Zwazl fordert verpflichtende Berufsberatung für junge Menschen

Frau in der Wirtschaft will der Geschlechtersegregation aktiv begegnen -Betreuungsprämie soll Frauen bei Kinderbetreuung finanziell helfen

Wien (PWK510) - Mit der Forderung nach einer verpflichtenden Berufsberatung meldete sich heute, Mittwoch, die Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich und Bundesvorsitzende der Frau in der Wirtschaft, Sonja Zwazl, im Rahmen des Runden Tischs zu Frauenbeschäftigung und Gleichstellung zu Wort. "Wir müssen den jungen Menschen und insbesondere den Mädchen ihre Zukunftschancen aufzeigen. Denn nur wer sich bewusst aufgrund seines Könnens und seiner Fähigkeiten für einen Beruf entscheidet, wird darin auch erfolgreich sein", so Zwazl. Hintergrund des Vorstoßes der WK-Präsidentin ist die Tatsache, dass drei Viertel der Mädchen sich in den 5 klassischen Lehren wieder findet: "Wir wissen überdies, dass 65 Prozent der arbeitlosen Frauen aus lediglich 4 Berufsgruppen kommen: den Büroberufen, Fremdenverkehr, Handel und Reinigung."

Deshalb gelte es, bereits zu Beginn der Berufslaufbahn die eigenen Möglichkeiten auszuloten. Durchführen sollen diese Tests die Berufsinformationszentren, die bereits jetzt einen entsprechenden freiwilligen Test anbieten. Nach den Vorstellungen von Zwazl soll gemeinsam mit einem Elternteil auch das Ergebnis dieses Tests besprochen werden, um gemeinsam die beruflichen Chancen auszuloten und sich dann für einen (Lehr-)Beruf zu entscheiden. Diese Tests könnten aber auch Wiedereinsteigerinnen am Arbeitsmarkt eine gute Hilfe sein, weil sie aufzeigen, welche Zusatzqualifikationen hierfür nötig sind.

Gleichzeitig appellierte die niederösterreichische Kammerpräsidentin, den Lehrberuf nicht als eine Einbahnstraße wahrzunehmen: "Einen Lehrberuf zu ergreifen, das kann nicht jeder. Und mit einer Berufsreifeprüfung stehen dem Lehrling schließlich alle Möglichkeiten offen."

Grundsätzlich gelte es, den Stellenwert von Frauen in Berufsleben zu heben. In den unterschiedlichsten Befragungen und Untersuchungen zeige sich immer wieder, dass Frauen für Führungspositionen prädestiniert sind weil sie über hohe soziale Kompetenz verfügen.

In Hinblick auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprach sich Zwazl u.a. für flexiblere Öffnungszeiten bei Kindergärten aus. Priorität habe eine Betreuungsprämie in Höhe von 10 Prozent der steuerlichen Aufwendungen für Betreuungs,- und Haushaltshilfen. Diese Prämie soll bis maximal 783 Euro pro Jahr auf dem Abgabenkonto gutgeschrieben werden. "Damit wird es Frauen ermöglicht, ihre Arbeitskraft auf ihre selbständige bzw. nichtselbständige Tätigkeit zu konzentrieren. Betreuungs,- und Haushaltsdienstleistungen müssen nicht mehr in ausschließlicher Eigenregie erbracht werden", unterstreicht die WK-Präsidentin.

Zusätzlich zu den Ausführungen der niederösterreichischen Kammerchefin präsentierte die Bundesgeschäftsführerin von Frau in der Wirtschaft, Elisabeth Zehetner, eine Studie über geschlechtsspezifische Stereotypen in der Arbeitswelt. Der Sukkus: 39 Prozent der Befragten gaben an, dass häufig angenommen werde, Frauen könnten nur in bestimmten Tätigkeiten erfolgreich sein. 21 Prozent sprachen davon, dass sie oft mit der Aussage konfrontiert werden, Männer sollten keine Chefinnen haben. Fast 55 Prozent der Frauen erleben in ihrem Umfeld, dass sie weniger ernst genommen werden als Männer. Blickt man allein auf den Bereich der weiblichen Selbständigen, gaben 2/3 an, dass sie einen Mangel an Kompetenz durch männliche Kollegen oder Geschäftspartner erleben. Ebenfalls 2/3 stimmen zu, dass Mutterschaft ein Hindernis für Karriere und finanziellen Aufstieg ist.

Um die Situation der Frauen in den von Männern dominierten Berufen und Tätigkeiten zu verbessern, wünscht sich die Mehrheit eine entsprechende Bewusstseinsbildung bereits an der Pflichtschule sowie eine bessere Karriereberatung und Berufsinfo. Aus den Befragungsergebnissen zeigt sich weiters, dass zu einer überwiegenden Mehrheit Frauen selbst auf ihre Berufsentscheidung Einfluss genommen haben. "Vor diesen Ergebnissen ist unsere Forderung nach verpflichtenden Berufstests mehr als verständlich. Nur so kann es möglich sein, Frauen das volle Spektrum an beruflichen Chancen zu verdeutlichen und damit weg von den typischen Frauenjobs hin zu Frauen-Zukunftsjobs zu kommen", schloss Zwazl. (US)

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