"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ölpreis-Dauerschock" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 29. Juni 2005

Innsbruck (OTS) - Vor wenigen Jahren dümpelte der Ölpreis bei mickrigen 12 Euro je Barrel (159 Liter) herum. Jetzt hat er erstmals die 60-Dollar-Marke geknackt - und die Experten übertreffen einander mit neuen Horrorprognosen: Diese reichen von einem Preisanstieg auf 65 bis 70 bis sogar 100 Dollar.

Das einst so übermächtige Ölkartell OPEC steht dem irren Preis-Treiben völlig machtlos gegenüber. Jüngst haben die Ölscheichs den Förderhahn wieder stärker aufgedreht. Die Preise stiegen trotzdem weiter.

Es ist derzeit genug Öl auf dem Markt, woran es fehlt, sind eher die Raffineriekapazitäten. In den USA wurden seit über 30 Jahren kaum neue Raffinerien gebaut, in Europa seit zehn Jahren. Abseits von Dauer-Begründungen wie Terrorangst oder der explosiven Lage in Nahost sind die hohen Preise vor allem auch Folge von Preisspekulanten. Über so genannte Hedge-Fonds, die Öl nur auf dem Papier handeln sowie auf steigende bzw. fallende Preise wetten, rollen laut Schätzungen 300 Mrd. Dollar. Dieser Spekulationsaufschlag, für den wir alle die Zeche zahlen müssen, wird auf bis zu 15 Dollar je Barrel oder sogar noch mehr geschätzt.
Weltweit stöhnen Firmen und Konsumenten unter den Rekordpreisen für Treibstoff und Heizöl. Bleiben die Preise auf Rekordkurs, trifft das die ohnehin schwache Konjunktur. Und einem Haushalt drohen bis zu 1000 Euro Mehrkosten im Jahr.

Die Spekulationsblase könnte bald wieder platzen. Langfristig allerdings müssen sich wohl alle auf noch höhere Ölpreise einstellen. Die Öl-Nachfrage (Stichwort China oder Indien) wird weiter massiv steigen, die Vorräte werden aber noch in diesem Jahrhundert zu Ende gehen. Außerdem ist die Förderung schon fast am Anschlag und wird künftig jedenfalls teurer.

Jedenfalls werden ökologischere Alternativen zum Öl mit dem irren Preishoch endlich interessant. Dass die Autoindustrie so stark in Richtung Brennstoffzellen-Fahrzeuge forscht, ist ein klarer Beweis.

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