Prammer: Die Menschen nicht über ihr Familienbild bevormunden

Stadlbauer - "Hochzeitsbuch" reine Geldverschwendung

Wien (SK) "Uns - mir, den SPÖ-Frauen und der SPÖ als Ganzes -ist die Familie sehr wichtig", stellte Barbara Prammer, SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende und Zweite Präsidentin des Nationalrats, in ihrer heutigen Pressekonferenz mit SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer außer Zweifel. Die SPÖ gebe allerdings "den Menschen nicht vor, wen sie für sich, ganz individuell, als Familie sehen". Als wesentliche Voraussetzung für eine gut funktionierende Familie sieht Prammer die ökonomische Unabhängigkeit: "Ich bin der festen Überzeugung, dass Familien dann gut miteinander leben, wenn jedes einzelne Familienmitglied völlig ökonomisch unabhängig leben kann". Die präsentierte Frauenstudie 2005 stellt der Regierung allerdings kein gutes Zeugnis aus. ****

Prammer geht davon aus, dass "wenn wir die Menschen in Österreich fragen, wer für sie Familie ist, ein breites Bild von unterschiedlichsten Zusammensetzungen bekommen würden". Genau dies gehöre unterstützt und "eben keine Bevormundung, sondern die freie Wahl der Familienform". Die SPÖ-Frauen kritisierten massiv die im Parlament stattgefundene Veranstaltung zum fünfzigjährigen Bestehen des FLAF. Mit der sogenannten "Familienallianz" würden Kompetenzen, die eindeutig ins Ministerium gehören, privatisiert. "So kann Familienpolitik nicht gemacht werden", so Prammer.

Frauenstudie 2005 zeigt die Gründe für Nicht-Berufstätigkeit auf

"Die Vereinbarkeit von Kind und Beruf wird von der überwiegenden Mehrheit der österreichischen Frauen gewollt, das ist schon längst kein Diskussionsthema mehr", betonte Ruth Picker vom Institute for Social Research and Analysis. Dies ergab sich durch eine Befragung von Frauen im Alter von 40-60 Jahren nach ihrer Zustimmung oder Ablehnung von Aussagen nach Werten, Inhalten, Ideologien. Als Hauptgrund für die Nicht-Berufstätigkeit von Frauen wird in beiden Altersgruppen (Teil eins 18- bis 39-Jährige, Teil zwei 40- bis 60-Jährige) wird Kinder bzw. Familie genannt. Ein Großteil der nicht-berufstätigen Frauen unter 40 ist im Moment in Karenz oder bleibt auch danach wegen der Familie zu Hause. Bei Frauen zwischen 40 und 60 ist die Familie sogar für 71 Prozent die Ursache für die Nicht-Berufstätigkeit. Aber nicht jede Nicht-Berufstätigkeit ist freiwillig: Nur 12 Prozent der Frauen unter 40 (und 33 Prozent der Frauen zwischen 40 und 60) geben an, nicht berufstätig zu sein, weil sie "es sich leisten können". Und ein Fünftel der Nicht-Berufstätigen 18- bis 39-Jährigen findet keine Arbeit, die mit der Kinderbetreuung vereinbar ist.

Kritik an Regierungsmaßnahmen ist groß

Abgefragt wurden auch die Reformen der Regierung. Hier zeigt sich, dass 62 Prozent der Frauen zwischen 40 und 60 denken, dass die Pensionsreform die Lage der Frauen eher verschlechtert hat (und 71 Prozent der 18- bis 39-Jährigen). 55 Prozent dieser Altersgruppe sagt das über die Einführung der Studiengebühren (und 62 Prozent der 18-bis 39-Jährigen). 45 Prozent der Frauen zwischen 40 und 60 beurteilen die Steuerreform als Verschlechterung für die Frauen (53 Prozent der 18- bis 39-Jährigen). Zwei Drittel (66 Prozent) der 40- bis 60-Jährigen sind der Meinung, dass Gleichberechtigung in Österreich nicht verwirklicht ist, bei den 18- bis 39-Jährigen sind es 70 Prozent.

Unglaubliche Aussagen Schüssels bei Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des FLAF

Stadlbauer kritisierte die "unglaublichen Aussagen" des Kanzlers bei der Festveranstaltung zum FLAF im Parlament. Schüssel habe gesagt, er bekenne sich zu Ehe und Familie; aber es gebe auch anderen Formen des Zusammenlebens, wie zum Beispiel die "unvollkommenen Alleinerziehenden". "Ein konservatives traditionelles Bild, wie Menschen leben müssen, wurde damit transportiert", so Stadlbauer. Die SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin hat dazu eine parlamentarische Anfrage eingebracht, die darüber aufklären soll, wie die Aussage Schüssels zu verstehen sei.

"Hochzeitsbuch" mit Stilblüten und inhaltlicher Fragewürdigkeit auf Kosten der Steuerzahler

Heftig kritisierten die SPÖ-Frauen Werbekampagnen und Broschüren zum Thema Familie. Sie nannten hier die Männer-Studie und die Veranstaltung zur Väterkonferenz - "Ich würde ja nichts sagen, wenn hier substanzielle Inhalte präsentiert würden. Aber da wird ja nur für Schönrederei Geld ausgegeben", so Prammer. Dieses Geld wäre für sachbezogene Information und den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen besser zu verwenden.

Das neueste Druckwerk zum Thema Familie ist das sogenannte "Hochzeitsbuch" (herausgegeben vom BMSG), das auf vierfärbigem teueren Hochglanz mit Stilblüten und Inhaltsleere für junge Paare aufwartet. So werde erläutert, dass man "mit weitgeöffneten Augen" auf den Partner zugehen solle. Nach der Ehe könne man die Augen aber getrost wieder "halb schließen". Des weiteren gibt es Tipps für die Hochzeit, wie im Kapitel "Schönheit der Braut" zu lesen, oder Haushalts- und Einkaufstipps (immer auf Vorrat einkaufen, wann benütze ich Tiefkühlkost, etc.). "Ich glaube nicht, das die ÖsterreicherInnen wollen, dass ihr Steuergeld so ausgegeben wird", ist Stadlbauer überzeugt. Auch dazu gibt es eine parlamentarische Anfrage. Die SPÖ will wissen, was das Druckwerk gekostet hat, wie hoch die Auflage ist und ob eine Ausschreibung vor der Auftragsvergabe erfolgt ist. (Schluss) up

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