FriseurInnen-Kollektivvertrag: Schönheit muss leiden

1.000 Euro Mindestlohn aber Probleme mit Arbeitszeitregelungen

Wien (HGPD/ÖGB) - "18 Monate lang haben die HGPD-FriseurInnen den aktuellen Kollektivvertrag mit den ArbeitgeberInnen verhandelt. Mit dem Ergebnis sind wir nur teilweise zufrieden", erklärte Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD) in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der zuständigen HGPD-Sektionssekretärin, Ulrike Legner. In Österreich gibt es in rund 4.300 Friseurbetrieben 19.000 Beschäftigte, 5.500 davon sind Lehrlinge. Ab 1. Juli 2005 gilt für sie alle der neue Kollektivvertrag, der einer von 1.308 derzeit gültigen KVs ist. Kaske: "Wir können mit Recht stolz sein, dass jährlich 100 Mrd. Euro von Gewerkschaften in Form von Lohnerhöhungen bewegt werden. Da kann ich nur sagen: Geht's den ArbeitnehmerInnen gut, geht's der Wirtschaft gut.++++

Ulrike Legner freut sich, dass das lang gesetzte Ziel 1.000 Euro Mindestlohn für FriseurInnen im 1. Berufsjahr umgesetzt werden konnte: "Wer allerdings im Zeitraum der Behaltepflicht - also direkt nach der Lehre - im Salon bleibt, bekommt nur 600 Euro, 28 Euro mehr als zu Lehrzeiten." Legner in der HGPD für FriseurInnen, KosmetikerInnen, FußpflegerInnen zuständig, ergänzte: "Es ist zwar schön, Menschen zu verschönern, aber Schönheit muss auch leiden. Wer sich im Friseurgewerbe nicht selbständig machen möchte, muss damit rechnen nicht viel mehr als maximal 1.290 Euro brutto - 7,46 Euro Stundenlohn - zu verdienen." Und Vorsitzender Rudolf Kaske dazu: "Wir wünschen uns, dass einer der beliebtesten Lehrberufe - der Friseurberuf - auch eine Zukunft hat. Bislang scheint es so, als würden ältere ArbeitnehmerInnen den Beruf aufgeben oder sich selbständig machen."

Die Gewerkschafterin: "In manchen Geschäften wird dazu auch noch erwartet, dass sich die KollegInnen für das Geld das Werkzeug selbst kaufen, Fortbildungskurse selbst bezahlen und sich dafür auch noch Urlaub nehmen." Legner ist enttäuscht von der Arbeitgeberseite: "Seit Jahren begegnen wir unseren KV-Verhandlungspartnern von der Arbeitgeberseite auch bei Terminen auf europäischer Ebene. Vor fünf Jahren haben wir gemeinsam einen europaweiten Verhaltenskodex für das Friseurgewerbe verhandelt und abgeschlossen. Heute scheint dieser Kodex für Bundesinnungsmeister Horst Hofmann nicht mehr zu existieren."

Trotz alledem wollen die GewerkschafterInnen nicht nachgeben und sich weiter für ihre Forderungen einsetzen. So fordern sie unter anderem die Fünf-Tage-Woche, eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung und einen "Überstundenzuschlag" auch bei Mehrarbeit. Die längst beschlossene Werkzeugpauschale soll endlich bezahlt werden oder Kamm und Schere müssen zur Verfügung gestellt werden. Weil Fortbildung im Friseurgewerbe essentiell ist, verlangt die HGPD auch die Sicherung der Bildungsfreistellung für angeordnete Seminare. "In den beiden letzten Fällen, hat uns die Bundesinnung erklärt, dass eine entsprechende Informationskampagne statt finden soll - ob's was nützt?", fragte sich Ulrike Legner.

Abschließend wies HGPD-Vorsitzender Rudolf Kaske noch auf eine Initiative der Sektion hin: "In einer Maßnahme nach den Jugendausbildungssicherungsgesetz (JASG) hat die HGPD-Sektion Friseure, Kosmetiker, Fußpfleger seit November 2002 insgesamt 102 Jugendlichen, die keine Lehrstelle gefunden haben, Starthilfe beim Erreichen des Traumberufs FriseurIn/PerückenmacherIn sowie KosmetikerIn/FußpflegerIn gegeben. Über 70 Prozent der jungen Menschen, die ihre Lehre in den Wiener Fachstudios der HGPD begonnen haben, konnten an eine reguläre Lehrstelle vermittelt werden. Wir sind stolz auf sie."(kk)

ÖGB, 29. Juni
2005
Nr. 417

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