TierversuchsgegnerInnen fordern legistische Konsequenzen

Umstrittene Tierversuche in Österreich wieder gestiegen

Wien (OTS) - Wie der amtlichen Tierversuchsstatistik, die gestern Dienstag vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung publiziert wurde, zu entnehmen ist, wurden im Jahr 2004 in Österreich 186.926 lebende Wirbeltiere für belastende, schmerzhafte Experimente eingesetzt. Dies stellt gegenüber dem Vorjahr eine massive Steigerung von rund 9 % dar.

Gerda Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT), bedauert dies umso mehr, als - nach Jahren stetiger Zunahme von Tierversuchen - die erstmals wieder im Jahr 2003 gesunkenen Tierversuchszahlen, Anlass auf Hoffnung für eine Kehrtwende gaben.

"Doch offensichtlich setzt sich die negative Tendenz der kontinuierlichen Zunahme durch", so Gerda Matias, und sieht dringenden Handlungsbedarf. Die Strategie, tierversuchsfreie Methoden zu fördern und vermehrt einzusetzen, die auch die TierversuchsgegnerInnen nach wie vor unterstützen, reicht offenbar nicht aus, um eine Reduzierung von Tierversuchen herbeizuführen. Weitere Ansätze, wie etwa eine striktere Handhabung bei der Genehmigung von Tierversuchen und keine Förderung von Tierversuchsprojekten mit öffentlichen Geldern, müssen dringend in Angriff genommen werden, um endlich dem Gesetzesauftrag aus dem Jahre 1989 "die Zahl der Tierversuche zu reduzieren", wie dies im § 1 Tierversuchsgesetz unmissverständlich als oberste Zielvorgabe festgehalten ist, gerecht zu werden.

Im Jahr 2004 wurden hauptsächlich Mäuse (79 %) zu Tests herangezogen, gefolgt in absteigender Reihenfolge von Kaninchen (11 %), Ratten (6 %), Meerschweinchen (2 %), Fischen, Schweinen, "Anderen Vögeln", Amphibien, "Anderen Nagern", Rindern, Pferden, Meerkatzen, Schafen, Hamstern, Ziegen.

Erfreulicherweise hat es einen Rückgang bei der Verwendung von Katzen gegeben (von 22 auf 18), bedauerlicherweise eine Zunahme beim Einsatz von Hunden (von 139 auf 155). Obwohl es eine aufrechte, ministerielle Weisung für ein Verbot von Versuchen an Hunden innerhalb des Ressorts des Bildungsministeriums gibt, wurden an 139 Hunden Experimente durchgeführt.

Forderung: Tiere aus registrierten Einrichtungen

Über drei Viertel der gesamten Versuchstiere stammt aus nicht registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen der EU, lediglich 22 % kommen aus einer österreichischen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtung. Dies widerspricht völlig der Zielvorgabe der Tierversuchsstatistik-Verordnung, nach der die Tiere vorrangig aus registrierten Einrichtungen kommen sollten. Auch hier sehen die TierversuchsgegnerInnen dringenden Handlungsbedarf und fordern, dass eine Genehmigung von Tierversuchen auch von der Herkunft der Tiere abhängig gemacht werden sollte.

Der größte Teil der Tiere, nämlich 78 %, wurde für die Erforschung und Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet. Für biologische Untersuchungen im Bereich der Grundlagenforschung - wo es um keine zweckdienliche und zielgerichtete Forschung geht - wurden 27.157 Tiere, fast 15 %, herangezogen. An 7.888 Tieren, das sind über 4 %, wurden die sehr belastenden Toxizitätstests und Unbedenklichkeitsprüfungen (Haut- und Augenreizungen etwa) durchgeführt.

Trotz genügender Alternativmethoden wurden an 553 lebenden Tieren Experimente im Rahmen der Ausbildung durchgeführt.

Die Tierversuchsstatistik ist unvollständig

Die TierversuchsgegnerInnen stellen klar, dass die offizielle Tierversuchsstatistik lediglich die Spitze des Eisberges preis gibt und nicht den tatsächlichen jährlichen "Verbrauch" von Tieren in den Labors. In die Statistik werden lediglich lebende Wirbeltiere, an denen schmerzhafte und belastende Versuche durchgeführt werden, aufgenommen. Versuche, die nach der Meinung des Experimentators für das Tier nicht belastend und schmerzhaft sind, Versuche, bei denen die Tiere vorher getötet werden und Versuche an Wirbellosen, finden keinen Eingang in die Tierversuchsstatistik.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: ++43/1/713-08-23
E-Mail: rathmanner@tierversuchsgegner.at
Homepage: http://www.tierversuchsgegner.at

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