Österreichs Energieszene weiter unter Strom

Steigender Strombedarf Herausforderung der nächsten Jahre - Mehrbedarf wird nicht alleine durch Ökostrom zu decken sein - E-Wirtschaft investiert wieder in Versorgungssicherheit

Wien (OTS) - Elektrische Energie ist weiterhin ein begehrtes Produkt. Darin waren sich Dienstag abends die Teilnehmer der Podiumsdiskussion bei der 2. Veranstaltung des BranchenTreffs der APA - Austria Presse Agentur einig. Das zeige auch der ständig steigende Mehrverbrauch der vergangenen Jahre, meinte etwa Christian Schönbauer von der österreichischen Regulierungsbehörde E-Control. Gleichzeitig sei das auch die Herausforderung der nächsten Jahre.

Der Stromverbrauchszuwachs der vergangenen Jahre, der immer über den Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute gelegen sei, könne jedoch trotz allem Bekenntnis zu erneuerbaren Energieträgern nicht nur durch einen weiteren Ausbau der von Ökostromanlagen gemeistert werden, unterstützten Leo Windtner, Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich und Präsident des Verbandes der Elektrizitätswerke Österreichs (VEÖ), und Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Generalsekretärin des VEÖ, die Ausführungen Schönbauers. Schönbauer erwartet, dass erst die übernächste Kraftwerksgeneration von Erneuerbaren einen maßgeblichen Beitrag zur Stromversorgung leisten werde. Bis dahin gelte es, weiter konventionelle Energieformen zu nutzen und auszubauen.

Dazu bedürfe es auch des Baus weiterer Kraftwerke auf fossiler Basis, wie diverse aktuelle Projekte österreichischer Energieversorger zeigen würden. Dies gewährleiste einerseits die Versorgungssicherheit und beweise, dass die Stromunternehmen die Aufgaben der Liberalisierung angenommen und gemeistert hätten. So seien jede Menge an Überkapazitäten abgebaut worden, was schließlich auch den Kunden zu gute gekommen sei.

Horst Steinmüller, Wissenschafter am Energieinstitut der Johannes Kepler Universität Linz, konstatierte Versagen der Politik in der Vergangenheit, das sich aus dem Spagat zwischen Liberalisierung und Erfüllung der Klimaziele laut Kyoto ergeben. Er meinte, Österreichs Chance liege in der Forcierung von nachhaltigen Energiesystemen und das "bedeutet nicht nur das Feld der Erneuerbaren". Für ihn sind Energiedienstleistungen und -effizienz ein Thema, dem es gelte mehr Beachtung zu schenken.

Dass die Lösung zukünftiger Stromprobleme nicht ausschließlich durch den Ausbau von Ökostrom möglich sei, meinte auch Schönbauer, der auch seine Zweifel an dem raschen Ausbau von Grünstrom deponierte. Die Fördersummen würden explodieren, was unmittelbar auf den Preis durchschlage. Zudem würden etwa 29 Prozent des in Österreich produzierten Stroms durch die Förderungen aus dem Wettbewerb genommen, wenn alle beantragten Anlagen in Betrieb gehen würden. Das ließ Ulfert Höhne, Vorstandsvorsitzender des Grünstromerzeugers und -verkäufers oekostrom ag so nicht gelten. Das sei nicht nachzuvollziehen, denn viele Anlagen würden aus ökonomischen und ökologischen Gründen nicht in Betrieb gehen.

Kritisch angemerkt wurde, dass im Ökostromgesetz keine Effizienzkriterien für Neuanlagen festgelegt worden seien. Auch Höhne sieht das ähnlich und unterstützte Steinmüller, dem auch der Fokus auf zukunftsträchtige Technologien fehlt. "Das Ziel ist richtig, der Weg falsch. Durch das derzeitige Regime wird der Idee Schaden zugefügt", merkte Ferdinand Fuhrmann, Generaldirektor der Nettingsdorfer Papierfabrik, an, der sich aber - wie auch alle anderen - zur Notwendigkeit von Grünstrom bekannte.

"Es gibt noch zu wenig Wettbewerb in Österreich", so Fuhrmann weiter. Es gebe kaum alternative Anbieter, ausländische Unternehmen würden in Österreich nicht tätig sein und Abgaben und Netztarife seien zu hoch, den Preis müsse die Industrie zahlen. Höhne ortete für sein Unternehmen Behinderungen durch die Energieversorger im Netzbereich und plädierte für eine unabhängige Netzgesellschaft. "Es gibt genug Wettbewerb in Österreich", konterte Windtner postwendend. In manchen Bundesländern gebe es an die zehn verschiedene Anbieter. Strom sei in Österreich immer noch billiger als im benachbarten Deutschland, auch wenn man die Netztarife mit einberechne. Das heutige Niveau liege noch immer rund ein Drittel bis ein Viertel unter dem Niveau von 1999, assistierte Baumgartner-Gabitzer, um gleichzeitig auf die Situation der Versorger hinzuweisen, die in den vergangenen Jahren drei verordnete Netztarifsenkungen seitens der E-Control von insgesamt 30 Prozent hinnehmen mussten. Windtner dazu:
"Da geht es auch um die Versorgungssicherheit. Wir müssen kalkulieren können und unsere Investition in die Infrastruktur irgendwo unterbringen."

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