Die Eltern würden auch in Zukunft in die Beratungen eingebunden werden, sagte die Ministerin zu.

In der anschließenden Diskussion betonte Abgeordneter Dieter Brosz (G), dass sich die Grünen den Forderungen der Bürgerinitiative voll inhaltlich anschließen. Aus seiner Sicht werde die Ministerin ihre Versprechungen zur Qualitätsverbesserung nicht realisieren können, da die notwendigen Mittel nicht vorhanden seien. Seine Klubkollegin Sabine Mandak strich insbesondere die Forderung nach Evaluierung und den Umgang mit dem Feedback als besonders wichtig hervor.

Abgeordneter Erwin Niederwieser (S) verlieh ebenfalls seiner Anerkennung für die Initiative Ausdruck und maß den Forderungen nach einer bedarfsgerechten Integration auch nach der achten Schulstufe, dem Ausbau der Nachmittagsbetreuung sowie der Notwendigkeit einer neuen Grundhaltung zu Evaluierungen im Schulbereich besondere Bedeutung bei.

Nach Auffassung des Abgeordneten Fritz Neugebauer (V) dürfe im Zusammenhang mit dem schulischen Lernerfolg die Verantwortung der Erziehungsberechtigten nicht außer Acht gelassen werden. Er gab Abgeordnetem Dieter Brosz recht, der gemeint hatte, zur Individualisierung müsse die Klassenschülerhöchstzahl gesenkt werden.

Am Ende der Sitzung nahm der Ausschuss den Antrag des G-Abgeordneten Dieter Brosz betreffend "Kassasturz" im Schulbereich in Verhandlung. Die Grünen wollen wissen, wie viel Geld wirklich für das Bildungssystem ausgegeben wird. Ein detaillierter Vergleich der Bildungsausgaben von Österreich mit dem PISA-Siegerland Finnland soll aufzeigen, wo es Probleme der Vergleichbarkeit gibt und welche Ausgaben die Qualität des Bildungssystems erhöhen können. (589/A[E]) Dagegen sah Abgeordneter Werner Amon (V) keine Notwendigkeit für einen Kassasturz und er hielt auch das Misstrauen für unangebracht, da die Vergleichbarkeit der Daten gegeben sei. Der Antrag wurde auch mehrheitlich von ÖVP und F abgelehnt. (Schluss)

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