AUVA warnt: Schnittstellen sind Gefahrenstellen - ab Juli 2005 gelten die Neuerungen für den Gefahrguttransport

AUVA-DVD "Chemie an Bord" und Merkblätter bieten aktuellen Überblick über die neuen ADR-Bestimmungen

Wien (OTS) - Der 1. Juli 2005 ist ein wichtiger Stichtag für Gefahrguttransporte: In Österreich tritt das ADR 2005 in Kraft. Für Handwerker, Gewerbetreibende und alle, die nur kleine Mengen gefährlicher Stoffe transportieren, gibt es eine wesentliche Erleichterung: auch der Rücktransport von Leergebinden nach "Handwerkerbefreiung" ist nun gestattet.

Erstmals wurden Vorkehrungen gegen terroristische Akte in die Bestimmungen integriert: ein Sicherungsplan und technische Maßnahmen sollen vor Missbrauch und Diebstahl schützen; Kleinmengentransporte sind ausgenommen. Weitere Änderungen betreffen unter anderem die Behandlung und den Transport ansteckungsgefährliche Stoffe (Spezialklasse 6.2), oder die Unterscheidung nach den Aggregatszuständen fest und flüssig bei bestimmten Gefahrgütern. Dipl.-Ing. Dr. Josef Drobits, Gefahrgutexperte der AUVA-Landesstelle Wien, rät, den Umgang mit gefährlichen Gütern vom Erstkontakt bis zur Entsorgung als eine Einheit zu sehen. Wichtig ist auf die Schnittstellen auf dem Weg zum Kunden zu achten, zum Beispiel beim Be- und Entladen. Die neue AUVA-DVD "Chemie an Bord" führt leicht verständlich an Hand von praktischen Beispielen durch die wichtigsten Neuerungen, Vorkenntnisse sich nicht erforderlich.

Seit Jahren zeigt die Analyse der Gefahrgutunfälle ein Bild:
Im Straßenverkehr ist bei rund der Hälfte der Unfälle das Verhalten des Lenkers unfallauslösend, bei rund vierzig Prozent erfolgte die Gefahrgut- oder Ladegutverpackung beziehungsweise die Sicherung mangelhaft. Arbeitsunfälle passieren am häufigsten mit heißen Flüssigkeiten oder glühenden Stoffen, Dämpfen, mit verätzenden Säuren und Laugen. Betroffen sind in erster Linie die Hände, aber auch Füße und Augen.

Ein wichtiger Ansatzpunkt für Dipl.-Ing. Dr. Josef Drobits, den Gefahrgutexperten der AUVA-Landesstelle Wien: "Beim Transport gefährlicher Güter ist jedes Glied in der Kette gleich wichtig. Darauf legen wir bei unseren Beratungen großen Wert. Wie Dolmetscher übersetzen wir die komplizierten Bestimmungen in die tägliche Praxis der besuchten Betriebe. Bei jedem Transportvorgang kommen bis zu zehn - mitunter sogar deutlich mehr - Verordnungen aus diversen Gesetzeswerken zum Tragen. Tägliche Praxis kann zu einem rechtlichen Problem werden. Ein Beispiel: entlädt ein Chauffeur bei einer Fremdfirma den Lkw mit einem dort vorhandenen Stapler, müsste er neben einem Staplerschein auch eine Fahrerlaubnis für das fremde Betriebsgelände haben. Wer haftet nun im Fall eines Unfalls? Derjenige, der dem Lkw-Fahrer den Staplerschlüssel überlassen hat, ohne die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften zu kontrollieren, oder sein Chef, oder der Spediteur? Es ist bei gefährlichen Gütern daher sehr wichtig, die ganze Transportkette im Auge zu behalten und als Prozess zu steuern."

Drobits weist auf eine wenig beachtete Tatsache für ausgebildete Gefahrgutbeauftragte hin: Bereits seit 2004 ist für die Auffrischung ein zwei Tage dauernder Kurs mit Prüfung alle fünf Jahre von Beginn der Ausbildung an gesetzlich vorgeschrieben. Drobits schätzt, dass es in Österreich rund 3.500 Gefahrgutbeauftragte gibt. Rund 14 Prozent absolvierten ihre Schulung am WIFI NÖ, an dem auch Drobits Gefahrgut-Kurse hält. Berufskraftfahrern bietet die AUVA gemeinsam mit Partnern Unterstützung und Fahrsicherheitsschulungen im Rahmen der Aktion "Arbeitsplatz Straße" und dem zweitägigen Intensivkurs "Safety Driver" bereits seit 1987 an. Die AUVA Landesstelle Wien behandelt rund 100 Gefahrgutanfragen pro Jahr. Die häufigsten Themen sind Kennzeichnung, Verpackung, Beteiligte und deren Verantwortung in der Transportkette, sowie Schnittstelle Lagerung.

Ob ein Produkt als Gefahrgut anzusehen ist, erkennt man im Sicherheitsdatenblatt (Punkt 14) des Herstellers. Der Gefahrguttransport auf der Straße wird durch internationale Transportvorschriften (ADR), das Gefahrgutbeförderungsgesetz (GGBG) und das Kraftfahrgesetz (KFG) geregelt. Die Umsetzung der umfangreichen Vorschriften erfordert die Unterstützung durch Experten (Gefahrgutbeauftragte). Wer nur Kleinmengen transportiert, braucht keinen Gefahrgutbeauftragten. Wie groß Kleinmengen sein dürfen, hängt von der Gefährlichkeit des Stoffes ab. Bei Beförderung unter erleichterten Bedingungen gelten Mindestvorschriften.

Mehr Infos darüber bieten die aktualisierten Merkblätter der AUVA, die kostenlos im Internet oder per Fax unter (01) 33133-600 zu bestellen sind:

Gefahrguttransport auf der Straße M 830 (www.auva.at/mediaDB/48685.PDF), und Ladegutsicherung M 846 (www.auva.at/mediaDB/84231.PDF).

Die AUVA-DVD "Chemie an Bord" ist über das österreichische Filmservice (www.filmservice.at) gegen einen Unkostbeitrag zu beziehen. Dipl.-Ing. Dr. Josef Drobits ist in der AUVA-Landesstelle Wien unter der Telefonnummer (01) 33133 602 zu erreichen. Für Betriebe bis 50 Mitarbeiter stehen die Berater der Präventionszentren AUVAsicher unter der Telefonnummer 0 810/ 20 00 20-1000 (Fax 0 810/ 20 00 20-1100, im Internet: www.auva.at/auvasicher) zur Verfügung.

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