Tumpel: Frauen haben schlechte Karten am Arbeitsmarkt

Beschäftigungswachstum fast zu 100 Prozent Teilzeit - keine Gleichstellung am Arbeitsmarkt

Wien (OTS) - "Frauen haben schlechte Karten am Arbeitsmarkt, immer mehr suchen Arbeit, der Beschäftigungszuwachs der letzten vier Jahre war fast zu 100 Prozent nur im Teilzeitbereich. Das sind Arbeitsplätze, die kaum existenzsichernd und prekär sind. Von einer Gleichstellung und Verbesserung der wirtschaftlichen Situation von Frauen kann daher nicht die Rede sein", beschreibt AK Präsident Herbert Tumpel die Situation von Frauen am Arbeitsmarkt. Tumpel fordert, dass die Chancengleichheit von Frauen am Arbeitsmarkt aktiv angegangen wird: Schaffung existenzsichernder Arbeit (etwa in der Kinderbetreuung, im Gesundheits- und Pflegebereich), Beschäftigungsprojekte für ältere Arbeit Suchende, bessere Berufsinformation, Verbreiterung des Berufswahlspektrums und Laufbahnplanung, Verbesserungen beim Kinderbetreuungsgeld, Förderung der beruflichen Weiterbildung und verbesserte Möglichkeiten zur Neuorientierung in der Karenz.

Die Frauenbeschäftigung wächst zwar kontinuierlich, allerdings handelt es sich zumeist um prekäre, nicht existenzsichernde Jobs. Laut Statistik Austria gab es von 2000 bis 2004 einen Zuwachs von mehr als 95.000 Frauenarbeitsplätzen, allerdings waren von diesen zusätzlichen Arbeitsplätzen lediglich 5.000 Vollzeitjobs. Von den 90.000 Teilzeitjobs sind die meisten im gering qualifizierten und damit wenig existenzsichernden Bereich angesiedelt. Jede dritte teilzeitbeschäftigte Frau arbeitet als Hilfsarbeiterin oder verrichtet einfache Tätigkeiten. Nur drei Prozent sind in leitender Funktion tätig. (Zum Vergleich: In Vollzeit arbeitet nur jede fünfte Frau als Hilfsarbeiterin und sechs Prozent arbeiten in Führungstätigkeiten.) Angesichts dieser Entwicklungen am Arbeitsmarkt bleiben die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männer (40 Prozent) weiterhin unverändert.

Steigende Zahl von Arbeit Suchenden
Im Vergleich von 2000 auf 2004 sind um fast 17.000 mehr Frauen ohne Arbeit, inkl. Schulungsteilnehmerinnen sogar fast 23.000. Zwar wollen immer mehr Frauen erwerbstätig sein, aber für viele ist dieser Wunsch nicht realisierbar. Die angespannte Arbeitsmarktsituation trifft alle Zielgruppen, jene, die am Arbeitsmarkt noch nicht integriert waren, genauso, wie jene, die ihre Berufstätigkeit unterbrochen haben oder aufgrund des Alters benachteiligt werden. Hauptbetroffene sind Mädchen und junge Frauen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt und ältere Frauen, bei denen die Pensionsreformen der letzten Jahren zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt hat. Seit 2000 ist die Arbeitslosigkeit bei den 55-59-jährigen Frauen (inkl. Schulungsteilnehmerinnen) von knapp 4.000 auf über 7.000 im Jahr 2004 - dh. um 80 Prozent - gestiegen.

Auch Wiedereinsteigerinnen erleben zunehmend Schwierigkeiten bei der Berufsrückkehr. Die Anreize zu langen Berufsunterbrechungen durch das Kinderbetreuungsgeld haben zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. Eine Studie des WIFO im Auftrag der AK ergab, dass die längere Bezugsdauer von Kinderbetreuungsgeld dazu geführt hat, dass 33 Monate nach der Geburt der Anteil von Frauen in unselbständiger Beschäftigung um sieben Prozent zurückgegangen ist, während der Anteil der Arbeit Suchenden um fast 40 Prozent gestiegen ist.

Die AK fordert, dass die Chancengleichheit von Frauen am Arbeitsmarkt aktiv angegangen wird:
+ Schaffung existenzsichernder Jobs: vor allem Investitionen in die Kinderbetreuung und im Gesundheits- und Pflegebereich erleichtern die Frauenerwerbstätigkeit und können neue Arbeitsplätze für Frauen schaffen
+ Beschäftigungsprojekte für ältere arbeitslose Frauen
+ Viele wählen den falschen Beruf - daher: Unterstützung bei der Verbreiterung des Berufswahlspektrum von Mädchen und jungen Frauen + Laufbahnplanung und Qualifizierungsoffensive für Frauen, um ihre Arbeitsmarktposition zu verbessern
+ Möglichkeit, das Kinderbetreuungsgeld zusammenzuschieben und damit die partnerschaftliche Teilung und einen raschen Wiedereinstieg zu erleichtern
+ Förderung der beruflichen Weiterbildung und Neuorientierung in der Karenzzeit

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