Städtebund: "Nachmittagsbetreuung bleibt reine Fiktion"

Schulreform droht an Finanzierung zu scheitern - Städtebund fordert mindestens 10 Lehrerstunden vom Bund

Wien (OTS) - "So wie das jetzt läuft, bleibt die flächendeckende Nachmittagsbetreuung reine Fiktion. Ohne die notwendige Mitteldotierung werden Städte und Gemeinden das nicht schaffen. Aber das Ministerium ist bislang völlig unbeweglich," meinte heute Städtebund-Generalsekretär Erich Pramböck nach einer Aussprache zur Schulreform 2005 im Parlament. Städte und Gemeinden sind im Bereich Pflichtschulen Schulerhalter.

Nachfragelawine bei Nachmittagsbetreuung

"Die verpflichtende Nachmittagsbetreuung an Pflichtschulen ab 2006/07 wird in den Folgejahren geradezu eine Nachfragelawine an Betreuungsplätzen in den Städten nach sich ziehen. Eine gute Kinderbetreuung ist für die Städte essentiell, aber wir brauchen faire Regelungen bei der Abgeltung der Betreuung. Mit 5 vom Bund finanzierten Lehrerstunden fangen wir in der Praxis wenig an. An einer Volksschule mit Schulende um 12 Uhr heißt das, dass die Kommunen bei einer Bundes-Lehrerstunde täglich mindestens 3 Stunden Betreuung am Nachmittag vollkommen alleine tragen müssen," erklärte Pramböck.

Der Bund rechnet im Jahr 2006/07 mit einem zusätzlichen Angebot von 10.000 Betreuungsplätzen in den Pflichtschulen. Die Nachmittagsbetreuung der Schüler in Pflichtschulen soll mit der Schulreform 2005 vom Unterrichtsende bis 16.00 verpflichtend werden.

Forderung nach mindestens 10 Lehrerstunden

"Wir fordern mindestens den Gegenwert von 10 vom Bund finanzierten Lehrerstunden. 10 Stunden sichern nach Expertenmeinung eine echte Reform in der Praxis. Sie brächten zudem positive Auswirkungen auf die Lehrerbeschäftigung und würden für die Kinder und Eltern eine massive Verbesserung bedeuten", meinte Pramböck. Wenn das Bildungsministerium die Gemeinden zur Nachmittagsbetreuung verpflichte, müsse er fairerweise dafür auch das Geld in die Hand nehmen. "Reformen erfinden und andere dafür zahlen lassen ist einfach inakzeptabel, um das einmal klipp und klar festzuhalten", so der Städtebund-Generalsekretär.

Auch Sozialstaffelfinanzierung bleibt an Städten hängen

Dass auch die Finanzierung der Sozialstaffelung einzig und allein den Gemeinden aufgebürdet werde, während Bund und Länder nicht einen Cent dafür in die Hand nehmen, bleibt für den Städtebund unverständlich. "Lediglich beim Einsatz von Lehrern und Erziehern im Rahmen von Vereinen hat der Bund bis jetzt Bewegung gezeigt. Auch eine Abwicklung der Nachmittagsbetreuung außerhalb der Schulräumlichkeiten geht nun in Ordnung", betonte Pramböck.

Über die Finanzierung notwendiger baulicher Maßnahmen seitens der Schulerhalter sei bislang überhaupt noch gar nicht diskutiert worden. "Aber ohne zusätzliche Mittel wird das unerhört ernste Thema Nachmittagsbetreuung zu einem reinen Sandkastenspiel degradiert", schloss Pramböck. (Schluss) wh

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